Organisationen im Laufe der Zeit

Bild: Eigenes Bild der Studierenden.

Ein Podcast der Studentinnen Jessica Oredein, Marlene Reiter und Katharina Rudolph im Rahmen des Masterstudiengangs „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ (Master GWT). Produziert als Ergebnis des Seminars „Steuerung digitaler Organisationen“ an der Hochschule München im Wintersemester 2018/19.

Inhalt

Schlagworte wie Globalisierung und Digitalisierung bestimmen heute unser Zusammenleben, prägen die Arbeitswelt und eröffnen Fragen der Zusammenarbeit. Auch Organisationen sehen sich vor die Herausforderung gestellt, in einer immer komplexer werdenden Umwelt zu überleben. Doch wo liegen die Anfänge? Seit wann gibt es überhaupt Organisationen in der Form, wie wir sie heute kennen? Welche Strategien gibt es auf organisationaler Ebene, um den Anforderungen gerecht zu werden?

Wir haben uns mit diesen Fragen auseinandergesetzt und möchten mit diesem Podcast einen Überblick über den Wandel von Organisationen im Laufe der Zeit liefern. Dazu beschäftigen wir uns mit ihren Anfängen zur Zeit der Industrialisierung, gehen über die Entstehung des Taylorismus hin zu immer agiler und flexibler werdenden Organisationsformen im Zeitalter der VUKA-Welt.

Viel Spaß beim Anhören!

Am Ende dieser Seite gibt es neben dem Literaturverzeichnis ein informatives Glossar zum Thema.

Gender-Hinweis

In der lockeren Gesprächsatmosphäre, die diesen Podcast ausmacht, passiert es, dass nicht immer genderneutrale personenbezogene Bezeichnungen verwendet werden. Dies soll jedoch keinesfalls eine Geschlechterdiskriminierung oder eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes zum Ausdruck bringen. Gemeint sind immer alle Geschlechter.

Die einzelnen Themenbereiche

Vorstellung des Teams und Themas – 0′ 00“

Jessica, Kathi und Marlene sprechen über die Steuerung von Organisationen im Laufe der Zeit im Rahmen des Masters „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ als einen Leistungsnachweis für das Modul „Organisationen und ihre Handlungsressourcen“ bei Alexander Klier.

Ein Blick in die Vergangenheit – 01′ 58“

1800: in der Zeit der industriellen Manufakturen, sog. Arbeitshäusern, arbeiten verschiedene Professionen nah zusammen, sind stark spezialisiert und innovativ. Sie sind lokal und haben dadurch einen kleinen Markt, können kundenorientiert handeln. Die Industrialisierung löst diese Zeit ab (technische Innovationen / Neuerungen). Die Märkte werden größer (Massenmärkte entstehen), die Reichweite nimmt dadurch zu. Steuerung von Unternehmen wird durch „Management“ ermöglicht. Ein Vertreter dieser „wissenschaftlichen Betriebsführung“ – dem Scientific Management – ist Frederick Taylor / der Taylorismus. Hier wird Arbeit und Denken getrennt, es entstehen starre Arbeitsabläufe, ein Top-Down-Kommunikation, feste Vorgaben und Arbeitsteilung sowie Lohndifferenzen. Hier ist einerseits eine Professionalisierung möglich (schnellere, bessere, genauere Prozessabläufe) aber auch eine Entfremdung der Arbeit (Entfremdung vom Unternehmensziel) entsteht. Das heißt es ist wenig Platz für Ideen, Probleme werden nur träge entdeckt und bearbeitet, Krankheitsrate/Ausfälle nehmen zu, Produktivität nimmt dadurch ab. In den 60er Jahren gibt es Gegenbewegungen für mehr Humanisierung und Demokratisierung der Arbeitswelt. Gleichzeitig wird der Markt durch Digitalisierung und Globalisierung größer, die Komplexität nimmt zu, die Arbeitsumwelt wird dynamischer und schneller. Dies kollidiert mit den starren Unternehmensabläufen.

Die VUCA Welt – 8′ 00“

Die heutige Zeit ist geprägt durch eine veränderliche, unsichere, komplexe und mehrdeutige Arbeitswelt, in der die Steuerung von Unternehmen eine Herausforderung ist. Hier gibt es nicht den einen Weg oder das eine Führungsinstrument, sondern die erfolgreiche Steuerung ist abhängig vom Unternehmen bzw. der Unternehmensumwelt. Als Alternativen zur klassischen Unternehmensführung (Taylorismus) gibt es unter anderem agile Führungsformen, Soziokratie sowie Holakratie. Die Herausforderung besteht in der Umsetzung bzw. in der Veränderung der Unternehmen.

Organisationen verändern sich im Laufe der Zeit in verschiedenen Phasen (nach Glasl). In der Pionierphase (z. B. Startups) arbeiten Unternehmen meist flexibel, am Markt angepasst und Kundenorientiert – sind dadurch sehr agil. In der Differenzierungsphase entsteht durch Wachstum Arbeitsteilung, Hierarchisierung, Standardisierung, Spezialisierung, Formalisierung, Bürokratisierung. Hier besteht die Gefahr, starr zu werden und nicht mehr flexibel am Markt orientiert arbeiten zu können. Deshalb ist es notwendig in die Integrationsphase zu kommen. Durch die Änderung der Unternehmensführung und der Anpassung der Organisationsstruktur soll eine Umstrukturierung erreicht werden, um wieder am Markt angepasst agieren zu können (wie z.B. Toyota mit Leanmanagement).

Agilität und Digitalisierung – 16′ 10“

Agile Methoden hängen eng zusammen mit Digitalen Tools. Hier gibt es zwei Positionen:

  1. Agilität ist die Möglichkeit, auf die VUKA-Welt reagieren zu können und ist Voraussetzung, um zielgerichtete Digitalisierung durchführen zu können. Durch Agile Methoden (z.B. verteilte Teams) entsteht Dynamik von Arbeit / digitale Tools können ausgebaut und angewendet werden.
  2. Agilität ist Folge der Digitalisierung. Durch die Einführung von digitalen Tools in bestimmten Bereichen entsteht der Bedarf an Agilität, um diese anwenden und erweitern zu können.

Agilität in der Digitalisierung bringt Flexibilität, um auf die Unternehmensumwelt reagieren zu können, näher am Kunden zu sein und steigert die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Voraussetzung sind aber immer die Rahmenbedingungen. Digitale Tools an sich machen keinen digitalen Wandel in Unternehmen, wenn man sie nicht in gesamten Unternehmensstruktur denkt. Die Änderung des Mindsets ist wichtig, damit die Digitalisierung nicht nur zum Selbstzweck umgesetzt wird. Deshalb ist es wichtig, richtige Rahmenbedingungen zu setzen und klar zu kommunizieren in welchen Bereichen es nötig ist, digitale Instrumente / Agilität einzusetzen (z. B. Abteilungsabhängig). Hier ist die Rolle der Führung entscheidend. Alle müssen mitgenommen sowie Kompetenzen und Denkweisen gefördert werden, damit die Veränderung auch gewollt wird.

Wie gehen wir damit um? – 22′ 00“

Manager:in ist nicht mehr Entscheider:in oder Steuerer:in, sondern Berater:in/Coach:in in der VUKA-Welt. Die VUKA-Strategie zeigt auf, wie in der VUKA-Welt gehandelt werden kann. Es braucht Visionen, die von Mitarbeitenden und durch die Führung zusammen verfolgt wird, um der Entfremdung der Arbeit entgegenzuwirken und Verständnis (Understanding) zu erreichen. Auch Verständnis gegenüber den Mitarbeitenden und der Kundschaft ist hier gemeint. Dazu hilft es Klarheit bzw. Transparenz zu leben und Agilität als Voraussetzung zu erkennen.

Organisatorisches

Literatur und Medien

Alle Medien waren zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Podcasts (03.12.2019) abrufbar.

Manufakturen, Industrialisierung, Taylorismus

VUCA-Welt, Organisationsentwicklung nach Glasl

  • Lenz, Ulrich (2019): Coaching im Kontext der VUCA-Welt: Der Umbruch steht bevor. In: Heller, Jutta (Hrsg.): Resilienz für die VUCA-Welt. Band 15. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. S. 49–68.
  • Mierke, Katja und van Amern, Elsa (2019): Stresserleben und -bewältigung in einer VUKA Welt. In: Mierke, Katja und van Amern, Elsa (Hrsg.) Klare Ziele, klare Grenzen. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg. S. 3–31.
  • Glasl, Friederich (2011): Übersicht über die Entwicklungsphasen eines Unternehmens. In: Glasl, Friedrich und Lievegoed, Bernard C.J. (Hrsg.): Dynamische Unternehmensentwicklung. Grundlagen für nachhaltiges Change Management. Bern, Stuttgart: Haupt Verlag; Verlag Freies Geistesleben. S. 47-60
  • Lindner, Dominic (2016): Agile Unternehmen. Dialog mit Niels Pfläging zum Thema Organisationsphysik. Abrufbar unter https://agile-unternehmen.de/niels-pflaeging-organisationsphysik/
  • Schmeisser, Wilhelm; Stoeff, Daniel (2019): Vom Lean Management zur Digitalisierung. München: UVK Verlag

Digitalisierung und Agilität

Glossar

Agilität: Häusling und Fischer (2016. S. 30) definieren Agilität als “die Fähigkeit eines Unternehmens […], sich kontinuierlich an seine komplexe, turbulente und unsichere Umwelt anzupassen“. (Häusling, A. & Fischer, S. (2016). Mythos Agilität – oder Realität? Personalmagazin (04), S. 30 – 33). Hierzu empfehlen wir auch das Erklärvideo „Agilität“ online abrufbar unter https://www.alexander-klier.net/podcast/sophia-erklaerts-agilitaet/
Agile Unternehmensführung / Holakratie / Soziokratie: Hierzu empfehlen wir den dreiteiligen Podcast „Organisationen im Wandel: Teil 1: Demokratische Unternehmen, Teil 2: Holakratische Unternehmen, Teil 3: Soziokratische Unternehmen“ online abrufbar unter: https://www.alexander-klier.net/publikationen/podcast-uebersicht/
Der Begriff Digitalisierung beschreibt umfassende und mehrschichtige gesellschaftliche Veränderungen, weshalb es schwer ist, eine einheitliche Definition zu finden. Nach dem Gabler Wirtschaftslexikonist unterDigitalisierung vor allem im 20. Jahrhundert die digitale Umwandlung, Darstellung bzw. Durchführung von Information und Kommunikation mittels Instrumente oder Geräte zu verstehen.  Informationstechnologie diente zunächst der Automatisierung und Modernisierung der Arbeitswelt. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts wird Digitalisierung teilweise auch in einem revolutionären Sinne verstanden, als sogenannte digitale Wende. In diesem Kontext hat Digitalisierung eine neue Richtung genommen, wonach “disruptive Technologien und innovative Geschäftsmodelle eine zunehmende Autonomisierung, Flexibilisierung und Individualisierung” in der Gesellschaft fördern. Henriette et al. (2016, S. 2) sprechen im Zuge dessen von einer digitalen Transformation, bei der die tiefe Verwurzelung digitaler Technologien in tägliche Praktiken einen grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel bewirken.
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/digitalisierung-54195
Henriette, E.; Feki, M. und Boughzala, I. (2015): The Shape of Digital Transformation. A Systemaic Literature Review. MCIS 2015 Proceedings. 10. URL: http://aisel.aisnet.org/mcis2015/10
Disruptive Veränderung: Im wirtschaftlichen Kontext ist unter dem Begriff „Disruption“ (abgeleitet aus dem Englischen „disrupt“: zerstören, unterbrechen) ein Vorgang oder Prozess zu verstehen, bei dem u.a. traditionelle Geschäftsmodelle, Technologien oder Verfahren von neuen Problemlösungen radikal hinterfragt und größtenteils oder gar vollständig vom Markt verdrängt werden. Im Gegensatz zu einer “normalen, eher kontinuierlich verlaufenden Veränderung, wie sie sich in allen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens permanent vollzieht, […] führt eine disruptive Veränderung/Innovation zu einer völligen Umstrukturierung eines Marktes oder zu einer ganz neuen Art, Probleme zu lösen”. https://www.kraus-und-partner.de/wissen-und-co/wiki/disruption-disruptive-veraenderung-berater-beratung-veraenderungen
Industrialisierung bzw. industrielle Revolution (Ende 18. Jhd – 19. Jhd.): Der Begriff Industrialisierung kennzeichnet einen volkswirtschaftlichen Prozess in der Arbeitswelt. Er beschreibt den Beginn der Massenproduktion, welcher durch die Erfindung der Dampfmaschinen sowie technische Hilfsmittel wie beispielsweise den mechanischen Webstuhl, stark vorangetrieben wurde. Der volkswirtschaftliche Prozess im 19 Jhd. wird auch industrielle Revolution genannt und beschreibt im Großen und Ganzen die Entwicklung der Manufakturen hin zu großen Fabriken der Massenproduktion. Besonders Wissenschaft und Technik beschleunigten diesen Prozess. In der heutigen Zeit wird von der Industrie 4.0 gesprochen. (https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/industrialisierung-39874 https://de.wikipedia.org/wiki/Industrielle_Revolution; http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19719/industrielle-revolution)
Lean Management ist ein Führungs- bzw. Organisationskonzept, das versucht beste Qualität für den Kunden zu erreichen und größtmögliche Effizienz zu erreichen, indem Prozesse dahingehend verändert werden, Fehler zu vermeiden und auf Verschwendungen (wie z. B. Überproduktion, unnötige Transportwege etc.) zu verzichten. Zwei der vielen Prinzipien des Lean Managements sind Kanban (Pull-Prinzip: Produktion wird aus der Sicht des Kunden gesehen und nicht von Produktionsvorgaben) oder auch Kaizen (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess: durch die MitarbeiterInnen wird das tägliche Tun hinterfragt und somit verbessert). (Schmeisser und Stoeff 2019, S. 13 ff.). Die japanische Automobilfirma Toyota ist Begründer des Lean Managements, das sich mittlerweile in verschiedene Bereiche und Richtungen weiterentwickelt hat.
Manufaktur: Vor der industriellen Revolution (im 18. Jhdt.) war es üblich, in sogenannten Arbeitshäusern zu produzieren. So entstanden Manufakturen für beispielsweise Porzellan, für Spiegel oder für Kutschen. Verschiedene Handwerke arbeiteten gemeinsam an einem Produkt. Flexibilität, Kundenorientiertheit und Innovativität kennzeichneten Manufakturen. (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Manufaktur)
Markt, träge / dynamisch: Als träger Markt werden die sogenannten Massenmärkte bezeichnet. Kennzeichnende Merkmale sind: eine hohe Kaufkraft (hohe Nachfrage), Konkurrenz (Wettbewerb steigt), durch Massenproduktionen können weite Teile der Bevölkerung mit einem bestimmten Produkt versorgt werden, Kreativität richtet sich nach innen d.h. das Augenmerk liegt auf den zu produzierenden Gütern. Als dynamischer Markt werden Märkte bezeichnet, in denen ein hoher Grad an Flexibilität vorzufinden ist. Die Kreativität richtet sich nach außen, d.h. sie sind stark kundenorientiert und innovativ. (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/; https://www.agil-werden.de/?s=taylorismus&submit= )
Organisation / Unternehmen: Eine Organisation ist ein Zusammenschluss mehrerer Individuen, welche sich z.B. die Produktion bestimmter Güter zum Ziel gesetzt haben. D.h. Organisationen geben sich selbst einen Zweck und bestimmen ihre eigenen Regeln und Hierarchien. Organisationen können verschiedene Formen annehmen. So kann eine Form der Organisation ein Unternehmen sein, welches Güter produziert und diese dann auf dem Markt mittels Tauschprozessen handelt und die produzierten Güter dann an KundInnen/KäuferInnen verkauft/tauscht (vgl. Herzka, 2013, S. 8). (Herzka, Michael (2013): Führung im Widerspruch. Management in Sozialen Organisationen. Wiesbaden: Springer Verlag)
Scientific Management / Taylorismus: Der Begriff Taylorismus entstand in Zeiten der industriellen Revolution bzw. Industrialisierung im 19. Jhd. und beschreibt eine Theorie, welche zu der neu entstandenen Dynamik der Massenmärkte besser passte. Diese Theorie ist der Taylorismus und wurde von dem US-Amerikanischen Ingenieur Frederik Winslow Taylor eingeführt. Im Vordergrund steht nun, die Arbeiter vom Denken zu befreien, um somit die Produktivität zu steigern. Es entstehen einfache sich widerholende Tätigkeiten. Die Wissenschaft ist nun zuständig für das Denken in einer Fabrik d.h. Arbeiter erhalten Arbeitsanweisungen und erledigen nun nicht mehr den kompletten Arbeitsprozess, sondern nur noch kleine Teile davon. Die nannte Taylor Scientific Management. Es regelte nun alle Arbeitsabläufe, sowie Arbeitszeiten und monetäre Anreize wie beispielsweise den Leistungslohn (mehr Leistung mehr Lohn), welche zu mehr Arbeitsmotivation und somit einer Produktionssteigerung führen sollen. Management ist auch in der heutigen Arbeitswelt ein Begriff. (https://de.wikipedia.org/wiki/Taylorismus; https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/taylorismus-48480; https://www.agil-werden.de/?s=taylorismus&submit=)
VUCA ist ein Akronym aus dem englischen und bedeutet „volatile, unpredictable, complex, und ambiguous“. Ins Deutsche übersetzt meint die VUKA-Welt, dass diese veränderlich, unsicher, komplex und ambivalent ist. Beschrieben wird damit die Arbeitswelt wie sie heute für MitarbeiterInnen und auch Führungskräfte vorzufinden ist (vgl. Mierke und van Amern 2019, S. 4). Deutlich wird, dass es in der Unternehmensführung vor allem darum geht mit einer schwer kontrollierbaren Umwelt flexibel umgehen zu können und diese innovativ mitzugestalten, um sich auf dem Markt zukunftsfähig positionieren zu können (vgl. Lenz 2019, S. 53). Daraus folgt somit auch ein neues Verständnis von Führung. Gleichzeitig bietet die VUCA-Strategie (vision, understanding, clarity und agility) eine Antwort darauf, wie man mit der VUCA-Welt umgehen kann.

Bild

Das Titelbild wurde von den Studentinnen in Eigenregie speziell für diesen Podcast produziert.

Musik (Jingle)

Musik/Jingle: Matthias Gruber. Produziert exklusiv für diesen Podcast. Eine Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons BY (Namensnennung) ist möglich.

CC BY-SA und OER

Eine Verwendung dieses Podcasts unter den Bedingungen der Creative Commons BY-SA, und damit als OER, ist möglich.

Das bedeutet, Sie können sie frei für den Unterricht oder Lehrveranstaltungen verwenden, wenn sie die Namen der Ersteller (sofern nicht anonym) nennen und selbst unter den gleichen Bedingungen zur Verfügung stellen. Sie dürfen die Dateien sogar herunterladen und eigenständig verändern, allerdings gilt auch hier der Hinweis auf die Namensnennung der ursprünglich verwendeten Datei und die Verwendung unter gleichen Bedingungen.

Social Augmented Learning

Bild: Mediamodifier – laptop-2411303 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0, also als gemeinfreie Datei.

Allgemeiner Hinweis zum Podcast

Ein Podcast der Studentinnen Paulina, Miriam, Sabrina und Christiane (Namen geändert) im Masterstudiengang „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ des Sommersemesters 2019.

Abstract

Der Podcast “Social Augmented Learning” befasst sich mit dem Thema der Bildung im digitalen Zeitalter. Zunächst werden die theoretischen Grundlagen und wissenschaftliche Erkenntnisse erläutert. Darauf folgt ein Beitrag einer Psychologin zu der Wirkungsweise von Augmented Reality. Im dritten Teil des Podcasts werden zwei Expertinnen aus der Praxis, in deren Arbeitsalltag Social Augmented Learning eine Rolle spielt, interviewt.

Sowohl die Namen, als auch die Rollen sind frei erfunden. Die Rollen allerdings orientieren sich an der Literatur (sie werden quasi zitiert), was auch für die diskutierten Inhalte gilt (siehe Literatur).

Hinweis: Das Transkript ist, gemäß dem längeren Podcast, auch entsprechend lang – und entsprechend gegliedert.

Einführung

Hallo und ein herzliches Willkommen zu unserer neuen Podcast Reihe „Bildung im digitalen Handlungsraum“. Heute geht es um das Thema „Social Augmented Learning“. Mein Name ist Paulina Seefeld und nach dem heutigen Podcast weißt du was Augmented Reality ist, auf wissenschaftlicher Ebene. Dazu wird erklärt wie diese Zukunftstechnologie im Bildungsbereich Anwendung findet, also im sogenannten „Social Augmented Learning“.

Das Transkript

Einführung und Vorstellungsrunde (0:30)

Unterstützung habe ich mir natürlich auch geholt und zwar von der Psychologin Dr. Miriam Meilinger. Ich freu mich, dass du heute bei uns zu Gast bist, stell dich doch mal kurz vor und was du heute unseren Zuhörern erzählen wirst.

Miriam: Hallo Paulina, ich freue mich sehr, dass ich heute in deiner Podcast-Folge zu Gast sein darf und den Hörerinnen und Hörern psychologischen Input zu Augmented Reality geben darf. Zusammen mit einem interdisziplinären Forschungsteam untersuche ich bereits seit 2012 die Wirkungsweise des Einsatzes von multimedialen Anwendungen auf Lernprozesse, sowie Social Augmented Learning im speziellen und konnten dazu bereits einige spannende Erkenntnisse erlangen, die ich heute gerne mit euch teilen möchte. Dazu gehört natürlich auch sich zunächst mit den Wahrnehmungsprozessen die im Gehirn ablaufen auseinanderzusetzen. Hierzu gehört insbesondere die multisensuale Wahrnehmung.

Moderatorin: Es wird also richtig spannend, ich habe auch noch zwei weitere Expertinnen aus der Praxis neben mir sitzen. Zu meiner linken begrüße ich ganz herzlich Sabrina Meier von der Deutschen Bahn. Stell dich uns mal kurz vor wer bist du und was du machst.

Sabrina: Hallo Paulina, mein Name ist Sabrina Meier und ich bin seit 2015 bei der Deutschen Bahn AG als Leitung im Bereich Kommunikation tätig. Meine Schwerpunkte sind Digitalisierung und Technik. In diese Podcastreihe wurde ich eingeladen etwas über den neusten Stand der Anwendung von digitalen Technologien, speziell Social Augmented Learning im Bereich Aus- und Weiterbildung bei der Deutschen Bahn zu erzählen.

Moderatorin: Ok, ich bin schon richtig gespannt auf deine Erfahrungsberichte! Zu meiner rechten sitzt Christiane Friedrich vom Forschungsprojekt “Social Augmented Learning”, erzähl uns ein bisschen was über dich.

Christiane: Sehr gern. Ich habe meinen Bachelor und Master of Science in Druck- und Medientechnologie an der Bergischen Universität Wuppertal absolviert. Im Bachelor war Augmented Reality eines meiner Schwerpunktthemen (vgl. Fehling 2011, S.1). Ich fand es einfach mega spannend, wie moderne Medien und Technologien in Unternehmen eingesetzt werden können und habe mich deshalb in meinem gesamten Studium vorrangig damit beschäftigt. Seit 2013 bin ich an der Uni Wuppertal als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Systemforschung der Informations-, Kommunikations- und Medientechnologie angestellt. Dann habe ich begonnen mich konkret auf das Lernen mit modernen Medien und Technologien zu spezialisieren. Und bin derzeit, wie du bereits erwähnt hattest, im Forschungsprojekt Social Agmented Learning involviert (vgl. Fehling 2019). Ich werde euch heute also etwas aus unserem Forschungsprogramm SAL berichten.

Moderatorin: Und los geht’s meinerseits mit ein paar Basics


Exkurs: Theoretischer Hintergrund (3:32)

1. Was beinhaltet Social Augmented Learning (SAL)?

Social Augmented Learning verbindet die Konzepte des Social Learning, des Mobile Learning und der Augmented Reality (vgl. Fehling, 2016, S.1).

2. Definition Augmented Reality

Was ist Augmented Reality?

Augmented Reality ist für viele noch ein relativ unbekannter Begriff, im Gegensatz dazu können viele mit Virtual Reality schon eher was anfangen, weil es auch besonders durch die Spielszene bekannt geworden ist. Für ein besseres Verständnis von AR macht es Sinn diese beiden Begriffe in Relation miteinander zu setzten. Eine einheitliche Definition zu AR gibt es in der Literatur bis dato noch nicht, jedoch greifen bei der Beschreibung die meisten auf Milgram et al. 1994 zurück, auf das sogenannte „reality-virtuality continuum“.  

Was ist das „reality-virtuality continuum?“

Man muss sich vorstellen, dass sich auf der einen Seite „Real Environmet“ also die „Reale Umwelt“ befindet und auf der anderen Seite die „Virtual Environment“ also die „Virtuelle Umwelt“. Und innerhalb von diesem Rahmen vermischen sich diese beiden Formen, also die reale und virtuelle Welt, dann spricht man auch von „Mixed Reality“ einer „Gemischten Realität“. Wenn man sich diesen Rahmen vorstellt liegt Augmented Reality näher an der realen Umwelt als an der virtuellen, weswegen auch der reale Anteil bei der visuellen Darstellung überwiegt. Die Begriffe, Mixed Reality und Augmented Reality werden jedoch auch gerne Synonym verwendet, streng betrachtet gibt es aber Unterschiede. Und Virtual Reality befindet sich auf der anderen Seite dieses Rahmens, man ist also in einer komplett virtuellen Welt (vgl. Mehler-Bicher und Steiger 2014, S .9f; Hemmerling 2011, S. 20 & Milgram, Haruo et al. 1994, S. 282f).  

Auch interessant sind die drei Charakteristika von Azuma die er 1997 festgelegt hat. Er sagt, dass AR (vgl. Azuma 1997, S. 1f)

  1. eine Kombination mit einer teilweisen Überlagerung von virtuellen und realen Welten ist, die
  2. dem Nutzer eine Interaktion in Echtzeit mit den digitalen Inhalten ermöglicht
  3. und einen dreidimensionalen Bezug von virtuellen und realen Gegenständen schafft.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass AR darauf abzielt eine bestehende reale Welt mit computergenerierten Zusatzinformationen anzureichern (vgl. Klein 2019, S. 1).

3. Verfügbarkeit von Augmented Reality (Mobile Learning)

Wie und auf welchen Geräten kannst du Augmented Realtiy verwenden?  

Jetzt hast du schon mal erfahren, was AR ist und im Folgenden stelle ich dir knapp vor mit welchen Geräten du AR anwenden kannst. AR lässt sich auf mobilen Endgeräten anwenden so z.B. auf dem Smartphone oder aber auch auf dem Tablet. Vielleicht erinnerst du dich auch noch an das Spiel Pokémon GO, das war so ziemlich eine der bekanntesten Anwendungen von AR auf dem Smartphone. Aber was wir an dieser Stelle hier nicht vergessen dürfen, sind die sogenannten Augmented Reality Brillen. Der absolute Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Microsoft HoloLens, denn du kannst dich frei bewegen und die virtuellen Inhalte werden dir als ein Hologramm eingeblendet mit denen du auch interagieren kannst (vgl. Gesellschaft für Arbeitswissenschaften e.V. 2017, S.2 & Microsoft HoloLens, 2017). AR ist eine Art von Mobile Learning, da es den Lernenden ein flexibles und lernortunabhängiges Lernen ermöglicht. Durch die Verfügbarkeit des Internets lässt sich zu jeder Zeit an jedem Ort auf die Daten zugreifen (vgl. Fehling, Hagenhofer 2015, S. 243).

4. Definition Social Learning

Was versteht man unter Social Learning?

Unter Social Learning versteht man die Interaktion von Menschen beim Lernen. Durch AR wird es ermöglicht, dass die Lernenden unabhängig von ihrem Lernort miteinander kollaborieren und so gemeinsam eine Aufgabenstellung bearbeiten können.


Multisensuale Verstärkung

Moderatorin: Wir möchten uns nun mal genauer mit der Wirkungsweise von Social Augmented Learning auseinandersetzen. Miriam, magst du uns darüber aufklären, was hinter dem Begriff der Multisensualen Wahrnehnumg steckt und den Zusammenhang zu Augmented Reality herstellen

Miriam: Ja sehr gerne Paulina. Um den Wirkungsprozess von Augmented Reality zu verstehen ist es notwendig, sich zunächst mit dem Begriff der Multisensualen Wahrnehmung vertraut zu machen. Das Phänomen der multisensualen Wahrnehmung basiert auf dem sogenannten S-O-R-Modell, hierbei lösen gewisse Stimulusvariablen wie beispielweise Gerüche, Töne oder Farben, je nach Persönlichkeit und Wahrnehmung des Empfängers, bestimmte Emotionen aus. Diese, durch den Organismus des Empfängers erzeugten Emotionen, führen dann schließlich zu einer Reaktion, die ein verändertes Verhalten des Empfängers mit sich bringt (vgl. Knoblich et al. 2003, S. 23f). Je nach eingesetztem Stimulus, können gewisse Synästhesien erzeugt werden d.h. es entstehen Verbindungen unterschiedlicher Sinnesreize, die durch einen bestimmten Stimuli ausgelöst werden können (ebd.).

Moderatorin: Das heißt, ein bestimmter Geruch kann beispielweise, die Wahrnehmung einer bestimmten Farbe auslösen?

Miriam: Ja richtig. Es spielen also die unterschiedlichen Sinnesreize d.h. z.B. visuell, akustisch, oder haptisch zusammen und werden über unterschiedliche Kanäle gleichzeitig aufgenommen so spricht man also von multisensualer Verstärkung bzw. multisensroy Enhancement. Die Wirkungsweise ist damit um ein 10-faches höher als die Summe der Einzelsinne, hier wirkt ein sogenannter neuronaler Verstärker-Mechanismus (Institut für integrierte multisensorische Markenbildung, o.J).

Moderatorin: …und wie kann Social Augmented Learning nun in diesem Zusammenhang angewendet werden, wie lässt sich dadurch ein positiver Lerneffekt erzielen?

Miriam: Um einen positiven Lern-Effekt mir AR zu erzielen ist es aus lernpsychologischer Sicht unbedingt notwendig, auch die individuellen Eigenschaften der Lernenden (z.B. Vorwissen, Intelligenz, Motivation), die Merkmale der Lehrenden bzw. Erziehenden (z.B. Motivation, Engagement, didaktische Kompetenzen etc.), sowie die Vor- und Nachteile unterschiedlichster Darstellungsweisen- und Aufgabenstellungen zu berücksichtigen. Das heißt es erfordert eine ganzheitliche Betrachtungsweise aller Faktoren, die auf die Lernsituation Einfluss nehmen (vgl. Moser & Zumbach, 2012, S. 5).

Besonders hilfreich sind hierzu die Erkenntnisse des Kollegen Mayr, der die Vorteile multimodaler Präsentationsformen erforscht hat, wobei auditive Informationen mit visuellen Informationen kombiniert werden. Ähnlich wie bei der multisensualen Wahrnehmung kommt es hier zu einer Ausnutzung mehrerer Sinneskanäle, welche eine Überlastung des Arbeitsgedächtnisses des Lernenden vermeidet. Man nennt das den sogenannten Modalitätseffekt (ebd.).

Moderatorin: …und welche Bedingungen gilt es zu beachten, damit man mit AR Wirkung erzielen kann?

Miriam: Damit AR-Lernumgebungen gut funktionieren können, muss auch die Technik darauf abgestimmt sein und gewisse Voraussetzungen erfüllen. D.h. sie sollte einfach und robust sein, klare und verständliche Informationen bieten (also auf das Wesentliche beschränken), dem Lehrenden ermöglichen die Informationen unkompliziert einzupflegen (was ggf. ein spezielles Training im Programmieren notwendig macht), die Interaktion zwischen Lernendem und Lehrenden ermöglichen (z.B. durch integrierte Chatoptionen), komplexe Prozesse für beide Seiten d.h. Lehrendem und Lernenden transparent machen und zuletzt nicht zu kostenintensiv und leicht erweiterbar sein (vgl. Liarokapis & Anderson, 2010, S. 2).

Moderatorin: Siehst du dabei auch die Lehrkräfte in der Pflicht, für entsprechende Lernumgebungen zu sorgen?

Miriam: Ja definitiv, mit der Einführung und Nutzung von AR ist gleichzeitig auch ein klarer Appell an Lehrkräfte/Pädagogen verbunden. Sie sind gefordert, digitale Lernumgebungen entsprechend zu gestalten, um intrinsische Motivation aktiv zu fördern. Dazu zählt eben auch, dass die eingesetzten Technologien adäquat eingesetzt werden müssen und AR nicht nur als Mittel zum Zweck dienen soll, sondern durch die Integration in didaktische und auch technische Unterrichtskonzepte einen Mehrwert schaffen sollen. AR-Anwendungen eignen sich damit definitiv nicht für den klassischen Frontalunterricht, was wohl den schon seit längerer Zeit geforderten Paradgimenwechsel unumgänglich macht.

Moderatorin: Welche konkreten Vorteile ergeben sich durch AR also für den Lernenden und gibt es bereits Forschungsergebnisse dazu?

Miriam: Erste Forschungsergebnisse und vereinzelte Erfahrungsberichte zum Einsatz von AR und VR zeigen bereits, welche Vorteile durch die aktive Anwendung für das Lernen entstehen können. Die Vorteile der Methoden sind z.B:

  • Eine Verstärkung des Lernerlebnisses durch die Erweiterung der visuellen Wahrnehmung eines Objektes oder der Umgebung. D.h. normalerweise beobachtbare Phänomene oder die Darstellung abstrakter Wissenschaftskonzepte sind dadurch möglich.
  • Weiter bieten sie Unterstützung beim Einsatz diverser pädagogischer Ansätze, wie konstruktivistischem Lernen, situativem Lernen, spielbasiertem Lernen und forschendem Lernen.
  • Sie ermöglichen kollaboratives Lernen und tragen zu einer verbesserten Gruppendynamik bei.
  • Sie erhöhen die Motivation, stärken das Selbstvertrauen der Lernenden und tragen zur Verbesserung der Lernergebnisse bei.
  • Und zuletzt können sie ressourcenschonend sein (z.B. im Vergleich zur Durchführung realer Laborversuche).

Positive Auswirkungen auf den Lernerfolg und bei der Entwicklung von Kompetenzen konnten insbesondere bei naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern nachgewiesen werden. Der Kollege Kloper hat mit seiner Studie gezeigt, dass Studierende die Anwendung von AR-Elementen als äußert nützlich bei der Suche, Organisation und Evaluation von Informationen empfanden. Auch positive Auswirkungen auf das Interesse und die intrinsische Motivation beim Einsatz von AR konnten von den Wissenschaftlern Sotiriou & Bogner in ihren Studien feststellen (vgl. Buchner, 2017).


(Für diejenigen, die sich die Metastudie gerne im Detail durchlesen möchten, finden die Links in unserem Verzeichnis.)


Moderatorin: Das klingt ja alles sehr positiv, gibt es denn gar keine Nachteile oder Hindernisse bei der Anwendung von SAL?

Miriam: Nun ja einige Punkte gibt es da schon zu beachten, neben den erwähnten positiven Effekten von SAR auf Lernprozesse lassen sich auch einige Hindernisse ausmachen. Ich hatte im Verlauf des Gesprächs den Modalitäteffekt erwähnt, bei dem gleichzeitig mehrere Sinneskanäle angesprochen werden, um eine Überlastung des Arbeitsgedächtnisses zu vermeiden. Das bedeutet, dass eine entsprechende Aufbereitung notwendig ist. Und genau dieser Punkt ist entscheidend, denn wird die Lernumgebung nicht miteinbezogen und auch Vorerfahrungen und Eigenschaften des Lernenden nicht berücksichtigt, so kann es schnell zu einer kognitiven Überlastung, dem sogenannten Cognitive Overload, bzw. einer Überlastung des Arbeitsgedächtnisses kommen, was den Wissenserwerb enorm beeinträchtigen kann (vgl. Buchner, 2017).


Interview 1: Ausbildung bei der Deutschen Bahn (17:42)

Moderatorin: Hi Sabrina, ich freue mich sehr dich nochmals begrüßen zu dürfen! Du bist bei der Deutschen Bahn und leitest den Bereich Kommunikation, mit den Schwerpunkten Digitalisierung und Technik. Heute wirst du uns einiges über den Einsatz von Social Augmented Learning und Virtual Reality in eurem Unternehmen erzählen!

Sabrina: Ja, hi. Vielen Dank für die Einladung, ich freue mich, deine Zuhörer etwas hinter die Kulissen der Deutschen Bahn blicken zu lassen und ihnen Einblicke in unser innovatives Unternehmen geben zu können!

Moderatorin: Ja, super! Vielleicht kannst du mal ganz grob erzählen wie es bei euch im Moment im Bereich Digitalisierung in der Lehre aussieht.

Sabrina: Mhm, also das ist in unserem Unternehmen, wie in vielen anderen auch, ein sehr aktuelles Thema, das stetig weiterentwickelt wird. Und wir sind für jede weitere Entwicklung auch wirklich dankbar, weil es viele Vorteile mit sich bringt. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass virtuelle Realität, also die komplette Abbildung der Realität und augmentierte Realität, also die Anreicherung der Realität mit virtuellen Informationen seit 2018 ein fester Bestandteil in der Aus- und Weiterbildung bei der Deutschen Bahn.

Moderatorin: Ah ja, seit letztem Jahr also. Wieso siehst du denn im Bahnbetrieb dafür eine Notwendigkeit?

Sabrina: Heutzutage, im digitalen Zeitalter erfordern Bahnberufe zunehmend spezifisches Fachwissen. Bahnanlagen, beispielsweise werden ständig weiterentwickelt und neue Technologien müssen schnell gelernt werden. Durch AR geht das viel leichter und schneller, also zuvor.

Moderatorin: Das klingt einleuchtend. Und woher bekommt ihr wiederum diese Technologien und Programme, die AR ermöglichen?

Sabrina: Die Deutsche Bahn hat selbst eine virtual reality-Anwendung entwickelt. Diese nennt sich EVE – Engaging virtual Education. Zudem hat das Münchner Startup „VISCOPIC“ eine virtuelle Schulung mit realitätsnahem Weichen-Hologrammen entwickelt (VISCOPIC, 2019).

Moderatorin: Ah Viscopic, das sagt mir etwas. Auch andere große Firmen, wie BMW, VW, Siemens oder Audi sind Kunden von Viscopic, richtig  (VISCOPIC, 2019)?

Sabrina: Ja genau, du bist gut informiert!

Moderatorin: Haha, danke. Nun würde mich aber ein konkretes Beispiel interessieren, wo ihr AR in der Lehre einsetzt.

Sabrina: Natürlich. Nun das erste woran man bei der Bahn denkt, ist wahrscheinlich das Bedienen von Zügen. Sowohl mit neuen Zügen, beispielsweise den neuen S-Bahnen, die seit letztem Jahr beispielsweise in München fahren. Als auch der Umgang mit bekannten Baureihen. Mit einer VR-Brille, kann mit dem Programm EVE eine virtuelle Lernumgebung betreten werden, die natürliche Bewegungen und Gesten erfasst. Funktionen werden regelrecht „greifbar“. Das führt zu einer Intensivierung des Lernens. Ich meine das belegen ja auch bekannte Lerntheoretiker, wie beispielsweise Stephen Kosslyn, der sich mit der Nachhaltigkeit des Lernens befasst hat (vgl. Kosslyn, 2017). Aber nicht nur das Fahren von Zügen, das ja eh von Grund auf von Simulation lebt, sondern auch andere Bereiche werden von Virtual und augmented reality gespickt.

Beispielsweise die Bedienung des Hublifts für Rollstuhlfahrer, die 28 Arbeitsschritte umfasst. Würde man das Training am echten Zug durchführen, wäre das mit enormen Kosten und Zeitaufwand verbunden.

Moderatorin: Mhm ja, das sind Dinge, über die man sich gar nicht so bewusst ist, wenn man mit der Bahn fährt!

Sabrina: Ja, das stimmt! Ein weiterer großer Bereich in dem AR zum Einsatz kommt, ist das Training an den Weichenteilen. Über 800 Wartungstechniker sind in der Infrastruktur bei der DB beschäftigt. Durch die gesellschaftlichen Veränderungen, scheiden bis 2026 voraussichtlich 50% davon aus dem Berufsleben aus.

Moderatorin: Wow!

Sabrina: Deshalb besteht die Notwendigkeit der Ausbildung vieler Nachwuchskräfte. Natürlich gibt es keine Möglichkeit die reale Technik, also z. B. eine Weiche in den Unterrichtsraum zu bringen. Viscopic hat eine Lösung entwickelt, die die Bahntechnik anschaulich macht. Mithilfe von AR Brillen werden dreidimensionale Darstellungen z. B. von Weichenteilen in den virtuellen Raum projiziert. Und diese realitätsnahen Hologramme können in alle Richtungen gedreht werden. Funktionsabläufe werden durch Fingertipps auf virtuelle Schaltflächen ausgelöst und werden animiert angezeigt. Hierbei spreche ich vom Training von der Montage von Weichenverschlüssen oder der Behebung von Weichenstörungen. Das schließt ganz wunderbar die Lücke zwischen Theorie und Praxis in der Aus- und Weiterbildung. Das Verständnis über Wirkungszusammenhänge wird verbessert und die Handlungssicherheit erhöht. Das ermöglicht eine schnelle Entstörung und Instandhaltung der Infrastruktur und schließlich einen verspätungsfreien Zugverkehr.

Moderatorin: Und davon profitieren letztendlich wir alle!

Sabrina: Haha, ganz genau! Und seit Mai 2018 wird dieses AR-Training namens „3D Durchblick“ in den Netz Schulungszentren in ganz Deutschland angeboten. Über 200 Signal- und Weichenmechaniker haben das Training bis Ende 2018 bereits absolviert.

Moderatorin: Wow, das klingt echt nach einer guten Lösung!

Sabrina: Ja auf jeden Fall! Jetzt könnte ich dir noch vom Einsatz von AR bei uns in der Kaffeemaschinenwartung und –reparatur, oder im Logistikbereich erzählen. Aber ich glaube dafür haben wir keine Zeit mehr oder?

Moderatorin: Ja ich fürchte auch. Aber wir können auf jeden Fall festhalten, dass VR und SAL wirklich in vielen Bereichen bei der DB eingesetzt werden!

Sabrina: Absolut! Und trotzdem habe ich das Gefühl wir stehen damit immer noch recht am Anfang und wir haben das Potenzial der modernen Technologien noch lange nicht ausgeschöpft!

Moderatorin: Davon bin ich überzeugt! Vielen Dank Sabrina, dass du heute hier warst!

Sabrina: Vielen Dank dafür!

Quelle: Deutsche Bahn AG, 2018


Interview 2: Mitarbeiterin des Forschungsprojektes Social Augmented Learning (23:53)

Moderatorin: Dann kommen wir auch jetzt schon zu unserem letzten Gast auf der Praxis und auch aus der Forschung. Ja, Christiane, was macht ihr genau in dem Forschungsprojekt SAL?

Christiane: Wir haben es uns zum Ziel gesetzt den Unterricht in Berufsschulen und Betrieben mit Hilfe des Social, Mobile und Augmented Learnings interessanter, eingängiger und verständlicher zu gestalten. Dabei konzentrieren wir uns derzeit auf den Beruf des Medientechnologen bzw. der Medientechnologin Druck. Wir entwickeln entsprechende Konzepte und erproben diese direkt in der Praxis (vgl. Fehling 2019, Social Augmented Learning: Lehren und Lernen in einer erweiterten Realität).

Moderatorin: Medientechnologin Druck. Mh. Ok. Ich habe eine Ahnung was diese Berufsgruppe so macht. Magst du uns dazu vielleicht noch ein paar Einblicke in den Berufsalltag geben?

Christiane: Klar. Wie der Name vermuten lässt kümmert sich eine Medientechnologin Druck um alles rund ums Drucken. Bücher, Postkarten, Hochzeitseinladungen, T-shirts und und und. Von der Auftragsaufnahme beim Kunden, über die Planung des Drucks, die Anfertigung von Probedrucken und der letztendlichen Auflage, die Überwachung der Maschinen, bis hin zur Qualitätsprüfung des Endprodukts, Reinigung und Funktionsüberprüfung der Maschinen (vgl. Hesse o.J., Ausbildung als Medientechnologe / – technologin Druck).

Moderation: Das klingt durchaus abwechslungsreich. In welchen Betrieben kann man sich zum Medientechnologen Druck denn ausbilden lassen? Sind das nur große Druckereien?

Christiane: Druckereien, ja. Aber auch im Copyshop oder auch bei Kartonherstellern kann man sich ausbilden lassen (vgl. ebd.).

Natürlich bildet nicht jeder dieser Betriebe aus. Da muss man sich dann ganz gezielt erkundigen oder im Internet nachlesen. Manchmal helfen die Berufsschulen auch bei der Vermittlung an Ausbildungsbetriebe.

Moderatorin: Also handelt es sich um eine duale Berufsausbildung?

Christiane: Ja, genau. Dauert 2,5 – 3 Jahre (a.a.O.).

Moderatorin: Und ihr macht es mit Augmented Reality jetzt möglich, dass man die Ausbildung zu Hause vom Sofa aus absolvieren kann?

Christiane: Hihi. Sicher für den einen oder die andere eine angenehme Vorstellung. Aber nein. In diese Richtung laufen unsere Lernformate nicht so ganz. Ich denke, da würde auch Vieles fehlen, was das Lernen wirklich so gestaltet, dass die Absolventen und Absolventinnen später im Beruf Erfolg haben.

Moderatorin: Was sind denn diese erfolgsversprechenden Faktoren aus deiner Sicht und wo findet das Social Augmented Learning da seinen Platz?

Christiane: Grundsätzlich ist die Berufsausbildung, so wie sie bisher gestaltet ist gut und erfolgreiche Absolventen und Absolventinnen können daran erfahrungsgemäß mit einem erfolgreichen Berufsleben anknüpfen. SAL wird darauf ausgerichtet in diese bestehenden Lehr- und Lernformate möglichst gut hinein zu passen und sinnvoll zu ergänzen. Dies ist eine der Anforderungen, die wir gemeinsam mit Lehrenden und Ausbildungsleitern und Leiterinnen ausgearbeitet haben (vgl. Fehling / Hagenhofer 2015, S.244).

Moderatorin: Also heißt es für die Lernenden weiter die Schulbank drücken, Lerngruppen und Praxisstunden im Betrieb und zusätzlich zu Hause lernen?

Christiane: Ja, ganz genau. Aber eben auch mit neuen technikgestützten Methoden. In allen Settings, die du uns gerade aufgeführt hast, lässt sich SAL in die Lehr- und Lernformate integrieren. Die Möglichkeiten konventionelle Lehr- und Lernformate zu erweitern sind grandios und bieten ganz neue Erfahrungen. Allein die Tatsache, dass die sogenannten Digital Natives teilweise viel mehr Begeisterung für Formate wie SAL aufbringen können, was wir ja vorhin bereits von Miriam gehört haben, verspricht Erfolg.

Moderatorin: Das kann ich mir gut vorstellen. Motivation und Begeisterung geben wirklich Antrieb. Gib uns doch mal ein Beispiel für eine konkrete Anwendung in der Ausbildung.

Christiane: Ich will euch ein erprobtes Beispiel aus der Praxis des derzeitigen Ausbildungsprogramms der Medientechnologen und Technologinnen Druck nennen. Der Schauplatz ist also beispielsweise eine Druckerei. Die Azubis lernen den Aufbau und die Abläufe der Druckmaschinen kennen, in dem sie ihr Smartphone oder Tablet als Art Röntgengerät nutzen (vgl. Schmedt 2018, Lernen in digitalen Welten: Social Virtual Learning und Social Augmented Learning).

Den Aufbau einer solchen Maschine könnte man über reales Auseinander und Zusammenbauen natürlich auch lernen, aber bspw. der Röntgenblick während des laufenden Betriebs ist im Realen eben nicht möglich.

Moderatorin: Und vor euer SAL Anwendung haben die Azubis die Maschinen dann selbst auseinander gebaut?

Christiane: I.d.R. nicht. Das wäre enorm kostenintensiv und für die meisten Betriebe deshalb einfach nicht realisierbar. Außerdem wäre dieses Arbeiten an der Maschine ziemlich risikoreich (vgl. Fehling & Hagenhofer, 2015, S.242).

Moderatorin: Ok. Dann ist das ziemlich cool, dass die Azubis da jetzt auch wirklich ganz neu an so wichtige Lerninhalte herangeführt werden können.

Wenn ihr sowohl für das Lernen allein, in der Berufsschule als auch im Betrieb SAL Anwendungen generieren könnt, wozu brauch man dann noch das Konventionelle?

Christiane: Einen wichtigen Sinn, der für das Lernen elementar ist, den wir mit Hilfe von SAL nicht abbilden können, ist der Tastsinn. Es heißt nicht umsonst „be-greifen“. Im Haptik-Forschungslabor in Leipzig wird dieser Sinn unter der Leitung von Martin Grunwald intensiv beforscht. Wir lernen nicht nur unseren eigenen Körper über taktile und haptische Reize kennen, sondern auch unsere Umwelt (vgl. Corves 2011, Der Leipziger Psychologe Martin Grunwald …).

Durch SAL wird zwar ermöglicht Bewegungen und Handgriffe wie in der späteren Praxis einzuüben. Dennoch fehlt eben das wirkliche Erfahren. Eine Medientechnologin Druck hat mit verschiedensten Materialien und Maschinen zu tun. Diese müssen in der Ausbildung auch über den Tastsinn erfahren werden. Dies ist ein Grund, weshalb konventionelle Lehr- und Lernformate wie beispielsweise die Praxis im Betrieb weiterhin unersetzlich sind.

Hierzu möchte ich aber noch anfügen, dass es bereits Bestrebungen und Testverfahren zur Weiterentwicklung von VR gibt, bei denen der Tastsinn auch angesprochen wird, bspw. durch Handschuhe, die Druck aufbauen, wenn ein Handgriff ausgeführt wird. (vgl. Krämer 2017, Handschuh “Exos”) Also findet diese Weiterentwicklung vielleicht auch bald Einzug in AR.

Des Weiteren wird die Berufsausbildung natürlich sowohl von den Lehrenden der Berufsschule und den Ausbildungsbetrieben, als auch von den Lernenden getragen. Wir müssen also alle involvieren. Es nützt uns wenig, wenn nur die Azubis unsere Konzepte zu schätzen wüssten. Also selbst, wenn diese Gruppe sich eine Lehre vom Sofa da Heim vorstellen könnte, würde es nicht dazu kommen.

Moderatorin: Ja. Schon verstanden. Und wie schafft ihr es alle Interessen und Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen?

Christiane: Zum einen haben wir die Seite der Lehrenden in die Formulierung von Anforderungen an das SAL mit einbezogen (vgl. Fehling & Hagenhofer, 2015, S.244). Außerdem bietet die von uns programmierten Anwendungen einigen Variations- und Modifikationsspielraum. Dazu muss ich kurz noch erklären, dass es drei Oberflächen gibt. Eine für reine Lernzwecke, eine für die Präsentation und eine dritte für die Veränderung der Inhalte und Darstellungen, die wir Autorenumgebung nennen (a.a.O., S.245). Diese Autorenumgebung bietet die Möglichkeit, die Lernmodule in einem gewissen Rahmen, seitens der Lehrenden selbst zu gestalten, zu erweitern und anzupassen. Und das ohne sich mit weiterer komplizierter Software auseinander setzen zu müssen. So können z.B. bestehende 3D-Modelle eingefärbt werden, nur z.T. abgebildet, um bspw. einen Ablauf schrittweise darzustellen, mit Feilen versehen werden usw. (a.a.O., S.247f.). Eine Modifikation ist auch seitens der Lernenden möglich. Was besonders in der Zusammenarbeit viel Potential bietet. Die Azubis können bspw. am 3D-Modell Einträge wie in einem Wiki vornehmen, Fragen stellen u.v.m. (a.a.O., S.249). Selbst die Individualisierung der Inhalte ist für beide Seiten möglich (a.a.O., S.248). Auf der anderen Seite haben wir die Erprobung durch eine Vergleichsstudie zwischen der reinen konventionellen Lehre und der durch SAL erweiterten Lehre durchgeführt. An der Studie haben sowohl die Lernenden als auch die Lehrenden teilgenommen. (a.a.O., S.249)

Moderatorin: Toll! Gibt es bereits Ergebnisse der Vergleichsstudie von der du uns berichten kannst?

Christiane: Die Anwendungen wurden überall positiv bewertet (vgl. Fehling & Hagenhofer, 2015, S.251). Was uns sehr glücklich stimmt und hoffentlich dazu führt, dass wir noch weiter daran arbeiten können. Es gibt aber auch noch Vorbehalte wegen des Smartphoneeinsatzes.

Moderatorin: Schüler die statt aufzupassen am Handy hängen kennen die Lehrer wahrscheinlich zur Genüge.

Christiane: Ja, wahrscheinlich. Es gibt auch neue Studien darüber, dass ein Verbot von Handys an Schulen sich positiv auf die Zensuren auswirkt (vgl. Beland &Murphy, 2015, S.12f).

Dennoch wurden Anwendungen wie SAL bei diesen Studien nicht berücksichtigt. Ich glaube daran, dass ein gezielter Einsatz (vgl. Fehling & Hagenhofer, 2015, S.251). und die Schulung der Medienkompetenz zukunftsweisender sind, als die Verbannung dieser Medien aus dem schulischen Kontext. Ob sich dies bewahrheitet, werden wir nur durch eine Vielzahl weiterer Studien herausfinden können.

Moderatorin: Das ist ein gutes und ermutigendes Schlusswort. Danke für die Einblicke in das Projekt SAL und den Einsatz in der Berufsausbildung zur Medientechnologin Druck.

Christiane: Vielen Dank an Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Toll das Sie eingeschaltet haben. Ich, Christiane Ahnert, bin Studentin des Masters Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. Für diesen Beitrag habe ich mich in die Rolle von Christian Dominic Fehling hineinbegeben. Hiermit liebe Grüße an Ihn. Links zu seinen Artikeln und weiterführender Literatur findet ihr in der Podcast Beschreibung. Auf Wiederhören. 


Outro (33:54)

So lieber Hörer, liebe Hörerin für heute sind wir schon am Ende unsere Podcasts angelangt, wenn dich das Thema aber noch weiter interessiert, hast du die Möglichkeit auf unsere Quellenangabe zurückzugreifen. Dort findest du nochmal jede Menge wissenschaftliche Literatur.

Organisatorisches

Die Besetzung der Rollen:

  • Paulina: Verena Wimmer
  • Miriam: Jordana Cunningham
  • Sabrina: Irina Braun
  • Christiane: Ulrike Ahnert

Literatur

Zum Zeitpunkt der Erstellung des Podcasts waren alle angegebenen Links aktiv.

Bild

Bild (auch Beitragsbild): Mediamodifier – laptop-2411303 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0, also als gemeinfreie Datei.

Musik

Musik (Jingle): LATASHÁ – Ripe. Verfügbar über die Youtube Audio Mediathek. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0, also gemeinfrei Datei.

Digitalisierung im Bildungsbereich

Ein Podcast der Studierenden Ulrike Eckert, Philipp Santner und Jan Moosbrugger im Rahmen des Masterstudiengangs „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ (Master GWT). Produziert im Sommersemester 2019 als Ergebnis des Seminars „Bildung im digitalen Handlungsraum“ an der Hochschule München.

Foto: Pexels – business-1868015 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

Aufbau

Der Podcast von Ulrike Eckert, Philipp Santner und Jan Moosbrugger verläuft als Debatte über aktuelle Prozesse und Streitfragen hinsichtlich der Digitalisierung in Bildungseinrichtungen. Laut einer Studie ist unsere Generation die einsamste Generation aller Zeiten, Digitalisierung steht oft in der Kritik, zu einer sozialen Vereinsamung beitragen zu können und ein soziales Lernen zu verhindern. Die Diskutierenden gehen dieser und weiteren Fragen nach.

Weitere Themen sind die Gefahr der Internetabhängigkeit, der Möglichkeit einer Einbettung der Digitalisierung in aktuelle Bildungsprozesse und die dafür benötigten Strukturen, die Frage nach beruflichen Vorteilen und der generellen Überlegung, welche Bildungseinrichtungen für welche Form der digitalisierten Bildungsprozesse geeignet sind. Als Fazit wurde erarbeitet, dass das sogenannte „Blended Learning“ ein geeigneter Kompromiss sein kann. Alles was es dafür braucht ist die Bereitschaft und die Struktur, so eine Lernform anzunehmen und umzusetzen.

Inhalt

Minute 00:10 – Einführung in den Podcast und Vorstellung der Akteure
Minute 00:43 – Digitalisierung – ein soziales Problem?
Minute 06:48 – Digitalisierung – Auf welche Bildungseinrichtungen zielt sie ab?
Minute 13:09 – Digitalisierung – individuelle Förderung möglich?
Minute 24:32 – Digitalisierung – berufliche Vorteile & (globale) Infrastruktur?
Minute 31:35 – Digitalisierung – Gefahr Internetabhängigkeit & Einbettung
Minute 36:57 – Blended Learning
Minute 41:29 – Fazit

Literatur

Musik (Intro)

Kevin MacLeod – Cottages (via incompetech.com). Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons BY (Namensnennung). Verfügbar unter: https://incompetech.com/music/royalty-free/mp3-royaltyfree/Magic%20Scout%20-%20Cottages.mp3

Bild: Pexels – business-1868015 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0 (gemeinfreie Datei).

Das Studium und seine digitalen Möglichenkeiten – Teil 3

Foto: StockSnap – Menschen-Frauen-Studenten – 2557396 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

Ein dreiteiliger Podcast der Studentinnen Anna Maletz, Luisa L., Theresa Dei und Sophia Stein im Masterstudiengang „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ des Sommersemesters 2019.

Teil 3 – Erklärvideos

Engagiert und sehr fundiert stellen die vier Studentinnen ihre zentralen Erkenntnisse des Kurses vor, um weitere Entwicklungen anzustoßen. Der dritte Teil behandelt das Thema Erklärvideos (ihre Erstellung und Einsatzmöglichkeiten an Hochschulen), ganz im Sinne eines Studiums und seiner (vielfältigen) digitalen Möglichkeiten.

Allgemeiner Hinweis zum Podcast 

Die Interviews und deren Inhalte beziehen sich im Wesentlichen auf die weiter unten angegebene Literatur und deren zentralen Studienergebnisse. Sie stellen nicht automatisch meine eigene Position (Alexander Klier) oder die offizielle Linie der Hochschule München dar.

Deshalb ist zu erwähnen, dass die Charaktere im Interview frei erfunden wurden, um die Handlungsempfehlungen der Studienergebnisse den Hörer*innen näher zu bringen. Die Hochschule München, deren mögliche Abteilungen und Mitarbeitenden wurden ebenfalls – als fiktive Umsetzungsinstanz – gestaltet.  

Konkrete Umsetzungsinitiativen der Hochschule München sind unter anderem im  folgenden  Link aufrufbar: 
https://www.hm.edu/allgemein/hochschule_muenchen/hochschulleitung/strategische_projekte/projekt_digitalisierung.de.html

Das Transkript

„Herzlich Willkommen zurück, bei ‚Digitale Medien – dem Podcast über Digitalisierung und  digitale Transformationsprozesse‘. Mein Name ist Anna Maletz und ich freue mich auch heute wieder auf einen spannenden Austausch. Schön, dass Sie mit dabei sind.“

So beginnt der Podcast, in dessen dritter Folge Anna Maletz und Sophia Stein sehr konkret über Möglichkeiten von Erklärvideos, also ihre Erstellung und ihre Einsatzmöglichkeiten an Hochschulen, reden. Für alle, die es auch textlich nachvollziehen wollen (beispielsweise, um zu zitieren), folgt nun der Inhalt.

Eine Leidenschaft für Erklärvideos

Anna Maletz (A.M.): Heute habe ich Sophia Stein zu Gast in meinem Studio. Sie ist Soziologin und nach jahrelanger Arbeit bei Infratest hat sie sich nebenbei mit ihrer Leidenschaft, ERKLÄRVIDEOS zu erstellen, selbstständig gemacht 

Sophia Stein (S.St.): Hallo, vielen Dank für die Einladung  

A.M.: Frau Stein, sie haben es sich zur Berufung gemacht komplexe soziologische Inhalte in sogenannten Erklärvideos aufzugreifen. Sie sind unter den Studierenden der Soziologie mit Ihrem Kanal „Soziologie – vom Netz in Hirn und Geist“ sehr bekannt, manche ihrer Videos werden bis zu 20.000 mal aufgerufen. 

S.St.: Ja genau, die Idee habe ich vor knapp 2 Jahren gehabt und bin seitdem damit beschäftigt, komplexe Inhalte anschaulich begreifbar zu machen.  

A.M.: Aber ist das nicht eigentlich die Aufgabe von Lehrern oder in Ihrem Fall vielmehr von Professor*innen und Dozierenden?  

S. St.: Ja und Nein, natürlich kann ich eine Lehrveranstaltung nicht in vollem Umfang ersetzen, aber ich sehe meine Videos trotzdem als eine wichtige Komponente.  

In einer Vorlesung kann nicht auf die Auffassungsgabe jedes Einzelnen eingegangen werden. Wenn ein Student oder eine Studentin etwas inhaltlich nicht sofort versteht, sollte er oder sie nicht den ganzen Hörsaal aufhalten und all die Verständnisfragen klären. Bei meinen Videos ist genau das möglich: Die Studierenden können das Video anhalten, „zurückspulen“, neu starten und vor allem kompliziertere Passagen so oft wiederholen, wie sie möchten. Jeder kann also in seinem eigenen Tempo lernen.  

A.M.: Das klingt praktisch und das Lernen ist dadurch auch noch von Raum und Zeit gelöst? 

S. St.: Ja, genau, die Studierenden können sich die Videos nicht nur so oft anschauen, wie sie es wollen  bzw. brauchen, sondern eben auch wann immer sie möchten. Manche lernen lieber früh morgens, anderen fällt es abends leichter, das weiß ja jeder von sich selbst am besten. Man ist flexibel und selbstbestimmt und muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Durch Tablets und Smartphones ist es sogar möglich unterwegs in der U- Bahn. Zum  Beispiel auf dem Weg zur Uni, um sich noch auf die Vorlesung vorzubereiten.  

A.M.: Ich sehe schon, dem ‚wann und wie‘ sind kaum Grenzen gesetzt. Und gibt es noch weitere  Vorteile?  

S. St.: Ja, wobei man hier auch erstmal differenzieren muss. Erklärvideos können sehr gut Wissen vermitteln, aber nicht jedes hochgeladene Lernvideo bei YouTube ist brauchbar.  

A.M.: Wie ist das gemeint?  

S. St.: Nun, es gibt keine Standards, die eingehalten werden müssen, wenn jemand ein Lernvideo erstellt und hochlädt. Es gibt keine Kontrollinstanz. Deswegen ist das Niveau der Videos auf YouTube sehr unterschiedlich. Man muss bei manchen Videos sogar schauen, ob sie inhaltlich überhaupt korrekt sind.  

A.M.: Und woher weiß ich als Nutzer welche Videos gut sind und welche nicht?  

S. St.: Es ist immer sinnvoll zu schauen, wieviel Abonnenten ein Kanal hat und wieviel Aufrufe das Video bereits hat. Und man kann die Kommentare zu dem Video lesen und so ein Bild davon bekommen, ob es für andere Nutzer lehrreich war oder nicht. Außerdem gibt es bei den Videos auch verschiedene visuelle Unterschiede. In manchen Videos steht nur jemand vor einer weißen Wand und erklärt den Sachverhalt. Andere erklären den Inhalt indem sie in während der Erklärung aufzeichnen, wieder andere blenden Bilder oder Grafiken ein.  

A.M.: Und wie handhaben Sie das in Ihren Videos?  

S. St.: Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist mehrere Wahrnehmungskanäle gleichzeitig  anzusprechen. Deswegen verwende ich neben einer deutlichen und verständlichen Sprache auch Grafiken, Tabellen und Zahlen. In der Soziologie ist das mit der Darstellung oft nicht immer ganz so einfach, wie zum Beispiel in der Mathematik. Aber historische Ereignisse lassen sich beispielsweise gut in Bildern darstellen, auch Jahreszahlen blende ich ein. Dadurch werden die Videos sehr anschaulich. Ich achte auch sehr darauf, dass meine Videos in sich einen roten Faden haben. Die von mir wohlüberlegte Struktur soll es dem Nutzer noch einfacher machen, dem Inhalt folgen zu können. 

A.M.: Und nochmal zurück zu meiner Frage: sehen Sie noch weitere Vorteile in Ihren  Erklärvideos? 

S. St.: Klar, die Erklärvideos sind für den Nutzer zum Beispiel komplett kostenfrei. Mal vorausgesetzt jeder Student oder jede Studentin besitzt oder hat Zugriff auf ein Laptop, PC, Tablet etc. YouTube selbst kostet nichts. Ich habe mich deswegen auch bewusst für diese Plattform entschieden. Ich als Soziologin bin der Meinung, dass Bildungschancen für alle gleich sein müssen.  

A.M.: Wie sieht die Zukunft von Lern- und Erklärvideos Ihres Erachtens aus?  

S. St.: Ich glaube, das gute Lernvideos immer mehr Beachtung finden werden. Ich sehe, dass ein  Umdenken in den Schulen und Universitäten zum Thema „Digitale Bildung“ bereits stattfindet, für meinen Geschmack allerdings noch viel zu zaghaft. Ich gehe nicht davon aus, dass  Erklärvideos einmal so viel „Macht“ haben werden, dass sie einen Lehrer bzw. anderweitigen Lehrbeauftragten mal ersetzen können. Aber die Schwerpunkte gehören meines Erachtens neu  verteilt.  

A.M.: Wie meinen Sie das konkret? 

S. St.: Lernen heißt im Moment für die meisten Schüler und Studenten „für eine Prüfung auswendig lernen – danach alles wieder ruhigen Gewissens vergessen“. Lehrer*innen sollten über Lehrmethoden verfügen, die die Schüler*innen/ Student*innen befähigen, sich Wissen verstehend aneignen zu können. Diese Art der Kompetenzgewinnung muss von ausgebildetem Lehrpersonal begleitet werden. Wenn ein Schüler/eine Schülerin oder Student*innen dann über diese  Strategien und Lernmethoden verfügt, kommen meine Videos ins Spiel.  

Sie verhelfen dann den Inhalt besser zu verstehen und Sachverhalte zu verknüpfen. Die Impulse und die Struktur des Lerninhalts sollten die Lehrer*innen und Professoren und Professorinnen geben. Im Idealfall stellt so der Unterricht bzw. das Seminar / die Vorlesung eine symbiotische Beziehung mit Erklärvideos dar. Dabei würde ich mich natürlich freuen, wenn Erklärvideos nicht nur zu Hause, sondern eben auch direkt in der Vorlesung genutzt werden. 

A.M.: Zum Abschluss würde mich noch interessieren, ob sie einen Tipp haben für Studierende, wie man Erklärvideos mehr in den Hochschulkontext integrieren kann oder in Vorlesungen einbinden kann?

S. St.: Idealerweise muss eine Lobby dafür gegründet werden, die die Nutzung und den Verkauf von Erklärvideos voranbringt. Sowohl den Studierenden als auch dem Lehrpersonal. Ich persönlich  wäre ein großer Fan davon, wenn Professor*innen auch auf mich zukommen und sagen: „Ich  bräuchte zu dem Thema XY ein Video, das ich gerne auch in meine Vorlesung einbauen würde“. Ich fände es toll, wenn die Videos sowohl zu Hause, als auch in Vorlesungen genutzt werden.  

A.M.: Vielen lieben Dank für ihren spannenden Input. Es war schön, auch die informelle Seite  von digitalen Medien kennenzulernen.  

S. St.: Sehr gerne. Es hat mir großen Spaß gemacht. Diesmal ohne Kamera, also nur via Audio. Das ist auch eine neue Erfahrung für mich. Ich hoffe, dass ich das Interesse für Erklärvideos wecken  konnte und ich kann meinen eigenen Kanal natürlich nur empfehlen.  

A.M.: Ja, den werde ich auch nochmal bei mir auf der Seite verlinken. Alles Gute! 

Das war nun eine weitere Folge von „Digitale Medien – dem Podcast über Digitalisierung  und digitale Transformation“. Nächste Woche startet ein neuer Themenschwerpunkt, bei  dem wir uns in drei Folgen vertieft über Digitalisierungsprozesse in Unternehmen  austauschen werden. Bis dahin, alles Gute! Ihre Anna Maletz.

Organisatorisches

Literatur

Zum Zeitpunkt der Erstellung des Podcasts waren alle Links unter der angegebenen Adresse aktiv. Sollten Sie Schwierigkeiten mit dem Aufruf haben, dann probieren Sie es mit den Autoren und Titeln. Manchmal ändert sich einfach die Adresse.

Bild

Bild (auch Beitragsbild): StockSnap – Menschen-Frauen-Studenten – 2557396 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

Musik

Musik (Jingle): daveincamas – Player Piano. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons BY (Namensnennung).

Das Studium und seine digitalen Möglichenkeiten – Teil 2

Foto: StockSnap – Menschen-Frauen-Studenten – 2557396 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

Ein dreiteiliger Podcast der Studentinnen Anna Maletz, Luisa L., Theresa Dei und Sophia Stein im Masterstudiengang „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ des Sommersemesters 2019.

Teil 2 – Onlinekurse an der Hochschule

Engagiert und sehr fundiert stellen die vier Studentinnen ihre zentralen Erkenntnisse des Kurses vor, um weitere Entwicklungen anzustoßen. Der zweite Teil behandelt das Thema Erwachsenenbildung und Formate (an Hochschulen), ganz im Sinne eines Studiums und seiner (vielfältigen) digitalen Möglichkeiten.

Allgemeiner Hinweis zum Podcast 

Die Interviews und deren Inhalte beziehen sich im Wesentlichen auf die weiter unten angegebene Literatur und deren zentralen Studienergebnisse. Sie stellen nicht automatisch meine eigene Position (Alexander Klier) oder die offizielle Linie der Hochschule München dar.

Deshalb ist zu erwähnen, dass die Charaktere im Interview frei erfunden wurden, um die Handlungsempfehlungen der Studienergebnisse den Hörer*innen näher zu bringen. Die Hochschule München, deren mögliche Abteilungen und Mitarbeitenden wurden ebenfalls – als fiktive Umsetzungsinstanz – gestaltet.  

Konkrete Umsetzungsinitiativen der Hochschule München sind unter anderem im  folgenden  Link aufrufbar: 
https://www.hm.edu/allgemein/hochschule_muenchen/hochschulleitung/strategische_projekte/projekt_digitalisierung.de.html

Das Transkript

„Herzlich Willkommen zurück, bei ‚Digitale Medien – dem Podcast über Digitalisierung und  digitale Transformationsprozesse‘. Mein Name ist Anna Maletz und ich freue mich auch heute  wieder auf einen spannenden Austausch. Schön, dass Sie mit dabei sind.“

So beginnt der Podcast, in dessen zweiter Folge Anna Maletz und Theresa Dei sehr konkret über Möglichkeiten von Erwachsenenbildung und ihren Formaten an Hochschulen reden. Für alle, die es auch textlich nachvollziehen wollen (beispielsweise, um zu zitieren), folgt nun der Inhalt.

Onlinekurse als ergänzendes Angebot

Anna Maletz (A.M.): Heute habe ich Theresa Dei zu Gast in meinem Studio. Sie ist in der  Hochschul- und Erwachsenenbildung an der Hochschule München tätig und beschäftigt  sich seit mehreren Jahren intensiv mit Online-Kursen als ergänzende Form zur analogen klassischen Vorlesungsformaten. Vielen Dank Frau Dei, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind. 

Theresa Dei (T.D.): Hallo und danke für die Einladung.  

A.M.: Frau Dei, Sie prüfen aktuell bei Ihrer Tätigkeit als Bildungsreferentin bzw. Dozentin an der Hochschule München, ob sich sogenannte ‚MOOCs‘ dafür eignen, die klassische analoge Wissensvermittlung so wie wir sie heute kennen, an der Hochschule München zu erweitern und diese miteinzubinden.  

Zunächst einmal, was ist eigentlich ein MOOC? 

T.D.: Ja, also ein MOOC ist ein sogenannter Massive Open Online Kurs. Diese Online-Kurse  kombinieren – als allgemein offene Online-Kurse – einmal konventionelle und mediale Formen der Wissensvermittlung wie Lernvideos, Seminartexte und Übungsaufgaben mit seminarbegleitenden Foren, in denen Lehrende und Lernende miteinander kommunizieren und Lerngemeinschaften bilden können. 

Man kann dabei nochmal unterscheiden zwischen xMOOCs und cMOOCs. Während xMOOCs im Wesentlichen auf Video aufgezeichnete Vorlesungen mit einer Prüfung darstellen, haben cMOOCs eher die Form eines Seminars oder Workshops. 

A.M.: Das klingt sehr spannend und was ist genau das Besondere daran? 

T.D.: Zum einen, dass MOOCs zunächst einmal auf Zugangs- und Zulassungsbeschränkungen verzichtet und diese damit wirklich für alle Menschen offen stehen. Mit MOOCs können wir viele Menschen erreichen und es erleichtert auch unsere Vernetzung mit unseren Partnerhochschulen  im Ausland. Studierende haben über diese Kurse die Möglichkeit sich weltweit zu vernetzen. Es kann theoretisch überall von der Welt aus Bildung vermittelt werden und stattfinden, das ist doch toll, oder?

Vorteile von Onlinekursen

A.M.: Ja das hört sich wirklich gut an, gibt es denn noch weitere Vorteile dieser Online-Kurse? 

T.D.: Ja, die gibt es. Und zwar haben unsere Studierenden die Möglichkeit, Zusatzzertifikate zu erwerben, die wiederum gut für Bewerbungen geeignet sind. Zudem fallen erst einmal keine  Gebühren an, man benötigt lediglich einen Internetzugang. 

Auch vor dem Eintritt oder einem Wiedereintritt ins Berufsleben können MOOCs dabei helfen, wieder auf den aktuellen Stand eines Gebiets zu kommen oder sich neu zu orientieren. Hier  besteht vielleicht auch eine Möglichkeit, Arbeitsgruppen von Gleichgesinnten zu bilden, mit  denen man Kurse gemeinsam bearbeitet, möglichst mit Anrechnung auf die Arbeitszeit. Aber  das ist jetzt schon über unseren Hochschulkontext hinausgedacht. Große Firmen wie SAP machen sich solche Kurse schon länger zu Nutze. Ich sehe hier wirklich viel Potenzial. 

A.M.: Wie sieht es denn aktuell im Bereich der Hochschulbildung mit dem Einsatz von Online- Kursen aus? 

T.D.: Das ist eine sehr gute Frage. Dazu gibt es eine sehr gute Studie von Imke Jungermann und  Klaus Wannemacher speziell zu Innovationen in der Hochschulbildung. Sie haben Massive Open Online Kurse in der Hochschulbildung genauer untersucht und sind zu ein paar sehr  interessanten Ergebnissen gekommen. In unserer Bildungslandschaft setzen sich Entscheidungsträger immer mehr mit der Entwicklung im MOOC-Bereich auseinander, allerdings sind auch ablehnende Haltungen zu erkennen. Es gibt leider noch keine flächendeckende Ausbreitung von MOOCs an deutschen Hochschulen und es fehlt noch eine gewissen Dynamik. Es wäre sehr viel Potenzial vorhanden, zumal die Sichtbarkeit der  Hochschulen und deren Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden würden.

Mögliche Nachteile von Onlineformaten

A.M.: Woraus können sich Nachteile ergeben? 

T.D.: Ja also in der Kritik stehen speziell xMOOCs, also die auf Video aufgezeichneten Kurse, aufgrund ihrer geringen Absolventenquote. Es wurde ermittelt, dass oft nicht einmal 10 % der  Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Kurse erfolgreich abschließen. Gründe können hier zum Beispiel sein, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer doch feststellen, dass der MOOC zu viel Zeit erfordert. Durch das einseitige Zuhören des Vortragsformats können Ermüdungserscheinungen auftreten und oft sind Kurse didaktisch schlecht aufbereitet. Auch an vorgesehenen Prüfungen wird oft nicht teilgenommen, weil es Teilnehmerinnen und Teilnehmern zunächst einmal darum geht Wissen zu erwerben und nicht in erster Linie um das  Zertifikat, das sie erwerben können.  

Durch die niederschwellige Verfügbarkeit von MOOCs besteht zudem die Gefahr, dass sich Bildungsbestrebungen verselbständigen und aus dem Ruder laufen. Schon heute sammeln Manche die Zertifikate, damit das Bewerbungsschreiben besser aussieht. Je mehr MOOC-Zertifikate man beiliegen kann, desto mehr persönlichen Einsatz, Selbstorganisation, Sprachkenntnisse und Ähnliches belegt die Bewerbung in Form „teurer Signale“. Dies könnte, vor allem im beruflichen Bereich, in ein „Wettrüsten“ ausarten, das die Einzelne und den Einzelnen viel Zeit  und Geld kostet. Je mehr diese Möglichkeit genutzt wird, desto mehr besteht die Gefahr, dass sie sie zum Zwang wird, um einem Arbeitsplatz zu erhalten oder zu behalten. Teilnehmerinnen  und Teilnehmer stehen dann in einem globalen und gesichtslosen Wettbewerb um die  Spitzenplätze, die einen Job versprechen. Dabei geben sie bereitwillig Daten preis, zum Beispiel darüber, wie oft sie welche Frage falsch beantworten. 

Bei der zusätzlichen und rein individuellen Nutzung von MOOCs ist außerdem eine perfekte Selbstorganisation Pflicht, sonst wird es schwierig. Zudem sind auch gute Englischkenntnisse erforderlich. 

A.M.: Das klingt danach, dass doch nicht jeder Zugang zu den online-Kursen haben kann, oder? 

T.D.: Ja, das ist auch ein weiterer wichtiger und kritischer Punkt. Die digitale Spaltung, die ja in aller  Munde ist, muss auch im Bereich der Nutzung von online-Kursen ernst genommen werden. Viele Menschen haben nun mal keinen technisch ausreichenden Zugang zum Netz. Und nicht  jeder verfügt über ausreichend Ressourcen, das Netz trotz technischem Zugang auch produktiv zu nutzen. Leider weitet sich, gerade eben durch online-Kurse diese digitale Kluft noch aus. Wir haben hier auch noch keine wirklich gute Lösung gefunden. Ich persönlich finde eine Einführung einer Charta der digitalen Grundrechte, wie es ja aktuelle diskutiert wird, sinnvoll. 

A.M.: Wie schätzen Sie denn persönlich die Zukunft von MOOCs ein? 

T.D.: Ja, also was man auf jeden Fall sagen muss, und worin für mich auch der Knackpunkt liegt, ist, dass die Digitalisierung von Kursen, sei es beim Einsatz in der Hochschulbildung oder im  beruflichen Kontext, kein Selbstzweck – und auch kein Selbstläufer – ist. Es benötigt hier engagierte Kursleiterinnen und Kursleiter und auch den Willen auf Seiten der Beteiligten. Eine wirklich qualitative  Verbesserung des Bildungsangebots einer Hochschule, um jetzt von unserem Bereich zu  sprechen, ergibt sich, wenn MOOCs im Sinne eines Blended-Learning-Ansatzes mit regulären  Lehrveranstaltungen an Hochschulen verknüpft werden. Hierin sehe ich wirklich eine große  Chance. 

A.M.: Vielen lieben Dank für das spannende Interview. Ich kann nur sagen, dass ich gespannt  bin auf die weitere Entwicklung und Nutzung von MOOCs – insbesondere im  Hochschulkontext. Ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute! Schön, dass Sie hier waren.  

T.D.: Ja, ich bedanke mich auch. Vielen Dank für das nette Gespräch. 

Das war die zweite Folge der Reihe „Studium und seine digitalen Möglichkeiten“ mit  Theresa Dei, die die Zukunft von MOOCs eingebettet in Blended-Learning Konzepte an  den Hochschulen sieht. Nächste Woche freue ich mich auf die Soziologin Sophia Stein, die  uns etwas über informelle Lern- und Erklärvideos erzählen wird. Bis dahin, alles Gute!

Organisatorisches

Literatur

Zum Zeitpunkt der Erstellung des Podcasts waren alle Links unter der angegebenen Adresse aktiv. Sollten Sie Schwierigkeiten mit dem Aufruf haben, dann probieren Sie es mit den Autoren und Titeln. Manchmal ändert sich einfach die Adresse.

Bild

Bild (auch Beitragsbild): StockSnap – Menschen-Frauen-Studenten – 2557396 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

Musik

Musik (Jingle): daveincamas – Player Piano. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons BY (Namensnennung).

Das Studium und seine digitalen Möglichenkeiten – Teil 1

Ein dreiteiliger Podcast der Studentinnen Anna Maletz, Luisa L., Theresa Dei und Sophia Stein im Masterstudiengang „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ des Sommersemesters 2019 an der Hochschule München.

Foto: StockSnap – Menschen-Frauen-Studenten – 2557396 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

Teil 1 – Hochschulentwicklung

Engagiert und sehr fundiert stellen die vier Studentinnen ihre zentralen Erkenntnisse des Kurses vor, um weitere Entwicklungen anzustoßen. Der erste Teil behandelt das Thema digitale Hochschulentwicklung, ganz im Sinne eines Studiums und seiner (vielfältigen) digitalen Möglichkeiten.

Allgemeiner Hinweis zum Podcast 

Die Interviews und deren Inhalte beziehen sich im Wesentlichen auf die weiter unten angegebene Literatur und deren zentralen Studienergebnisse. Sie stellen nicht automatisch meine eigene Position (Alexander Klier) oder die offizielle Linie der Hochschule München dar.

Deshalb ist zu erwähnen, dass die Charaktere im Interview frei erfunden wurden, um die Handlungsempfehlungen der Studienergebnisse den Hörer*innen näher zu bringen. Die Hochschule München, deren mögliche Abteilungen und Mitarbeitenden wurden ebenfalls – als fiktive Umsetzungsinstanz – gestaltet.  

Konkrete Umsetzungsinitiativen der Hochschule München sind unter anderem im  folgenden  Link aufrufbar: 
https://www.hm.edu/allgemein/hochschule_muenchen/hochschulleitung/strategische_projekte/projekt_digitalisierung.de.html 

Das Transkript

„Herzlich Willkommen zurück, bei ‚Digitale Medien – dem Podcast über Digitalisierung und digitale Transformationsprozesse‘. Mein Name ist Anna Maletz und ich freue mich auch heute wieder auf einen spannenden Austausch. Schön, dass Sie mit dabei sind.

So beginnt der Podcast, in dessen erster Folge Anna Maletz und Luisa L. sehr konkret über Möglichkeiten der digitalen Hochschulentwicklung reden. Für alle, die es auch textlich nachvollziehen wollen (beispielsweise, um zu zitieren), folgt nun der Inhalt bzw. das Drehbuch.

Digitale Tools im Hochschulalltag

Anna Maletz (A.M): Ich freue mich sehr auf die nächsten drei Folgen zum Thema „Studium und seine digitalen Möglichkeiten“. Heute darf ich herzlich Frau Luisa L. aus der digitalen Hochschulentwicklung der Hochschule München in meinem Studio begrüßen. Sie beschäftigt sich intensiv mit den digitalen Möglichkeiten im Studium und deren strategische Einbettung an der Hochschule. Es freut mich sehr, dass Sie meiner Einladung nachgekommen sind, Frau L.. Herzlich willkommen!

Luisa L. (L.L.): Herzlichen Dank, dass ich hier sein darf.

A.M.: Kommen wir doch gleich zu meiner ersten Frage, was darf ich denn unter digitale Möglichkeiten im Studium verstehen? Die Bandbreite ist ja bekanntlich sehr groß.

L.L.: Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Die Möglichkeiten, digitale Tools in den Hochschulalltag einzubinden sind vielfältig und sollten demnach auch wohl bedacht natürlich nach didaktischen Erkenntnissen ausgewählt werden. Intern, also in der Hochschulentwicklung, unterscheiden wir zwischen klassischen digitalen Medien und Kommunikationstools wie bspw. fachspezifische Datenbanken oder auch digitale Präsentationstools. Soziale Kommunikationstools stellen bspw. eine weitere Kategorie dar. Damit meine ich Blogs, soziale Netzwerke oder auch Foren. E-Klausuren oder E-Assessments werden auch eingesetzt, sogenannte elektronische Prüfungssysteme. Manche Hochschuldozierende setzen auch audio- oder videobasierte Medien zur Unterstützung ein. Und zu guter Letzt möchte ich noch die interaktive Tools und Formate nennen. Darunter sind Lernspiele, virtuelle Labore, Simulationen, Webkonferenzen oder auch Wikis zu verstehen. Also wie sie sehen, es gibt unterschiedlichste digitale Formate und Medien, die zur Anwendung kommen können (vgl. Persike u.a. 2016).

A.M.: Ja, das klingt ja alles wirklich sehr spannend und vielfältig. Also vielen Dank für diesen Einblick in die unterschiedlichen Möglichkeiten. Das bringt mich auch direkt zu meiner nächsten Frage. Und zwar inwiefern werden digitale Medien im Hochschulalltag bereits genutzt?

L.L.: Dazu gibt es interessante Studienergebnisse (vgl. Persike u.a. 2016). Zum einen sind die Unterschiede bei der Nutzung digitaler Medien zwischen den Studienfächern sehr groß. D.h. Fächer, in denen digitale Medien fest im Curriculum verankert sind, zeigen eine deutlich höhere Nutzung digitaler Medien auf. Interessanterweise gibt es auch deutliche Unterschiede zwischen den Hochschulen, was natürlich darauf hindeutet, dass die konkrete Lehrpraxis einer Hochschule einen Einfluss auf die Nutzungsvielfalt digitaler Medien hat. Zudem scheinen digitale Medien an vielen Hochschulen kein integraler Bestandteil der Lehre zu sein. Es zeigt sich flächendeckend eher eine punktuelle Anreicherung der Lehre durch digitale Medien. Aufgrund dessen verfolgen wir in der Hochschulentwicklung eine digitale Strategie, um die Lehrpraxis der Hochschule zu verbessern und so z. B. engagierte Vorreiter zu identifizieren, gezielt zu unterstützen und zu vernetzen.

Digital Natives

A.M.: Das hört sich wirklich sehr spannend an. In meiner Vorbereitung habe ich noch über die Hypothese nachgedacht, dass „Digital Natives“ generell digital affiner studieren. Lässt sich diese Hypothese bestätigen oder was ist Ihre Einschätzung dazu?

L.L.: Eine sehr interessante Frage. Aus unserer Erfahrung heraus, lässt sich die private Nutzung digitaler Medien also diese übersetzt sich nicht zwangsläufig in den Hochschulalltag. Das bestätigen auch einschlägige Studien zum Thema. Nur 21 % der Studierenden nutzen aktuell die komplette Bandbreite an digitalen Medien im Hochschulkontext. Und etwa 30 % der Studierenden beschränken sich dabei überwiegend auf klassische digitale Medien wie z. B.  PowerPoint, E-Mails oder PDF-Dokumente. Die Annahme, dass heutige Studierende generell digital affin studieren, ist demnach nicht haltbar (vgl. Persike u.a. 2016).

A.M.: Das finde ich jetzt wirklich sehr interessant, weil das hätte ich jetzt vielleicht nicht so eingeschätzt. Aber Sie sind da auf jeden Fall tiefer im Thema. Wie kann der digitale Wandel im Hochschulkontext vorangetrieben werden, also das auch wirklich mehr Studierende das Potenzial oder die Möglichkeiten von digitalen Medien nutzen?

Digitaler Wandel und Hochschulstrategie

L.L.: Generell würde ich sagen ist es wichtig, eine klare Hochschulstrategie zu definieren für das digitale Zeitalter und wie man damit umgehen möchte. Und dabei soll es jedoch nicht um ein entweder-oder in Bezug auf den Einsatz von digitalen bzw. analogen Medien gehen. Wir verfolgen da den Ansatz des sowohl-als auch, also den richtigen Mix aus analogen und digitalen Ansätzen. Ziel ist es, die Lehre zu verbessern und weniger ein alternatives, alleinstehendes Lehrangebot im Netz zu schaffen. Dabei sehe ich eine zentrale Aufgabe unserer Abteilung, hochschulstrategische Diskurs- und auch Entscheidungsprozesse zwischen den Fakultäten anzustoßen und dadurch einen sinnvollen Einklang von klassischen und neuen Medien zu erwirken (vgl. Schmid u.a. 2017).

A.M.: Okay, das klingt auf jeden Fall sehr sinnvoll. Wenn man so neue Initiativen startet oder Veränderungsprozesse anstoßen möchte, dann stößt man ja oft auf Widerstände. Wie ist es da bei Ihnen innerhalb der Hochschule? Sehen Sie sich da auch Widerständen gegenüber?

L.L.: Ja, also generell muss man in dem Bereich mit Widerstand bzw. auch mit Innovationsbarrieren rechnen, wenn man eben einen konkreten Veränderungsprozess intern anstößt. Da gilt es eben durch fakultätsübergreifende Dialogprozesse diese Widerstände abzubauen. Und wir versuchen deshalb ganz konkret aktive Verfechter und passive Skeptiker des Digitalisierungsprozesses zu identifizieren und im zweiten Schritt wollen wir bzw. haben wir schon Austauschformate implementiert. Und zudem ist es wichtig, eben diese Digitalisierung auch auf der Ebene der Hochschulleitung zu verankern und  dadurch ganz konkret Brücken schlagen zu können und einzelne Lehrenden und deren Initiativen sichtbar zu machen (vgl. Schmid u.a. 2017).

A.M.: Okay, daraus ergibt sich für mich die Frage, welche konkreten Maßnahmen verfolgen Sie denn noch, neben den eben genannten Austauschformaten um vielleicht zusätzlich wirklich die Nutzung von digitalen Medien anzustoßen?

Konkrete Maßnahmen

L.L.: Ja, also ganz konkret gibt es an unserer Hochschule das E-Learning Center und darüber bieten wir gezielt Weiterbildungen für unsere Hochschulangestellten und eben die Dozierenden an um die digitale Kompetenz intern weiter auszubauen. Das E-Learning Center soll als Raum gesehen werden, zum Experimentieren und Ausloten. Was ist didaktisch machbar und sinnvoll. Dozierenden können sich dort auch die nötige Expertise, die sie vielleicht selbst nicht haben und es stehen ganz konkret Experten zu Verfügung, um eben solche digitalen Maßnahmen umzusetzen.  

A.M.: Um noch einen Blick in die Zukunft zu werfen: Was wünschen Sie sich für den weiteren Prozess innerhalb der Hochschulentwicklung?

L.L.: Aktuell ist unser wichtigstes Anliegen tatsächlich die Verstetigung und auch die Verbreitung bereits erfolgreicher Ansätze innerhalb der Hochschule München. Um wie gesagt, die Initiativen die es bereit gibt nochmal besser in den Vordergrund zu stellen und so auch Synergieeffekte auszulösen. Und wir arbeiten aktuell an einem tragfähigen Skalierungsansatz, um eben dieses Engagement sichtbar zu machen. Wünschenswert für mich wäre nochmal eben der politischer Rechtsrahmen, dass da nochmal Barrieren abgebaut werden um den digitalen Wandels im Hochschulkontext weiter voranzutreiben (vgl. Schmid u.a. 2017).

A.M.: Ja, das war ja wirklich ein sehr spannender Input den Sie uns hier ermöglich haben. Also vielen lieben Dank für den umfänglichen Einblick in Ihre Arbeit an der Hochschule, Frau L..

Ein Tipp am Schluss

Zum Schluss würde mich noch interessieren, ob sie eventuell einen Tipp haben für Studierende, wie man mehr digitale Medien nutzen kann bzw. auch den digitalen Wandel im Hochschulkontext vorantreiben kann.

L.L.: Ja, eine sehr gute Frage. Ich würde mir von unseren Studierenden tatsächlich wünschen, dass Sie verschiedene Medien bzw. den Wandel einfordern bzw. Ihr Wissen dazu einbringen und auf vorhandene Initiativen aktiv zurückgreifen. Da bieten wir als Hochschule München auch einiges an.

A.M.: Ja, vielen lieben Dank nochmals. Damit würde ich das erste Interview zum Thema „Studium und seine digitalen Möglichkeiten“ abschließen. Und wünsche Ihnen viel Erfolg, Frau L. mit dem digitalen Wandel an der Hochschule und Ihnen persönlich alles Gute.

L.L.: Ja, vielen Dank, Frau Maletz!

A.M.: Das war nun die erste Folge der Reihe „Studium und seine digitalen Möglichkeiten“ mit Luisa L., die Studierende ermutigen möchte die Nutzung von digitalen Medien im Hochschulkontext einzufordern und selbstständig zu nutzen. Nächste Woche freue ich mich auf Theresa Dei, eine weitere Mitarbeiterin der Hochschule München aus dem Bereich der Erwachsenenbildung, die sich seit mehreren Jahren intensiv mit Online Kursen als ergänzende Form zu klassischen Vorlesungsformaten beschäftigt. Bis dahin, alles Gute!

Organisatorisches

Literatur

Zum Zeitpunkt der Erstellung des Podcasts waren alle Links unter der angegebenen Adresse aktiv. Sollten Sie Schwierigkeiten mit dem Aufruf haben, dann probieren Sie es mit den Autoren und Titeln. Manchmal ändert sich einfach die Adresse.

Bild

Bild (auch Beitragsbild): StockSnap – Menschen-Frauen-Studenten – 2557396 auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

Musik (Jingle)

Musik (Jingle): daveincamas – Player Piano. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons BY (Namensnennung).

Agilität in Unternehmen

Ein Podcast der Studierenden Ulrike Eckert, Philipp Santner und Jan Moosbrugger im Rahmen des Masterstudiengangs „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ (Master GWT). Produziert im Wintersemester 2018/19 als Ergebnis des Seminars „Steuerung digitaler Organisationen“ an der Hochschule München.

Inhalt

Dieser Podcast beschäftigt sich mit dem Begriff Agilität, seinen Vorteilen und Herausforderung sowie der Umsetzung in Unternehmen (Methoden und Tools). Danach folgt ein Interview von einem Mitarbeiter in leitender Position, bei denen die Umsetzbarkeit in deren Firma denkbar ist. Abschließend wird die Frage gestellt, ob Agilität überhaupt überall möglich und wünschenswert ist.

Aufbau

  • Minute 00:10 – Einführung in den Podcast und Vorstellung der Akteure
  • Minute 01:15 – Teil 1 – Was ist Agilität? Begriffsdefinition
  • Minute 10:05 – Teil 2 – Methoden und Tools
  • Minute 19:08 – Teil 3 – Vorteile und Herausforderungen
  • Minute 29:39 – Teil 4 – Ein Praxisbeispiel aus dem Maschinenbau (Interview)
  • Minute 41:20 – Teil 5 – Ist Agilität überall möglich?
  • Minute 47:08 – Teil 6 – Ein je persönliches Fazit
  • Minute 49:35 – Ende und Ausblick

Literatur und Quellen

  • AOEpeople_de (2016): Welche Voraussetzungen sind für agile Organisation notwendig? Verfügbar unter: https://youtu.be/35mEgvFTzjw
  • Cogneon Akademie (2014): „Selbstorganisation braucht Führung – wie managed man agil? Verfügbar unter https://www.youtube.com/watch?v=1aGHpI4eF5U
  • Fischer, Stephan (2014): Über agile Organisation in Unternehmen. Verfügbar unter https://www.youtube.com/watch?v=1aGHpI4eF5U
  • Fischer, Stephan; Weber, Sabrina; Zimmermann, Annegret (2017): Was ist Agilität und welche Vorteile bringt eine agile Organisation? In: Personalmagazin Nr. 4/2017
  • Häusling, André (Hrsg.)(2018): Agile Organisationen. In: Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg (Kapitel 3)

Musik (Jingle)

Kevin MacLeod – Cottages (via incompetech.com). Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons BY (Namensnennung). Verfügbar unter: https://incompetech.com/music/royalty-free/mp3-royaltyfree/Magic%20Scout%20-%20Cottages.mp3

Bild (auch Beitragsbild): geralt – man-162951
auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

CC BY-SA und OER

Eine Verwendung dieses Podcasts unter den Bedingungen der Creative Commons BY-SA, und damit als OER, ist möglich.

Das bedeutet, Sie können sie frei für den Unterricht oder Lehrveranstaltungen verwenden, wenn sie die Namen der Ersteller (sofern nicht anonym) nennen und selbst unter den gleichen Bedingungen zur Verfügung stellen. Sie dürfen die Dateien sogar herunterladen und eigenständig verändern, allerdings gilt auch hier der Hinweis auf die Namensnennung der ursprünglich verwendeten Datei und die Verwendung unter gleichen Bedingungen.

Sophia erklärts – Agilität

Ein Erklärvideo und seine Entstehungsgeschichte

Ein Erklärvideo der Studierenden DT, FD, GL und LL im Rahmen des Masterstudiengangs „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ (Master GWT). Produziert im Wintersemester 2018/19 als Ergebnis des Seminars „Steuerung digitaler Organisationen“ an der Hochschule München

Entstehungsgeschichte

An der Erstellung des Erklärvideos waren vier Studierende beteiligt. Die Initiative für dieses Videoprojekt geht auf ein gemeinsames Referat zum Thema „Agile Methoden/agile Steuerung von Organisationen“ im oben genannten Seminar zurück. Das Seminar wurde als Blended-Learning Seminar durchgeführt, was sich bereits auf die Organisation und Vorgehensweise bei der Erstellung des Referates auswirkte. Nach Vorstellung des Referats in der zweiten Präsenzsitzung des Seminars beschloss ein Großteil der Projektgruppe, den Leistungsnachweis für das Seminar in Form eines Erklärvideos zu erbringen. Zum einen, da die bereits gut funktionierende Gruppe weiter zusammenarbeiten wollte, zum anderen da bereits bei und nach der Erstellung des Referates verschiedene Ideen für ein anschauliches Videoprojekt entstanden waren. Obwohl niemand der beteiligten Student*innen Vorerfahrungen im Erstellen solcher Videos hatte, wurde dies im von allen Beteiligten als positive Herausforderung gewertet, welche die Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit moderner Technik und Hardware, sowie Software zur Bearbeitung digitaler Medien und vielem mehr erweitern konnte. Um die Aufmerksamkeit der Zuschauer nicht zu verlieren, wurde durch die beteiligten Student*innen – auch aufgrund eigener Erfahrungen mit digitalen Medien – angenommen, dass ein Erklärvideo kurz und prägnant Zusammen-
hänge und Fakten darstellen sollte.

Hier könen Sie den kompletten Projektbericht mit der Schilderung der Entstehungsgeschichte, der Schwierigkeiten aber auch Erfolge der Umsetzung, sowie dem Sprecher*innen Text, herunterladen. Es gilt beim Zitieren das gesprochene Wort.

Eine Kontaktaufnahme zum Projektteam – während der Zeit des Studiums 😉 – ist über mich, Dr. Alexander Klier, möglich.

Inhalt

Das ist Sophia. Sophia ist Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen. Sie ist seit einiger Zeit total frustriert von den langsamen Abläufen in ihrem Unternehmen und dass sie sich viel mit bürokratischen Prozessen beschäftigen muss, statt sich inhaltlich einzubringen. Dabei weiß sie doch eigentlich, wie es besser geht. Sophia erinnert sich, dass in ihrer vorherigen Arbeit agile Methoden angewendet wurden. Das hat ihr sehr gut gefallen. Deshalb informiert sie sich genauer, was Agilität überhaupt bedeutet. Ihre Ideen will sie dann im nächsten Meeting ihren Kolleginnen und Kollegen vorstellen. Das tut sie nun im Rahmen dieses Erklärvideos.

Literatur

  • Weber, Cornelius (2016): Qualitätsmanagement in der agilen Organisation.
  • Anforderungen und Empfehlungen an einen agilitätsförderlichen Managementansatz. (Kapitel 2: Der Weg zum agilen Paradigma.)

Bildquellen:

Weiterführende Literatur

  • Stellmann, A.(2019): Agile Methoden von Kopf bis Fuß. O‘Reilly.
  • Häusling, A. (Hrsg)(2018): Agile Organisationen. Transformation erfolgreich gestalten. Haufe.
  • Scheller, T. (2017): Auf dem Weg zur agilen Organisation: Wie Sie Ihr Unternehmen dynamischer, flexibler und leistungsfähiger gestalten. Vahlen.

Eine Verwendung dieses Videos unter den Bedingungen der Creative Commons BY-SA, und damit als OER, ist möglich.

Impressionen der Produktion

Erklärvideo Agilität – Impressionen der Produktion.
Erklärvideo Agilität - Impressionen der Produktion.
Erklärvideo Agilität – Impressionen der Produktion.
Erklärvideo Agilität – Impressionen der Produktion.
Erklärvideo Agilität - Impressionen der Produktion.
Erklärvideo Agilität – Impressionen der Produktion.

Partizipation und Teilhabe in Unternehmen III

Teil 3 – Soziokratische Unternehmen

Ein Podcast der Studierenden Irina Braun, Sophia Stein, Anna Maier und Philippe Schuler im Rahmen des Masterstudiengangs „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ (Master GWT). Produziert im Wintersemester 2018/19 als Ergebnis des Seminars „Steuerung digitaler Organisationen“ an der Hochschule München.

Inhalt

Im Rahmen des dreiteiligen Podcasts „Organisationen im Wandel“ hat die Moderatorin Irina Braun drei Gäste aus (fiktiven) Firmen zu einem Gespräch zu Gast. Diese erläutern – als Protagonist*innen der jeweiligen Firma – den Aufbau, die Funktionsweise wie auch Probleme des jeweiligen „Bauplans“ (bzw. der Organisationsstruktur).

In dieser Folge geht es um holakratische Unternehmen, vorgestellt von Philippe Schuler. Hier ist das Skript mit dem Text hinterlegt. Beim Zitieren gilt das gesprochene Wort.

Hier geht es zu Teil 1 der Reihe und hier zu Teil 2.

Literatur


Beitragsbild: Geralt – Handshake auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

Musik (Jingle Podcast): All Hail The Queen | Instrumental | Copyright Free Music

Partizipation und Teilhabe in Unternehmen II

Teil 2 – Holakratische Unternehmen

Ein Podcast der Studierenden Irina Braun, Sophia Stein, Anna Maier und Philippe Schuler im Rahmen des Masterstudiengangs „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ (Master GWT). Produziert im Wintersemester 2018/19 als Ergebnis des Seminars „Steuerung digitaler Organisationen“ an der Hochschule München.

Inhalt

Im Rahmen des dreiteiligen Podcasts „Organisationen im Wandel“ hat die Moderatorin Irina Braun drei Gäste aus (fiktiven) Firmen zu einem Gespräch zu Gast. Diese erläutern – als Protagonist*innen der jeweiligen Firma – den Aufbau, die Funktionsweise wie auch Probleme des jeweiligen „Bauplans“ (bzw. der Organisationsstruktur).

In dieser Folge geht es um holakratische Unternehmen, vorgestellt von Anna Maier.
Hier ist das Skript mit dem Text hinterlegt. Beim Zitieren gilt das gesprochene Wort.

Hier geht es zu Teil 1 der Reihe und hier zu Teil 3.

Literatur

Beitragsbild: Geralt – Handshake auf Pixabay. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons 0.

Musik (Jingle Podcast): All Hail The Queen | Instrumental | Copyright Free Music