Lernen im virtuellen Raum

Lernen im virtuellen Raum

Lesezeit (inkl. Mediennachweis): 9 Minuten

Intro

Wie (selbstbestimmt) lernen Subjekte im virtuellen Lernraum wirklich? Der Wandel vom analogen in den virtuellen Lernraum – ein Update

In den vergangenen zwei Jahren – bedingt durch die Corona-Pandemie – haben viele Studierende und Arbeitnehmer:innen das Lernen im und mit dem virtuellen Raum intensiv erlebt. Seit Anfang 2020 wird besonders von Studierenden viel Anpassungsbereitschaft und Flexibilität erfordert. Mit Beginn der Corona-Pandemie starteten zahlreiche junge Menschen nach dem Abitur direkt mit einem Studium. Laut Statistischen Bundesamt „erreichte die Übergangsquote von der Schule zur Hochschule mit knapp 48 % einen Höchststand […]“ (Statistisches Bundesamt 2022). Demnach sind es insgesamt 185 000 Menschen, die sich im Jahr 2020 für ein Studium an einer deutschen Hochschule eingeschrieben haben (vgl. Statistisches Bundesamt 2022). Doch die frisch-gebackenen Studierenden erleben einen anders gestalteten Bildungsweg: Der Studienalltag, die didaktische Vermittlung und Durchführung von Lehr- und Lernangeboten ist stärker denn je von digitale Medien geprägt.

Der virtuelle Lernraum hat immer mehr an Bedeutung gewonnen. Parallel wächst der Anspruch an die didaktische Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen. Durch digitale Medien ergeben sich neue Möglichkeiten zu lernen und gemeinschaftlich Wissen anzueignen, zu teilen und weiterzugeben (vgl. Diettrich, Walber, et al. 2015, S. 19). Laut Michael Kerres haben die Medien aus „mediendidaktischer Sicht das Potenzial, Lehr- und Lernprozesse anders zu gestalten und zu organisieren“ (Kerres 2017a). Wie wird sich diese Form des Lernens auf die Individuen auswirken?

Soziales Lernen

Soziales Lernen wird überwiegend mit der Entwicklung der sozialen Netzwerke und Social Media in Verbindung gebracht, bei denen Menschen miteinander in Austausch treten und Informationen teilen. Durch diese Plattformen entstehen weitere Möglichkeiten des Lernens, wie z.B. selbstgesteuertes und autodidaktisches Lernen sowie der Wissensaustausch peer-to-peer (vgl. Hölterhof, Kerres et al. 2011, S. 2). Jedoch muss berücksichtigt werden, dass der Begriff Soziales Lernen unterschiedlich betrachtet und definiert werden kann. Im Folgenden wird Soziales Lernen als Form der Verwendung unterschiedlicher Medien, Werkzeuge und Plattformen (z.B. Wikis) verstanden, um einen kommunikativen Austausch und eine Zusammenarbeit von Lernenden bestmöglich zu unterstützen. Im Fokus steht hierbei der Austausch mit anderen Lernenden, der in einer virtuellen Lerngemeinschaft und Umgebung stattfindet (vgl. Hölterhof, Kerres et al. 2011, S. 3ff.). Eine virtuelle Lerngemeinschaft wird als eine Art „Zusammenschluss von Menschen mit gemeinsamen Interessen, die untereinander mit gewisser Regelmäßigkeit und Verbindlichkeit auf computervermitteltem Wege Informationen austauschen und Kontakte knüpfen“ (Döring 2001) verstanden. Es steht also der Erwerb von gemeinschaftlichem Wissen im Vordergrund. Demnach wird das traditionelle Lernen – in anderen Worten: der Frontalunterricht – durch neue Technologien, Communities, soziale Netzwerke und Wissensplattformen ergänzt, wodurch den Lernenden neue Wege für den Lernprozess eröffnet werden.

Die Verlagerung der Wissenserschließung auf digitale Plattformen und virtuelle Lerngemeinschaften trägt dazu bei, dass die Lernenden die Fähigkeit entwickeln müssen, sich das Wissen aus dem Netz zu ziehen sowie ihr eigenes Wissen dort zu platzieren (vgl. Hölterhof, Kerres et al. 2011,S. 6). Denn „online-gestützte Verfahren der Wissens(re)konstruktion stellen solches Wissen […] immer wieder dem Netz und damit Anderen […] zur Verfügung.“ (Hölterhof, Kerres et al. 2011, S. 6).

Es lässt sich festhalten, dass Soziales Lernen durch die Unterstützung bzw. Ergänzung von Plattformen und digitalen Kommunikationsangeboten als gemeinschaftliches Lernen verstanden werden kann. Demnach geht es beim Sozialen Lernen nicht nur um die Bereitstellung der Lernplattform und das Bespielen dieser mit Texten und Informationen, sondern auch darum, gemeinschaftlich und kollaborativ an Aufgaben zu arbeiten.

Damit eine virtuelle Lerngemeinschaft zustande kommt, bedarf es auch den passenden Raum dafür. Im Folgenden wird der Begriff ‚Raum‘ und der virtuellen Raum erläutert.

Raum – eine erste Annährung

Zu Beginn möchte ich ein kurzen Bezug auf die Lehrveranstaltung Bildung im digitalen Lernraum (2. Semester) im Studiengang Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe an der Hochschule München nehmen, in der sich die Studierenden intensiver mit dem Begriff Raum auseinandergesetzt haben. Die Studierenden assoziierten mit dem Begriff Raum: Zusammenkommen, Treffpunkt, Austausch, Interaktion, Mitgestaltung und Abgrenzung (nach innen und außen). Zudem ist ein Raum immer mit einer Funktion verbunden und dient einem Zweck. Der Zweck entscheidet letztendlich darüber, was in dem Raum passiert und was nicht. Darüber hinaus haben sich die Studierenden mit zwei verschiedenen Räumen genauer auseinandergesetzt, deren Interpretation im Folgenden kurz dargestellt wird:

Agora der Polisgemeinschaften 

Pixabay: Lizenzfreie Verwendung unter den Bedingungen von Pixabay / Foto: user32212

Die Studierenden interpretierten die Agora als ein selbstbestimmten und kommunikativen Raum, indem eine Face-to-Face Kommunikation stattfinden kann. Zudem wird die Agora als weitläufiger Raum, der wenig Struktur vorgibt, beschrieben. Dadurch ist der Raum in seiner Ausgestaltung variabel und kann für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Der große Freiraum für die Gestaltung bietet den Menschen die Möglichkeit, den Raum aktiv mitzugestalten, indem sie für sich selbst entscheiden: Wie und mit wem kommunizieren sie?

Hörsaal einer Hochschule 

Pixabay: Lizenzfreie Verwendung unter den Bedingungen von Pixabay / Foto: Wokandapix

Im Vergleich zur Agora wird der Hörsaal von den Studierenden dahingehend interpretiert, dass die Nutzungsmöglichkeit und Raumstruktur überwiegend vorgegeben und daher kaum veränderbar sind. Daher ist es ein geschlossener Raum, ein Raum mit wenig Bewegungsfreiheit und Anpassungscharakter. Zudem ist ein Hörsaal überwiegend für die Frontallehre ausgelegt, womit der Zweck des Zuhörens vorgegeben ist. Dies bedeutet aber noch nicht lernen. Den Zuhörer:innen wird wenig Platz für Austausch und Mitbestimmung eingeräumt. Er folgt dem Raumkonzept: Viele Menschen profitieren von Wenigen.

Pädagogischer Exkurs

Heutzutage wird bei Raum auch immer die pädagogische Nutzbarkeit mitgedacht. Auf Seiten der Pädagogik wird der Raum mittlerweile als dritter Erzieher verstanden, indem der Raum von den Pädagogen aktiv mitgestalten werden kann. Daher sollten Lernräume nicht nur aus ökonomischer und technischer Sicht konzipiert und gebaut werden, sondern auch die pädagogische Funktionalität mitberücksichtigen. Dieser Gedanke der Mitgestaltung kann auf die Lehrenden und Lernenden in und mit virtuellen Räumen übertragen werden. Das Spannende ist, dass theoretisch zwei voneinander unabhängige Bereiche miteinander kooperieren und zu einem neuen Bereich zusammengeführt werden. So entsteht beispielsweise bei der Zusammenführung von Pädagogik und Informationstechnik ein virtueller Lernraum (vgl. Sesink 2014, S. 30f.). Es bietet sich also die Chance, den Raum in der digitalen Zeit neu wahrzunehmen.

Room und Space

Werner Sesink differenziert zwischen den Raumdimensionen Room und SpaceRoom bedeutet vorgegebener, geformter und begrenzter Raum, wie z.B. ein Zimmer. Es ist also ein gestalteter Raum, bei dem die Bestimmungen vordefiniert sind und zur Erkundung dienen. Hingegen wird Space mit dem leeren und zu gestaltenden Raum beschrieben, bei dem die Bestimmungen erst noch definiert und konstruiert werden müssen. Dies eröffnet die Möglichkeit der Mitgestaltung und Mitbestimmung des Raumes. Ein Beispiel für Space kann der virtuelle Raum sein (vgl. Sesink 2014, S. 31f.).

Room und Space werden als zwei Sichtweisen des Raumbegriffs betrachtet, die zusammengehören. Die Mannigfaltigkeit bzw. Vielfältigkeit und zunehmende Bedeutung von virtuellen Lernräumen stellen neue Anforderungen an die Gestaltung von Lernprozessen. Demnach ist das Zusammendenken von virtuellen und physischen Räumen für die Zukunft unabdingbar (vgl. Sesink 2014, S. 37).

Hierbei stellt sich die Frage: Wie wird mit dem veränderten physischen Raum umgegangen, wenn der virtuelle Raum in den Fokus rückt? Denn durch die neuen Technologien können die Menschen orts- und zeitunabhängig in die virtuelle Welt eintauchen und zu jeder Zeit kommunizieren. Vorausgesetzt der Raum ist entsprechend ausgestattet. Dies ermöglicht, „das permanente Online-Sein zum normalen Alltagszustand wird“ (Sesink 2014, S. 38). Somit sind die Lernenden immer und überall im virtuellen Raum – unabhängig von ihrem physischen Raum, indem sie sich zur realen Zeit aufhalten.

Zusammenfassend: Die Individuen sind bei ihrem Lernprozess nicht an einen festgelegten und vordefinierten Raum gebunden, können diesen aber für sich nutzen und ihn für ihre Bedürfnisse anpassen. Bei dem gemeinschaftlichen Lernen steht das soziale Miteinander und der gemeinsame Austausch über diverse Themen im Fokus. Dies setzt eine gewisse Verantwortlichkeit und Regelmäßigkeit voraus, um dem gemeinschaftlichen Lernen gerecht zu werden.

„Lern-Raum ist gleichsam die soziale Situation, die sich zwar eines bestimmten materiell-physischen Raumes bedienen kann, die aber nicht auf diesen angewiesen ist.“

(Diettrich, Walber et al. 2015, S. 15).

Der virtuelle Raum

In einem virtuellen Raum kann orts- und zeitunabhängig Wissensaustausch stattfinden. Das Internet trägt dazu bei, dass das Angebot an virtuellen Räumen stetig wächst und ausgebaut wird. Demnach gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten, den analogen Lernraum mit virtuellen Lernräumen zu ergänzen (vgl. Ebner 2019).

Ein virtueller Lernort ist ein Ort für Lehr- und Lernprozesse, welcher Lernenden und Lehrenden orts- und in vielen Fällen zeitunabhängig zur Verfügung steht. Ein Ort [..] welcher nicht physisch, sondern virtuell genutzt werden kann.“

(Ebner 2019).

Das Internet wird als ein technisch-virtueller (künstlich erzeugter) Ort erlebt bzw. beschrieben, den man aufsucht […] und der sich abgrenzt von der physikalischen nur scheinbar „wirklichen“ Welt der menschlichen Begegnung.“

(Kerres 2017b, S. 22).

Anders formuliert: Ein virtueller Raum ist ein „nicht wirklicher Raum“ (im Sinne eines nicht physischen Raums) der primär durch die technologische Entwicklung generiert wird, aber trotzdem wirksam sein kann. Dies kann beispielsweise eine Webseite, ein Chat-Room, ein virtueller Uni-Hörsaal oder das World-Wide-Web sein. In einem virtuellen Raum kann eine kollaborative Zusammenarbeit, Interaktion und Kommunikation gefördert sowie verschiedene didaktische Ressourcen zusammengeführt werden (vgl. Diettrich, Walber et al. 2015, S. 219). Zudem sind „virtuelle Räume [..] an keine materiellen Raumgrenzen gebunden“ (Diettrich, Walber et al. 2015, S. 19) sowie architektonisch nicht eingegrenzt. Dadurch kann der Mensch in zwei Räumen gleichzeitig sein – nämlich im physischen und virtuellen Raum. Zudem definiert sich der Raum immer mehr durch die zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen. Demnach wird die Technik nicht mehr separat von den Lernenden, sondern vielmehr als Teil des Lernens betrachtet und auf ihre Bedürfnisse angepasst (vgl. Kerres 2017b, S. 20). Es wird deutlich, dass durch digitale Lehre der Lernprozess in zwei Räumen stattfindet – einmal im virtuellen Raum (bspw. via Zoom-Meeting) und einmal im physischen Raum (bspw. im WG-Zimmer).

Digitale Anwendungen

Es gibt eine Vielzahl an virtuellen Räumen, die sich für einen kollaborativen Lernprozess eignen. Im Folgenden werden drei Anwendungen erläutert, die das Ziel verfolgen, Interaktion und Wissensaustausch zwischen den einzelnen Nutzer:innen zu fördern (vgl. Diettrich, Walber et al. 2015, S. 222ff.):

  • Wikis sind eine weit verbreitete Anwendungen, die webbasierte Zusammenarbeit und den Austausch von Inhalten ermöglichen. Wiki ist hawaiianisch und bedeutet in etwa ‚schnell‘. Das Besondere ist, dass die Inhalte von den Nutzer:innen nicht nur gelesen, sondern auch bearbeitet werden können. Diese kollektive Form der Wissensgenerierung eignet sich beispielwiese für Projekte.
  • Blogs spiegeln überwiegend die Sichtweise eines bestimmten Themas des/der Autor:in wider, mit dem Ziel, andere Menschen über das Thema zu informieren oder einen asynchronen Diskurs anzustoßen. Hierfür gibt es meistens eine Kommentarfunktion, in der der Diskurs fortgeführt werden kann.
  • Webbased Application Sharing meint das synchrone und gemeinsame Zusammenarbeiten von mehreren Nutzer:innen auf einer Software. Die webbasierte Anwendung ermöglicht eine kollaborative Erstellung von Texten, Mindmaps und Grafiken.

„Die Digitalisierung eröffnet Freiräume für Bildung: Der Einzelne kann seine Lernprozesse feststellen, visualisieren und mit Anderen reflektieren. Dies kann zu neuen Wegen des Lernens führen, die das Festverdrahtete und Algorithmische übersteigt und Neues für den Einzelnen sichtbar werden lässt.“

(Kerres 2018, zit. nach Kerres 2020, S: 13).

Die Digitalisierung und der einhergehende technologische Fortschritt zeigen, wie Räume geöffnet werden können und „Explorationsbewegungen in Gang setzen“ (Kerres 2020, S. 9), die sich wiederum positiv auf den Lernprozess ausüben können. Digitale Medien haben soweit eine Wirkung auf den Lernprozess, indem sie neue Wege für die Kommunikation schaffen und digitale Kommunikationsstrukturen definieren. Zusätzlich wird durch den vermehrten Einsatz von digitalen Plattformen die Rolle der Lehrenden – „vom Vermittler zum Coach“ (Kerres 2020, S. 6) – neu definiert. Für die Lernenden ändert sich die Lernstruktur insofern, dass sie selbstgesteuert lernen statt fremdgesteuert (vgl. Kerres 2020, S. 5f.).

Fazit

Mit dem Blogbeitrag wurde aufgezeigt, was unter einem Raum verstanden werden kann, wie dieser interpretiert wird und welchen Einfluss der virtuelle Raum auf Subjekte und deren Lernprozess nimmt.

Für den virtuellen Raum lässt sich schwer eine allgemeingültige Definition festlegen, da sich die technische Entwicklung ständig verändert und schnell voranschreitet. Dass der virtuelle Lernraum neue Lernmöglichkeiten erschließt, steht außer Frage. Es ist jedoch zu betonen, dass die didaktische Begleitung und die Partizipation der Lernenden nicht unterschätzt werden darf. Daher muss der Lehr- und Lernprozess auch im virtuellen Raum strukturiert, z.B. von einer Lehrkraft angeleitet und vorbereitet werden – im besten Fall durch Partizipation der Lernenden.

Es wurde auch deutlich, dass das Lernen nicht nur im klassischen Hörsaal stattfindet, sondern auch durch die zur Verfügung stehenden Technologien neue Lernkonstellationen ermöglicht werden. Letztlich weitet sich der Lernradius der Subjekte weiter aus, indem sie sich ständig neu erfinden und den Raum aktiv mitgestalten können. Demnach ist das Lernen nicht mehr an ein vorstrukturierten Raum gekoppelt.

Es ist festzuhalten, dass die Technik nicht losgelöst von den bisherigen analogen Lernprozessen betrachten werden darf. Die neuen Technologien stellen vielmehr ein Ressource dar, den bisherigen Lernprozess zu ergänzen, zu erweitern und auszubauen. Michael Kerres bringt es auf den Punkt: Es wird „eine Lernkultur verfolgt [..], die das selbstgesteuerte genauso wie das kooperative Lernen oder das problembasierte Lernen mit vielfältigen Materialien in den Mittelpunkt stellt“ (Kerres 2017a).

In der entstehenden Technostruktur geht es darum, einen Möglichkeitsraum zu schaffen, in dem die Lehrenden und Lernenden ausprobieren können, miteinander zu kollaborieren und ihr Wissen, Meinungen und Interessen zu teilen. Das Internet bietet daher den Rahmen und die Möglichkeit, sich auf digitaler Weise auszutauschen und den Lernprozess mit der digitalen Komponente zu erweitern. Nun muss der (virtuelle) Raum von den Menschen gefüllt und gestaltet werden, damit seine volle Wirksamkeit zum Tragen kommt. Denn die Technik macht nichts von alleine – sie muss proaktiv angewandt und gestaltet werden.

„Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Nutzenden selbst, die maßgeblich dazu beitragen, dass das Ökosystem „lebendig“ bleibt, indem sie neue Beiträge und Inhalte bereitstellen.“

(Kerres 2017a, S. 24).
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Reflexion auf die Eigenarbeit und den Kurs 

Ich habe die Vorlesungen des Masterstudiengangs Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe an der Hochschule München durchgängig via Zoom besucht. Zu Beginn war es etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch konnte ich mich mit der Zeit auf die synchrone und asynchrones virtuelle Arbeitsweise einlassen. Dennoch habe ich schnell festgestellt, dass es mehr Zeit in Anspruch nimmt, Texte in den digitalen Foren zu formulieren, anstatt sie gegenüber den Kommilitonen verbal zu kommunizieren.

Der disruptive Wechsel in die digital Welt der Lehre stellte Herausforderungen an mich, wie bspw. sich über längere Zeit zu konzentrieren und zu motivieren an der Lehrveranstaltung teilzunehmen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Blended Learning (integriertes Lernen / Wechselspiel von analog und digital) es an der ein oder anderen Stelle vereinfacht hätte. In diesem Blogbeitrag ging es u.a. um gemeinsames Lernen, Austausch und Kooperation. Jedoch war ich nach Verlassen der Zoom-Meetings oft alleine in meinem WG-Zimmer, müde vom Bildschirm und es war kein Small-Talk mit den Kommilitonen auf den Fluren der Hochschule möglich. Eine weitere Erfahrung, die ich im virtuellen Lernraum gemacht habe, war, dass wir in den Arbeitsphasen auf der einen Seite nah beieinander und auf der anderen Seite doch weit voneinander entfernt waren. Da komme ich zu dem Entschluss, dass das formelle Einwählen in ein virtuellen Raum noch lange nicht bedeutet, dass gelernt wird. Dies trifft allerdings auch auf die Anwesenheit im Rahmen einer Präsenzsitzung zu.

Ein großer Vorteil der digitalen Lehre sehe ich darin, dass die Vielfalt digitaler Tools zur Verfügung standen und sie ausprobiert werden konnten – dies erleichterte die Zusammenarbeit in der Gruppe erheblich. Durch diese Art des Zusammenarbeitens sind die Gedanken einer Person nie vollständig abgeschlossen, sondern können immer von Dritten weitergedacht bzw. weiterentwickelt werden (z.B. Wikipedia).

Letztendlich kommt es für mich beim Lernen auch immer auf die Beziehung zwischen den Beteiligten an. Deshalb sehe ich bei virtuellen Lernräumen die große Herausforderungen darin, die Beziehungsebene und somit auch die Arbeitsebene zu schaffen, wie wir sie alle aus dem analogen Lernraum kennen.


Literaturverzeichnis

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