Das humboldtsche Bildungsideal und die Online-Lehre in Zeiten der Pandemie

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Humboldt, Adorno, Heydorn und der neuhumanistische Bildungsbegriff

Aus meiner Perspektive sind die Anforderungen an die Bildungsziele der digitalen und der analogen Bildung sehr ähnlich. Und dabei lohnt es sich zunächst einmal einen Blick auf den neuhumanistischen Bildungsbegriff zu werfen.

Nach der neuhumanistischen Bildungskonzeption ist Bildung ist die vielseitige und zweckfreie Beschäftigung des Individuums mit der Umwelt (vgl. Sarweh 2016). Nach dem Humboldtschen Bildungsideal ist Bildung mehr als die reine Aneignung von Wissen. Vielmehr steht Individualtiät und Persönlichkeitsentwicklung im Mittelpunkt. Bildung ist also ein Prozess der Individualisierung, durch den der Mensch seine Persönlichkeit ausbilden kann. Selbstbestimmung und Mündigkeit soll durch Vernunftgebrauch hergestellt werden. Bildung umfasst zwei wesentliche Aspekte. Zum einen den individuellen Gestaltungsauftrag im Sinne einer Selbstverwirklichung und zum anderen die Verantwortung der Weltbürger gegenüber dem Gemeinwesen (vgl. Tenorth 2013). Ferner hat Bildung einen Wahrheitsanspruch, was so ziemlich das Gegenteil von Fake News darstellt. Bildung beinhaltet also immer auch eine kritische Reflexion der eigenen Positionen. Nach Humboldt soll die Universität ein Ort sein, an dem autonome Individuen und Weltbürger hervorgebracht werden. Oder: sich selbst hervorbringen. Denn Bildung wird durch sich selbst vollzogen und kann nicht vermittelt werden. Ferner soll universitäre Bildung unabhängig von wirtschaftlichen Interessen sein (vgl. Hofman 2010). Heydorn und Adorno beziehen sich auf Humboldts Begriff der humanistischen Bildung.

Adorno kritisiert die Bildungspraxis mit dem Begriff der Halbbildung, der den Gegensatz zur Bildung darstellt. Die Ursache der Halbbildung sieht er in der Verdinglichung der Bildung und Entindividualisierung. Halbbildung gehe mit einem Konformismus einher und entbehre Selbstständigkeit. Dies führe dazu, dass der Mensch kein kritisches Bewusstsein bilden könne. Schulbildung ist zum Synonym für Halbbildung geworden. Adorno zufolge ist „[d]as Halbverstandene und Halberfahrene ist nicht die Vorstufe von Bildung sondern ihr Todfeind“. Nach Adorno hat Bildung immer einen interaktiven und sozialen Aspekt. An der Stelle geht Heinz-Joachim Heydorn, einem Begründer der kritischen Bildungstheorie, noch weiter und spricht von einer „Unbildung“: „Unbildung sei das Ergebnis, die Unterwerfung unter die Logik der Ökonomie, Bildung werde als Ware betrachtet und gegen ihren eigenen Wert deformiert“.

Gesellschaft kritisch betrachten zu können steht im Zentrum des neuhumanistischen Bildungsideals mit dem Ziel der freien, gleichen und mündigen Bürger*innen. Immer wieder wird die Gefahr des Verflachens des (neu)humanistischen Bildungsideals im neoliberalen Zeitalter betont durch eine Ökonomisierung der Bildung. Konkret bedeutet das beispielsweise eine Arbeitsmarktanpassung, Selbstoptimierung, Verwertbarkeits- und Brauchbarkeitsökonomie. Die Anpassung an die Marktlogik scheint im Bildungssektor nicht wünschenswert und steht diametral dem neuhumanistischen Bildungsideal entgegen.

Bildung und Herrschaft

Früher hatte Bildung das Ziel, eine Abgrenzung zwischen Herrschenden und Beherrschten (Proletariat) herbeizuführen (vgl. Sarweh 2016). Nicht verwunderlich also, dass Bildung im Kontext von Herrschaftsverhältnissen zum Gegenstand der Kritik bei Heydorn und Adorno geworden ist. Heydorn arbeitete an einer Neufassung des Bildungsbegriffs und behandelte die Widersprüche von Bildung und Herrschaft. Auch Adorno denkt die Halbbildung in Kontext von Macht- und Herrschaftsverhältnissen und stellt fest, dass das Bildungsbürgertum die Maßstäbe dafür setzt, was als Bildung gilt und was nicht (vgl. Reitmeyer 2007, S. 3 ff.). Das bedeutet auch, dass Bildung als Herrschaftsinstrument gedacht werden kann, welches einen Ausschluss von Bildung zur Folge hat und Nährboden für Bildungsbenachteiligung ist. Dies spiegelt auch aktuelle Verhältnisse wieder, in denen Bildungsabschlüsse immer noch sehr an Klassenlagen gebunden sind.

Gleichzeitig ist aber auch der Trend zu beobachten, dass der Notwendigkeit eines Hochschulabschlusses immer größere Bedeutung beigemessen und die Studierendenschaft immer heterogener wird. Da gibt diejenigen, die nahtlos nach dem Abitur ein Studium beginnen, Quereinsteiger, Berufstätige in Weiterbildung, Teilzeitstudierende mit kleinen Kindern. Sie haben unterschiedliche Bedürfnisse und brauchen Studienbedingungen, die zu ihrer Lebenswelt passen.  Dräger/Friedrich/Müller-Eiselt halten fest: „Wir scheitern, wenn wir ihnen den gleichen Stoff, mit der gleichen Methode, zur gleichen Zeit, im gleichen Raum, vom gleichen Dozenten, im gleichen Tempo vermitteln.“ (vgl. Dräger/Friedrich/Müller-Eiselt 2014, S. 6. Daraus folgert der Bedarf einer Personalisierung der Hochschullehre. Digitale Bildung kann auch als Möglichkeit gesehen werden, um angemessen auf Diversität reagieren zu können (vgl. Dräger/Friedrich/Müller-Eiselt 2014, S. 6 ff.). Und divers sind Gruppen in Hinblick auf Lernprozesse schließlich immer, auch wenn Gruppen Studierender manchmal vermeintlich homogen wirken. Denn wir alle haben ganz individuelle Bedürfnisse in Bezug auf den eigenen Lernprozess.

Das humboldtsche Bildungsideal im Kontext der Online-Lehre in Zeiten der Pandemie

Wie schon eingangs erwähnt halte ich eine Orientierung am neuhumanistischen Bildungsideal sowohl für die analoge als auch die digitale Bildung für sinnvoll. Im Weiteren möchte ich darauf eingehen, wo ich aktuell Anknüpfungspunkte und Bedarfe sehe. In Hinblick auf die Selbstbestimmung sehe ich bei der Online-Lehre eine große Chance. Die Studierenden können im Idealfall besser entscheiden, in welchem Tempo und Rhythmus sie mit den Lehrinhalten auseinandersetzen. Ferner lassen einige Arbeitsaufträge es zu, sich selbst Schwerpunkte zu setzen und damit selbst zu entscheiden, welchen Themen man sich gezielt widmen möchte.

Mündigkeit spielt eine wesentliche Rolle im digitalen Zeitalter, da wir mit der Flut an Informationen umzugehen lernen müssen. Konkret bedeutet das, Studien prüfen und verstehen zu können und Online-Beiträge, Texte und Webseiten einordnen. Adorno sagt, dass Texte, Begriffe und Theorien vollständig durchdrungen sein müssen, bevor sie kritisch hinterfragt werden können. Es muss also eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Inhalten stattfinden und sie müssen in einen Kontext gesetzt werden können. In Bezug auf das kritische Überprüfen von Quellen, insbesondere von Online-Quellen sehe ich noch Bedarfe.

Adorno bezeichnet Bildung als interaktiven und sozialen Prozess. In dem Zusammenhang fällt mir die Kollaboration ein. Lernen findet immer mehr in Gruppen und Austausch untereinander statt. In unserer Kohorte findet in Bezug auf Kollaboration bereits durch den Zusammenschluss und Austausch der Studierenden einiges statt. Es gibt einen selbstorganisierten Moodle-Kurs für unsere Kohorte und wir stellen dort Zusammenfassungen sozusagen als „commons“ für alle bereit und teilen damit unser Wissen mit unseren Kommiliton*innen. Zudem berufen wir Zoom-Meetings ein, in denen wir Texte besprechen und im Sinne der Schwarmintelligenz versuchen, gemeinsam offene Fragen zu beantworten. Auch seitens der Dozierenden sind Gruppenarbeiten ein zentrales Element der Online-Lehre. Ferner stehen Etherpads für gemeinsame Diskussionen und Austausch in vielen Modulen bereit. Da Lernen ein sozialer Prozess und der Austausch besonders wichtig ist, sehe ich an dieser Stelle noch Potentiale für Veränderung. Die Kommunikation bei Online-Vorlesungen gestaltet sich anders. Bisher habe ich noch den Eindruck, dass noch nicht so schnell aufeinander reagiert werden kann, wie in Präsenzsitzungen und die Hemmschwelle sich zu äußern, höher ist. Mir fehlt bei den Online-Vorlesungen die Spontanität in der Interaktion.

Aufgefallen ist mir, dass vertraute Strukturen im Moment ins digitale übertragen werden (Mihajlovic 2018). Arbeitsaufträge werden zum Teil sehr ähnlich durchgeführt wie in den Präsenzveranstaltungen. Präsenzvorlesungen werden über Zoom oder BigBlueButton gehalten, es gibt viele Vorlesungen mit Kleingruppenarbeit und Powerpointpräsentationen werden vertont. Diese vertrauten Strukturen schaffen einen niedrigschwelligen Zugang und geben Sicherheit. Die Situation ist gerade sehr neu für uns, deshalb ist es nicht ungewöhnlich, wenn wir versuchen diese Strukturen beizubehalten und ich möchte das auf keinen Fall geringschätzen und komme auch gut damit zurecht. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass auch neue Formen, Wissen zu erwerben dazu kommen könnten.

Für Humboldt spielt Verantwortung der Weltbürger gegenüber dem Gemeinwesen eine wesentliche Rolle bei der Bildung. Er schreibt: „Zum Weltbürger werden heißt, sich mit den großen Menschheitsfragen auseinanderzusetzen: sich um Frieden, Gerechtigkeit, um den Austausch der Kulturen, andere Geschlechterverhältnisse oder eine andere Beziehung zur Natur zu bemühen.“ (Humboldt zit. nach Simon 2017/2018, S. 7). Hier sehe ich einen zentralen Anknüpfungspunkt zu unserem Masterstudiengang. Denn die „großen Menschheitsfragen“ sind es gerade, mit denen wir uns beschäftigen. Wir setzen uns mit Gerechtigkeitskonzepten auseinander, analysieren Innovations- und Transformationsprozesse, betrachten Nachhaltigkeit aus verschiedenen Perspektiven und beschäftigen uns mit Handeln im interkulturellen und internationalen Kontext. Wir üben fundierte Kritik an den gegebenen ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnissen. In diesem Kontext wird der Studiengang dem neuhumanistischen Bildungsideal gerecht da ein wesentlicher Bestandteil ist, Gesellschaft kritisch zu analysieren (vgl. Sarweh 2016).

Literatur:

Jörg Dräger, Julius David Friedrich & Ralph Müller-Eiselt (2014): Digital wird normal. Wie die Digitalisierung die Hochschulbildung verändert, online verfügbar unter: https://www.che.de/wp-content/uploads/upload/Im_Blickpunkt_Digital_wird_normal.pdf

Jürgen Hofmann (2010): Welche Bedeutung hat das Humboldt’sche Erbe für unsere Zeit?, online verfügbar unter: http://www.humboldtgesellschaft.de/inhalt.php?name=humboldt

Mihalovic Dejan (2018): Wenn Bildung in Zeiten einer Pandemie ihren Weg ins Internet sucht. Online verfügbar unter: https://mihajlovicfreiburg.com/tag/digitale-bildung/

Patrick Simon (2017/2018): Wilhelm von Humboldt:Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues. Online verfügbar unter: https://user.phil.hhu.de/~petersen/WiSe1314_InfowiColl/slides_patrick_simon.pdf

Reitemeyer Ursula (2007/2008): Bildung zwischen Junghegelianismus und Frankfurter Schule. Online verfügbar unter: https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/ew/forschung/feuerbach/bildung_zwischen_junghegelianismus_und_frankfurter_schule.pdf

Sarweh Jennifer (2016): Trägt das Studium zur Reproduktion von Halbbildung bei? Eine Auseinandersetzung mit dem neuhumanistischen Bildungsideal und dem heutigen Studiensystem – von Jennifer Sarweh. online verfügbar unter: https://soziologieblog.hypotheses.org/9495

Digitale Bildung kann Teilhabe ermöglichen

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Digitale Bildung birgt das Potenzial, mehr Personen einen guten Zugang zu Bildung zu verschaffen, als es die klassische bzw. analoge Bildung alleine vermag.

Die in den vergangenen Jahren stattfindende Digitalisierung beeinflusst verschiedene gesellschaftliche Bereiche und wirkt sich auch auf das Bildungssystem sowie auf die Art, wie Bildung erfolgen kann, aus. Ich gehe davon aus, dass digitale Bildung das Potenzial birgt, mehr Personen einen guten Zugang zu Bildung verschaffen als es die klassische bzw. analoge Bildung alleine vermag. Insbesondere Personengruppen, welche aus verschiedenen Gründen keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang zu analogen Bildungsangeboten haben, können durch digitale Bildungsangebote neue Bildungschancen erhalten und damit auch ihre gesellschaftliche Teilhabe verbessern. Somit kann digitale Bildung zur Bildungsgerechtigkeit beitragen.

Was ist digitale Bildung?

Um eine Grundlage für meine These zu schaffen, möchte ich zunächst klarstellen, was ich mit digitaler Bildung meine. Dabei lehne ich mich an die Blogbeiträge von Alexander Klier sowie weitere Quellen an. Damit digitale Bildung überhaupt möglich werden kann, braucht es digitale Technologien. Diese sind einerseits durch ihre technischen Eigenschaften (ihre Technostruktur), andererseits durch ihre sozialen Funktionen (ihre Soziokultur) gekennzeichnet (vgl. Klier 2020). Digitale Bildung verstehe ich als Lernen mit solchen digitalen Technologien. In virtuellen Handlungsräumen kommen Lernende und Lehrende miteinander in den Austausch und teilen sowie erarbeiten sich Wissen.

Bei der digitalen Bildung geht es nicht darum, eine digitale Kopie der analogen Lerninhalte zu kreieren, sondern der Bildung zu einer neuartigen Qualität zu verhelfen. Durch digitale Tools werden neue Möglichkeitsräume geschaffen, beispielsweise für Diskussionen auf Foren sowie gemeinsam angelegte Wikis. Aufgrund ihrer Andersartigkeit erfordert digitale Bildung eine andere Haltung gegenüber dem Lernen und auch andere Methoden der Wissensverarbeitung und -verwertung. Dies gilt für Lehrende als auch für die Lernenden. Im Vordergrund stehen kann die Vermittlung von Kompetenzen und ein Anregen zum selbstständigen Lernen (vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung 2016). Digitale Bildung kann also über die Vermittlung von Wissen, welche beim klassischem bzw. analogen Lernen oftmals zentral ist, hinaus gehen.

Potenziale digitaler Bildung

Nach der erfolgten Definition von digitaler Bildung möchte ich meine oben genannte These begründen.
Ein zentraler Aspekt besteht darin, dass digitale Bildungsangebote meist ortsunabhängig in Anspruch genommen werden können. Lehrende und Lernende müssen sich nicht zwingend in dem gleichen Raum aufhalten, können sich aber dennoch auf zahlreichen Wegen austauschen. Dadurch eröffnet sich die Chance, dass auch Personen aus Gebieten mit einer mangelhaften örtlichen Bildungsinfrastruktur Zugang zu attraktiven Interaktionsmöglichkeiten erhalten. Sie können auf einen großen Wissenspool zurückgreifen, auch wenn sich niemand in ihrer direkten Umgebung mit denselben Inhalten beschäftigt.

Bei einigen Bildungsangeboten liegt zusätzlich eine hohe zeitliche Flexibilität vor. Die Lernenden müssen sich nicht notwendigerweise gleichzeitig mit den Inhalten auseinandersetzen, sondern können dies dann tun, wenn es für sie am besten passt. Dies schafft weitere Zugangschancen, beispielsweise für Personen, die sich in unterschiedlichen Zeitzonen befinden aber trotzdem miteinander lernen möchten oder Personen, die aufgrund von Nebenjobs, familiären Verpflichtungen etc. an bestimmte Zeiten für das Lernen gebunden sind.

Des Weiteren ist das Wahrnehmen von digitalen Bildungsangeboten unter Umständen mit geringeren Kosten verbunden als die Nutzung analoger Bildungsangebote. Einerseits können die Anfahrtskosten eingespart werden, andererseits sind viele digitale Bildungsangebote kostenlos oder zumindest günstiger als der klassische Besuch von Bildungsinstitutionen. Somit können Lernende in unterschiedlichen ökonomischen Situationen an Bildung teilhaben (vgl. Bertelsmann Stiftung 2019).

Ein weiterer Aspekt, warum digitale Bildung für mehr Personen einen Bildungszugang schaffen kann ist die Möglichkeit individualisierter Lernangebote. Digitale Bildungsangebote können in vielen Fällen leichter an die heterogenen Fähigkeiten und Kompetenzen der Lernenden angepasst werden. Dies kann insbesondere für Personen, die bei der analogen Bildung auf Barrieren stoßen, ein Gewinn sein. Zu bedenken sind hier beispielsweise Lernende mit körperlichen oder psychischen Behinderungen (vgl. Netzwerk Digitale Bildung) oder mit Migrationshintergrund (vgl. Eickelmann 2015).

Ich möchte noch einmal gesondert auf den Bildungszugang von Menschen mit Behinderung eingehen. Diesbezüglich ist die Barrierefreiheit von Bildungsinstitutionen ein zentraler Aspekt. Beispielsweise weist der Campus Pasing der Hochschule München teilweise räumliche Barrieren für Personen auf, welche auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Dies erschwert ihren Zugang zu den dort verfügbaren analogen Bildungsangeboten.

Anhand dieses Beispiels wird deutlich, wo digitale Bildung als Chance dienen und die Teilhabe von Menschen mit Behinderung verbessern kann. Zu beachten ist jedoch, dass es nicht zielführend ist, jene Menschen lediglich auf digitale Bildungsangebote zu verweisen. Wenn sich die Individuen und die Gesellschaft auf den Vorteilen digitaler Bildung „ausruhen“ kann es zu weiteren Exklusionen hinsichtlich Bildung kommen und die Bildungsungerechtigkeit kann sich verstärken. Es gilt also, nicht nur die digitalen Lernangebote für Menschen mit Behinderung zu verbessern, sondern auch die Barrieren bei analogen Bildungsangeboten abzubauen. Die räumlichen Gegebenheiten in Bildungsinstitutionen sind nur eines von vielen Beispielen. Durch entsprechende Anpassungen kann Personen mit besonderen Bedürfnissen ein besserer Zugang zu Bildung ermöglicht werden. 

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass digitale Bildung dafür sorgen kann, dass Personen mit ungleichen Voraussetzungen gemeinsam und voneinander lernen. Allerdings ist zu beachten, dass digitale Bildung nicht automatisch für mehr Bildungsgerechtigkeit in unserer Gesellschaft sorgt. Der Zugang zu qualitativ hochwertigen digitalen Lernangeboten ist für viele Menschen bei Weitem nicht selbstverständlich. Dennoch bietet die Möglichkeit des digitalen Lernens zahlreiche Chancen für Personen, die von klassischen analogen Bildungsangeboten ausgeschlossen sind oder von diesen nur in geringem Maße profitieren können.

Quellen

Bertelsmann Stiftung (2019) Teilhabe: Viele Potenziale bleiben noch ungenutzt. Verfügbar unter: https://www.digitalisierung-bildung.de/2019/08/08/teilhabe-viele-potenziale-bleiben-noch-ungenutzt/ (Letzter Zugriff am 06.05.2020).

Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016) Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft. Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Verfügbar unter: https://www.bmbf.de/files/Bildungsoffensive_fuer_die_digitale_Wissensgesellschaft.pdf (Letzter Zugriff am 07.05.2020)

Eickelmann, Birgit (2015) Bildungsgerechtigkeit 4.0. In: Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.) Digitale Kompetenzen in Bezug auf Bildungsgerechtigkeit. Berlin. Verfügbar unter: https://www.wissensatlas-bildung.de/publikation/bildungsgerechtigkeit-40/ (Letzter Zugriff am 07.05.2020).

Klier, Alexander (2020) Virtuelle Präsenz. Verfügbar unter: https://www.alexander-klier.net/blog/ (Letzter Zugriff am 11.05.2020).

Netzwerk Digitale Bildung (o.J.) Thesen für die Digitale Bildung – Empfehlungen an Entscheidungsträger. Verfügbar unter: https://www.netzwerk-digitale-bildung.de/wp-content/uploads/NDB-Thesen-f%C3%BCr-die-Digitale-Bildung.pdf (Letzter Zugriff am 06.05.2020).

Bild von Ketut Subiyanto, gefunden auf www.pexels.com. Verfügbar unter: https://www.pexels.com/de-de/foto/sonnig-kaffee-laptop-notizbuch-4559555/ (Letzter Zugriff am 14.09.2020).

Digitalisierung: eine Erfolgsgeschichte unserer Bildungslandschaft

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Wie alle anderen Studiengänge auch, sind auch wir – der Master „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe an der Hochschule München – von der Corona Krise und den damit einhergehenden Veränderungen im Studium betroffen. Lehre ohne Präsenz? Ein Semester nur online studieren? Wie kann das gelingen? Welche Schwierigkeiten und Herausforderungen gilt es zu bewältigen? Welche Chancen bringt diese Form des Lehrens und Lernens mit sich? Auf diese Reise möchte ich euch gerne mitnehmen.

Semesterstart – Aber nur Online

Nachdem der eigentliche Semesterstart am 15.03.20 bereits verschoben werden musste, startete am 21.04. nun endlich das Sommersemester an der Hochschule – aber nur online. Gleich zu Beginn war klar, dass das enorme Veränderungen und Umstellungen mit sich bringen wird, auf die wir uns alle – sowohl Lehrende als auch Lernende – einlassen müssen. Zunächst einmal war der Unmut bei mir groß. Ich blickte der ganzen Situation sehr skeptisch entgegen. Wie ich gegenüber Freunden und Familie aber oft so schön sagte „Da müssen wir jetzt einfach alle durch und das Beste aus der Situation machen“. Mit dieser Einstellung startete ich also in das neue Semester. Im gemeinsamen Austausch mit Kommilitonen und Kommilitoninnen und auch anderen Studierenden wurde aber schnell deutlich, dass ich mit diesen Gedanken nicht alleine war. Trotz der Zweifel: Meine Ansprüche an die Online-Lehre waren hoch. So erhoffte und erwartete ich mir, dass die Online-Lehre im besten Fall die Präsenzlehre ersetzen kann und für uns Studierende dementsprechend keine Nachteile entstehen. Ob und wie das gelingen kann, wird im weiteren Beitrag noch deutlich.

Die Hochschule begann also auf Online-Lehre umzustellen. Auch wir Studierenden bereiteten uns entsprechend darauf vor. Webinare, Online-Vorlesungen und die Kommunikation über Moodle prägen nun unseren Studentenalltag. Die Art und Weise, wie die Lehrveranstaltungen online gestaltet werden, ist dabei zum Teil sehr unterschiedlich. Wo einige Lehrende den direkten Austausch über Webinare bevorzugen, greifen andere wiederum auf mit Audiokommentaren hinterlegte Präsentationen oder die eigenständige Bearbeitung von Texten zurück. Das Verständnis von digitaler Bildung und digitalem Lernen ist vielschichtig. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, was unter dem Begriff der digitalen Bildung überhaupt verstanden werden kann und wie digitales Lernen funktioniert.

Digitale Bildung – Wie funktioniert digitales Lernen?

Digitalisierung als Gegenstand von Bildung steht schon seit längerer Zeit im öffentlichen Diskurs. Aktuell allerdings mehr denn je. Die Digitalisierung durchdringt alle Bereiche unserer Gesellschaft und fungiert so auch als Werkzeug im Bildungsprozess. (vgl. Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (Hrsg.) 2016, S. S. 5ff.). Der Begriff der digitalen Bildung steht für den Transformationsprozess in der Bildungsarbeit. Digitale Bildung bezeichnet die Veränderungen durch den Einsatz von digitalen Medien, die den gesamten Prozess der Wissenserschließung und -kommunikation betreffen. (vgl. Seufert und Meier 2016, S. 298f.; Netzwerk Digitale Bildung 2016, S. 2).

Um zu verstehen, wie digitales Lernen funktioniert, ist es zunächst erforderlich, den Bildungsbegriff an sich genauer zu definieren. Bildung muss als ein lebenslanger und kontinuierlicher Prozess begriffen werden, „der Menschen befähigt, ihr Leben und Lernen in einer digitalisierten Welt aktiv zu gestalten.“ (Netzwerk Digitale Bildung 2016, S. 2). Entgegen zahlreicher Annahmen geht es in Bildungsprozessen demnach weniger um die bloße Vermittlung und den Erwerb von Faktenwissen. Die Übernahme von Verantwortung im eigenen Lernprozess und damit verbunden die Kompetenz, sich Wissen selbstständig und eigenorganisiert aneignen, darüber hinaus anwenden und kreative Lösungen für Probleme finden zu können, stehen im Vordergrund.

In der Digitalisierung kann eine gewinnbringende Chance gesehen werden, diese Selbstbestimmung sowie die Selbstorganisation und -steuerung von Lern- und Bildungsprozessen angemessen zu fördern und zu gewährleisten. (vgl. Seufert und Meier 2016, S. 301f.; Netzwerk Digitale Bildung 2016,  S. 2). Es werden Räume und Möglichkeiten geschaffen, in denen die Lehrenden nicht mehr nur als alleinige BereitstellerInnen oder VermittlerInnen von Informationen und Wissen fungieren, sondern in denen Wissen kollektiv entwickelt und diskutiert wird (vgl. Lackner und Kopp 2014, S. 183).

Präsenz vor Ort – Nicht immer das Kriterium für erfolgreiches Lernen

Doch wie sieht es nun aus mit Webinaren, Online-Vorlesungen und Plattformen wie Moodle etc.? Kann digitales Lernen klassische Lernprozesse ersetzen? Lasse ich das bisherige Online-Semester Revue passieren, in dem ich bereits zahlreiche neue Erfahrungen im Bereich des digitalen Lernens sammeln durfte, kann ich diese Frage nun grundsätzlich bejahen. Entgegen meiner anfänglichen Zweifel und der Annahme, dass ein persönlicher Austausch im Form der physischen Anwesenheit in einem Raum nicht ersetzt werden kann, sehe ich digitale Bildung und digitales Lernen als große Bereicherung unserer Bildungslandschaft und als Chance für erfolgreiches Lernen. Präsenz vor Ort muss also nicht zwingend das Kriterium für gelingende Lernprozesse sein.

Allerdings nur, so zeigen auch meine bisherigen Erfahrungen, wenn Lernen auch online gemeinsam stattfindet. Es genügt also nicht, sich Texte in Eigenarbeit zu erschließen oder selbstständig Präsentationen anzuhören – Nein, Lernen besitzt eine soziale Dimension, die es unbedingt zu berücksichtigen gilt. Der Austausch und die Zusammenarbeit der Studierenden müssen also auch in digitalen Lernprozessen sichergestellt sein und gefördert werden. Mit den entsprechenden technischen Möglichkeiten, sprich im Rahmen von Webinaren und digitalen Lernplattformen mit Foren und Wikis lassen sich kooperative Lernprozesse initiieren und so erfolgreiches digitales Lernen gewährleisten. (vgl. Grosch 2018, S. 116).

An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass digitales Lernen natürlich auch mit Schwierigkeiten und Herausforderungen verbunden ist. Lernen im virtuellen Raum zeichnet sich für viele Studierende, so auch derzeit für mich, durch einen Mehraufwand aus (vgl. Lackner und Kopp 2014, S. 180). „Weil mediengestütztes, selbstgesteuertes Lernen vielfach weniger gewohnt ist, erscheint konventioneller Unterricht für Lernende subjektiv als weniger aufwändig.“ (Kerres 2012, S. 93). Die Freiheiten, die durch digitales Lernen geschaffen werden erfordern gleichzeitig, wie schon angesprochen, Selbstorganisation und Eigenverantwortung und damit verbundene Kompetenzen über den bloßen Wissenserwerb hinaus. Lernen in virtuellen Räumen erscheint daher oftmals als aufwändiger und zeitintensiver als das klassische Lernen. (vgl. Lackner und Kopp 2014, S. 180). Aber genau dieser Aspekt kennzeichnet, wie oben angesprochen, den Begriff der Bildung und sollte viel mehr als gewinnbringende Chance anstatt als Hindernis von digitalem Lernen begriffen werden.

Fazit

Abschließend möchte ich gerne noch einmal auf meine These zurückkommen. In wie fern kann die Digitalisierung nun als Erfolgsgeschichte unserer Bildungslandschaft gesehen werden? Bereits meine eigenen geschilderten Erfahrungen, auch in Verbindung mit der entsprechenden Literatur, zeigen, welch enorme Chancen in digitalem Lernen stecken. Darüber hinaus macht aber allein schon die Tatsache, dass sämtliche Bildungseinrichtungen ohne Digitalisierung derzeit in der Corona-Krise wohl kaum fähig wären, angemessene Bildungs- und Lernmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, auf das große Potential des digitalen Lernens aufmerksam. Digitalisierung ist ausschlaggebend für den Bildungserfolg. Auch wenn es der Corona-Krise geschuldet ist, dass digitale Bildung aktuell von so großer Bedeutung ist und sich die Frage stellt, wann digitales Lernen ansonsten überhaupt so starken Einzug in unsere Bildungslandschaft erhalten hätte, lässt sich die Digitalisierung in meinen Augen durchaus als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Eine Erfolgsgeschichte, die gerade auf dem Weg ist sich zu etablieren – Ein Erfolg, der in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen und unsere Gesellschaft durchdringen wird.

Literatur

Text:

Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (Hrsg.) (2016): Digitale Bildung in Schule, Hochschule und Kultur. Die Zukunftsstrategie der Bayrischen Staatsregierung. München. Verfügbar über: https://www.km.bayern.de/epaper/Digitale_Bildung_in_Schule_Hochschule_Kultur/index.html (Letzter Zugriff 11.05.2020).

Grosch, Martina (2018): Digitale Lernszenarien. Konzept, tutorielle Betreuung und gemeinsame Lernprozesse lassen digitales Lernen lebendig werden. In: PADUA (2018), 13(2), S. 115-117. Verfügbar über: https://econtent-1hogrefe-1com-13w1a5rry00ca.emedia1.bsb-muenchen.de/doi/pdf/10.1024/1861-6186/a000485 (Letzter Zugriff 11.05.2020).

Kerres, Michael (2012): Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. 3. Auflage, München, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH.

Lackner, Elke und Kopp, Michael (2014): Lernen und Lehren im virtuellen Raum. Herausforderungen, Chancen, Möglichkeiten. In: Rummler, Klaus (Hrsg.) (2014): Lernräume gestalten – Bildungskontexte vielfältig denken. Medien in der Wissenschaft, Band 67, Münster u.a., Waxmann Verlag GmbH, S. 174-186. Verfügbar über: https://www.pedocs.de/volltexte/2015/10101/pdf/Lernraeume_gestalten_2014_Lackner_Kopp_Lernen_und_Lehren_im_virtuellen_Raum.pdf (Letzter Zugriff 11.05.2020).

Netzwerk Digitale Bildung (Hrsg.) (2016): Zwischen analog und digital. Lernen und Lehren an Schulen und Hochschulen. Köln, SMART Technologies GmbH. Verfügbar über: https://www.netzwerk-digitale-bildung.de/wp-content/uploads/NDB_Whitepaper_Zwischen_analog_und_digital_12Seiten.pdf (Letzter Zugriff 11.05.2020).

Seufert, Sabine und Meier, Christoph (2016): Digitale Transformation: Vom Blended Learning zum digitalisierten Leistungsprozess „Lehren und Lernen“. In: Wachtler, Josef; Ebner, Martin; Gröblinger, Ortrun; Kopp, Michael; Bratengeyer, Erwin; Steinbacher, Hans-Peter; Freisleben-Teutscher, Christian und Kapper, Christine (Hrsg.) (2016): Digitale Medien: Zusammenarbeit in der Bildung. Medien in der Wissenschaft, Band 71, Münster u.a., Waxmann Verlag GmbH, S. 298-302. Verfügbar über: https://www.waxmann.com/fileadmin/media/zusatztexte/3490Volltext.pdf (Letzter Zugriff 11.05.2020).

Bild:

Foto von Vlada Karpovich von Pexels: Verfügbar über: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-tasse-smartphone-laptop-4050315/ (Letzter Zugriff 01.09.2020).

Social Learning – eine Reflexion

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Bildung digital

Die Blogreihe „Virtuelle Präsenz Corona“ von Dr. Alexander Klier ist eine Begleiterscheinung des Seminars „Bildung im digitalem Lernraum“. Die Überschrift der Reihe und insbesondere die Einleitung des ersten der insgesamt drei Beiträge lassen vermuten, das Thema der Blogreihe sei der explosionsartig gewachsene Raum des digitalen Lernens. Aufgrund der Corona-Pandamie sind die allermeisten Schüler:innen und Lehrer:innen, aber auch alle „Erwachsenen“, Auszubildenden oder Studierenden gezwungen, online zu lernen. Was bis vor der Pandemie noch für viele Neuland war und häufig mit starker Kritik und Ängsten belagert war, wurde innerhalb kürzester Zeit zum einzigen Ersatz des ansonsten angesagten Präsenzunterricht im Klassenzimmer und Seminarraum oder am Arbeitsplatz. Die gemeinhin geführte Unterscheidung zwischen virtueller und analoger Realität hat einen entscheidenden Einschnitt erfahren, dessen Konsequenzen erst begriffen werden müssen. Die „Live-Berichterstattung […] :-)“ zum Seminar, wie Klier schreibt, ist die Verknüpfung der aktuellen Ereignisse mit Kliers aus bereits diversen Perspektiven aufgegriffenem Interesse, neben den bekannten Lerntheorien des Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus die Theorie des „Social Learning“ zu etablieren und zu vertiefen. So wird in der Blogreihe hauptsächlich diskutiert, wie sich historisch Lernen und Lehren entwickelt haben, wie Wissen produziert wird oder was Bildung oder gebildet sein bedeuten kann und sollte. Neben dieser medialen Wissensvermittlung im geschrieben Wort, ist es insbesondere der Kontext der Blogbeiträge, der bei den Studierenden und anderen interessierten Leser:innen das bewirkt und veranschaulicht, was Klier Bildung nennt. Klier veranschaulicht den Lesenden direkt, was aus humanistischer Perspektive bedeutet, gebildet zu sein.

 „Gebildete Menschen reagieren nicht auf Reize, sie antworten auf Fragen.39 Gebildete Menschen setzen sich physisch und geistig mit Inhalten auseinander, um die Themen durchdringen zu können. Ich kann mir gerade auf digitalen Plattformen – und das anerkanntermaßen – Zeit lassen, verzögert auf einen Forenbeitrag oder Blogpost zu antworten. Bildung heißt auch umgekehrt, auf reflektierte Antworten warten zu können, um sie, gemeinsam mit allen Beteiligten, zusammen-zu-denken und dabei kollaborativ weiter zu entwickeln.40 Mit anderen Worten: gerade digital kann eine bildende Auseinander-Setzung erfolgen, weil das asynchrone und transparente Zusammen-Denken im öffentlichen digitalen Raum meist schon eingerichtet ist.41“.

Klier in Teil drei der Blogreihe, Fußnoten und Hervorhebungen wie im Original: https://www.alexander-klier.net/virtuelle-praesenz-corona-3/

Bildung als Dialektik zwischen Fürsorge und Selbstsorge

Durch die Form der Kommunikation und die Bestimmung der Arbeitsweise, nämlich einen eigenen Blogbeitrag in Reaktion auf Kliers Beiträge zu verfassen, gelingt es Klier, Bildung und Wissen zu vermitteln. Er erzeugt den Raum, der notwendig ist, um sich zu bilden. Bildung in humanistischer Lesart, so Klier in Teil drei der Reihe, sei mehr als reines Lernen bzw. Auswendiglernen oder eintrichtern von Wissen. Bildung bedeutet die Dialektik zwischen „Fürsorge und Selbstsorge“ aufzuspannen und eine „umfassende Selbstreflexion“ zu befeuern. Eine Reflexion, die möglicherweise schmerzhaft veranschaulicht: „Irrtümer und Fehler, aber auch ihre Korrekturen, sind „unverzichtbare Momente“ echter Bildung“, so Klier in Anschluss an Andreas Dörpinghaus.

Der poietische Raum

Der Auftrag, eine Antwort auf die Blogreihe zu verfassen, zwingt die Lesenden sich mit dem Thema der Reihe auseinanderzusetzen, sich durch die Reflexion des Gelesenen und anhand der Formulierung einer eigenen Fragestellung zu motivieren, dort eine Antwort zu finden, wo keine Frage vorgegeben ist. Die anschließende Veröffentlichung der eigenen Gedanken macht diese Auseinandersetzung mit den eigenen Überlegungen transparent, macht die persönlichen Fehler und Irrtümer sichtbar. Diese Transparenz und die Teilhabe der Lesenden, der Wechsel von Lesenden zu Schreibenden und umgekehrt, schafft im digitalen Raum einen poietischen Raum, einen Raum des gemeinsamen Produzierens und Erschaffens von Wissen beziehungsweise der Erkenntnis über unser Nicht-Wissen. Es findet das statt, was Klier als „Social Learning“ beschreibt.

Mathetik: der relativistische Standpunkt

Die Frage, die sich in Bezug auf das Social Learning stellt, ist, ob diese Reflexion von Kliers Didaktik reicht. In der ersten Fassung dieses Beitrags war ich mir sicher, dass ich einen eigenen Gedanken, eine eigene Frage formulieren muss, um der Gemeinschaft der Lernenden etwas meines Denkens zur Verfügung zu stellen. Ich hatte das Gefühl nur Inhalte, die schon von Klier formuliert wurden, zusammenzufassen. Aber natürlich beginnt hier Bildung. Mit meinem Blogbeitrag antworte ich direkt auf Kliers Blogreihe und somit öffnet sich der poietische Raum in dem gemeinsam Wissen konstruiert wird und somit wird sehr wohl ein Lernbeitrag geleistet wird. Im direkten Austausch werden die Inhalte reflektiert und diskutiert, es findet ein Austausch auf Augenhöhe statt. Dieser Austausch offenbart, was unter Mathetik zu verstehen ist. Der Begriff der Mathetik ist weiter gefasst als der, der Didaktik. Didaktik meint die „Kunst und die Wissenschaft des Lernens und Lehrens“ (wikipedia: didaktik). Mathetik ihrereseits ist ein konstruktivistisch geprägtes Verständnis von Lernen, das die Eigenaktivität der Lernenden fordert, dabei verpflichtet sich die lehrende Person „einen relativistische Standpunkt“ einzugehen, also die Bereitschaft zu haben, eigenes Wissen und eigene Annahmen infrage zu stellen um so gemeinsam mit Lernenden das Wissen zu konstruieren (vgl. wikipedia:mathetik). Die Chance die Klier als Dozent und Lernbegleiter gibt, ist das Wissen und die Inhalte seiner Blogreihe als Aufhänger, als Input für eigene Fragen zu nutzen und so gemeinsam Wissen über Bildung im digitalen Raum zu konstruieren. Der relativisitische Standpunkt wird deutlich, weil es möglich ist schon geschriebenes zu reflektieren und dahingehend neue Fragen zu formulieren. So findet ein Austausch auf Augenhöhe und eine Konstruktion von Wissen statt. Den Beitrag den dieser Blogbeitrag somit liefert, ist der gemeinsame Austausch und die weitere Konstruktion zum Thema Social Learning als Antwort auf Kliers Inhalte.

Social Learning?

Die Blogreihe Kliers lässt als offene Frage zurück, ob in Folge der Blogproduktion, also über die eigene Produktion hinaus, ein Austausch auf Augenhöhe unter allen Seminarteilnehmenden stattfinden kann und wird. Diese Frage kann nun am Ende des Semesters beantwortet werden. Der asynchrone Austausch findet statt. Zwar kann nicht jeder Blogbeitrag beantwortet werden. Doch hier und da fand eine tiefgreifende von Emotionen begleitete Reflexion und Auseinandersetzung mit den Themen der Mit-Lernenden statt:

„Die anschließende Diskussion zu den Inhalten und auch die eigenen Blogbeiträge dazu, lösen Emotionen aus, also zumindest hat mich gerade dein Blogbeitrag so gefesselt, dass ich Lust bekam mich weiter damit auseinander zu setzen und auch Lust bekam, mit dir gemeinsam an dem Thema weiter zu denken. Diese Lust ist ja eine der Emotionen, die auch Gerald Hüther immer wieder anspricht und für die er in seinen Interviews plädiert (2). Und dann wäre über diesen Weg, Input – eigene Auseinandersetzung – gemeinsame Reflexion in der Peer-Gruppe, unabhängig von Zeit und Raum, eine (und hier würde Alexander [Klier] jetzt dafür plädieren) Mathetik geschaffen, wie Lernen, im Sinne der Selbstbildung und der Bildung aus erster Hand, im digitalen Raum stattfinden kann“.

Diskussion zum Blog von Christine Völk vor der Veröffentlichung: https://mathetik-online.de/back-to-the-roots-to-start-the-future-bildung-neu-humboldtisieren

Diese Antwort wurde auf den Blogbeitrag von Christine Völk gegeben. Dieser kurze Ausschnitt der Diskussion macht deutlich, dass die Reflexion und das Geben eines Feedbacks auf den Beitrag einer Mit-Lernenden einen Lernprozess anstieß. Hier offenbart sich der Sinn, die Wirkweise und die Wissenskonstruktion des Social Learnings praktisch erlebbar. Der asynchrone Austausch ermöglicht es, Themen aufzugreifen und sich wahrhaftig damit auseinander zu setzen und so wertvolle Feedbacks zu geben. Lernen findet dann im gemeinsamen Austausch in der gemeinsamen Reflexion statt. In diesem Fall waren wir zu dritt (Klier klinkte sich mit ein). Aber wäre es wünschenswert, dass sich mehr Co-Lerner:innen mit an der Diskussion beteiligen oder ist gerade diese spontane Bildung von Gruppen der Vorteil dieser freien, selbstorganisierten Art des Lernens?

„Bildung neu denken“ – Digitalisierung als Chance für ein neues Bildungssystem?

Lesezeit: 10 Minuten

Unser aktuelles Bildungssystem

Wie lange existiert unser heutiges Bildungssystem eigentlich? Wirft man einen Blick zurück dann lässt sich feststellen, dass unser heutiges Schulsystem aus Zeiten des Kaiserreiches stammt [1] – der Gedanke, Bildung für alle zu gewährleisten war damals eine super Sache und mündet in der heutigen Schulpflicht. So kann natürlich gewährleistet werden, dass jedes Kind aus jeder sozialen Schicht ein Recht auf Bildung hat (was, wie wir wissen, nicht unbedingt zu Chancengleichheit führt). Nun gut, werfen wir noch einmal einen Blick zurück in die Vergangenheit, dann finden wir die Ursprünge des dreigliedrigen Schulsystems in der Weimarer Republik, das die politischen, ökonomischen und sozialen Statusinteressen einer Dreiklassengesellschaft spiegelte [1] – und so ist es bis heute geblieben. Natürlich gab es in der Zwischenzeit auch Reformen, wie die Etablierung von Gesamtschulen, aber diese integrieren sich in das bestehende System, als das sie es wirklich verändern oder auflösen. Wir bilden also unsere Kinder, die Erwachsenen von morgen in einer Institution aus, die vor mehr als 100 Jahren etabliert wurde- zu einer Zeit also, die so ganz anders war als unsere heutige. Wo damals das Wissen in den Bibliotheken schlummerte und es wichtig war, Wissen anzueignen, steht uns in der heutigen Zeit das ganze Wissen im Internet zur Verfügung.

Wir leben in einer Zeit, in der wir nicht wissen, welche Jobs es in 20 Jahren geben wird und in der die ganze Welt mit einem Mausklick miteinander verbunden ist aber vor allem, in dem digitale Kompetenzen in fast allen Lebensbereichen immer mehr gefordert sein werden und es auf das lebenslange Lernen ankommt, um mit dem Fortschritt mithalten zu können. Während die Institution Schule durch Standardisierung und Zentralabitur der Logik des Allgemeinen folgt, werden viele Bereiche in der Gesellschaft immer individueller, sodass davon ausgegangen werden kann, dass das traditionelle Wissensvermittlungskonzept ein immer weiter wachsendes Modernisierungsdefizit aufweist. Nicht nur die Art des Lehrens, sondern auch die Inhalte sind nicht mehr zeitgemäß, wenn man bedenkt, dass viele bisherigen Berufe in der Zukunft nicht mehr existieren werden. Es braucht somit andere, neue Modelle, wie Schule gedacht werden kann. In der Zukunft wird es immer weniger darauf ankommen, dass alle das Gleiche können, sondern das Lernende ihr Potenzial, ihre Fähigkeiten, Persönlichkeiten und Teamfähigkeiten entwickeln, um Alleinstellungsmerkmale für den weiteren beruflichen Werdegang ausbilden zu können [2]. Mal abgesehen davon sollten wir endlich davon abkommen, dass die eigene Herkunft die Chancen auf Bildung erheblich beeinflussen- und zwar nicht immer zum Positiven [3].

Aus diesem Grund stellt sich die Frage, ob wir den aktuellen Digitalisierungsdiskurs, der durch die Corona-Pandemie wieder neu entfacht wurde, nutzen sollten, um das Schulsystem von Grund auf in Frage zu stellen und darüber nachzudenken, wie gute und zukunftsfähige Lehre in Zeiten einer digitalen Welt funktionieren kann?

Kompetenzen für die Welt von morgen

Wenn wir die Welt von morgen betrachten, braucht es vor allem Kompetenzen, wie Selbstorganisation und Kreativität, um die Herausforderungen in der Zukunft meistern zu können. Es wird immer mehr darauf ankommen, eigenständig lösungsorientiert zu denken und zu handeln, anstatt sich an vorgefertigten Lösungen für Probleme zu orientieren (vor allem, wird es diese Lösungen in einer immer komplexer werdenden Welt auch oftmals noch gar nicht geben) [4]. Daher sollte die Lehre weniger inhaltsorientierte als subjektorientierte Didaktiken beinhalten [4]. Lernende sollten vor allem selbst über eigene Lernmethoden verfügen, sprich sie sollten lernen zu lernen. Die Welt von morgen benötigt selbstgesteuerte Lerner, die weniger in institutionalisierten Settings lernen, sondern in der Wirklichkeit, in ihrem Alltag. Es braucht weniger lineare Formen der Bildung und somit eine Abkehr von einem Stundenplan der durchgetaktet und von Lehrplänen vorgegeben ist, hin zu einem Freiraum für Schüler*innen. Diese sollten auch außerhalb der Institution lernen können, in Projekten arbeiten, sich selbst entdecken und erfahren und mit Eigenverantwortlichkeit, Selbstorganisation und Selbstkenntnis das passende Rüstzeug erhalten, um für das lebenslange Lernen in der Wissensgesellschaft vorbereitet zu sein. Die Lernenden sollten nicht für eine Zukunft lernen, die es nicht mehr geben wird, denn die genormte Wissensvermittlung bietet nicht mehr die Grundlage, sich den immer beschleunigenden Prozessen kompetent anzunehmen [2]. Die Kompetenz Unsicherheit auszuhalten und mit ihr umzugehen wird relevanter, denn die Zukunft ist weniger vorherzusehen und die Gesellschaft wandelt sich immer rasanter [2].

Die Art der Lehre im deutschen Bildungssystem

Betrachten wir jedoch die überwiegend in deutschen Schulen praktizierte Lehre, lässt sich erkennen, dass sich in vielen Schulen seit dem Kaiserreich wenig an der Art zu Lehren verändert hat. Frontalunterricht ist oftmals noch heute das bewährte Mittel, Inhalte zu vermitteln. Zusammen mit einem ausgeklügelten Stundenplan, der den Takt zwischen Mathe, Deutsch und Biologie in 45 Minuten Häppchen taktet. Der Lehrer erzählt, die Schüler*innen nehmen es auf (oder auch nicht) – das Arbeiten an Projekten ist ein besonderes Ereignis und die Digitalisierung besteht darin, dass einmal die Woche der einzige PC-Raum der Schule aufgesucht wird, um Informationen im World Wide Web über den Blauwal zu suchen [5]. So werden wir allerdings die Erwachsenen von morgen nicht mit allen Kompetenzen, die sie für die Anforderungen in der Zukunft benötigen, ausstatten können. Daher bietet der Diskurs über die Digitalisierung an deutschen Schulen eine große Chance, das gesamte deutsche Schulsystem noch einmal von Grund auf zu hinterfragen beispielsweise in Bezug auf Chancengleichheit, Zukunftsorientierung, Lehrer*innenausbildung oder Inklusion.

Betrachten wir die aktuelle Situation der Digitalisierung an Schulen, dann besteht oftmals der Irrglaube, dass die Übersetzung von analogen Lehrformaten ins digitale, zwangsläufig zu besseren Lernbedingungen führt [6]. So ergab der Pisa-Bericht 2015, dass durch den alleinigen Einsatz von Whiteboards oder Tablets kein unmittelbarer Lernerfolg zu verzeichnen war [7]. Ist das nicht bezeichnend für das deutsche Bildungssystem? An diesem Beispiel kann verdeutlicht werden, wie starr und unflexibel das Schulsystem auf die neuen Herausforderungen reagiert. Es kann nicht die Lösung sein, das alte System lediglich um digitale Endgeräte zu erweitern jedoch an den grundsätzlichen Strukturen und an der Art der Lehre keine Veränderungen vorzunehmen.

Was braucht es, um die Digitalisierung an Schulen zu ermöglichen?

Entscheidend für einen erfolgreichen Lernprozess mit digitalen Tools ist vor allem, wie die jeweiligen digitalen Geräte und Lernapps didaktisch vom jeweiligen Lehrpersonal eingesetzt werden, wie flexibel Lernangebote gestaltet- und wie flexibel auf neue Situationen eingegangen wird aber auch wie die Art und Weise des Lehrens vollzogen wird. Ist diese kooperativ, projektförmig, interaktiv oder wie zuvor bereits erwähnt, lehrerzentriert und frontal [7]?

Der Einsatz digitaler Endgeräte kann dazu führen, dass Lehrende zu Lernbegleitern werden, die ihre Schüler*innen individuell begleiten können und so eine Abkehr von Lehrerzentrierung und Frontalunterricht eingeleitet wird, denn diese Art der Lehre nimmt nicht jeden Lernenden individuell in den Blick (auch nicht wenn sie am Whiteboard durchgeführt wird). Es birgt die große Chance, die Lernenden ganz individuell zu fördern, im Hinblick auf das individuelle Vorwissen, die individuellen Fähigkeiten und in einem jeweils ganz eigenen Tempo.

Der Einsatz digitaler Geräte, Software und Apps kann einen personalisierten Unterricht ermöglichen und eine Abkehr vom engen Korsett der Schulfächer und Stundenpläne bereithalten. Durch E-Learning kann der Lernprozess sogar dezentral stattfinden, das heißt, es besteht ein enormes Potenzial Unterricht nicht nur in den institutionellen Räumlichkeiten stattfinden zu lassen, sondern Lernprozesse können an Orten vollzogen werden, an denen sich Lernende ganz individuell wohlfühlen. Dementsprechend kann Digitalisierung dazu führen, dass sowohl eine zeitliche als auch eine räumliche Entgrenzung des Lernens stattfinden kann und somit schulisches lernen in informellen Kontexten möglich wird.

Hier spielt die Erkenntnis eine erhebliche Rolle, dass das Lernen überwiegend nicht in institutionellen Settings wie der Schule stattfindet, sondern in Settings, die weder für Lernprozesse entwickelt noch wegen Lernzielen aufgesucht werden, also vorwiegend im Alltag gelernt wird [8]. Um diesen Prozess des informellen Lernens schulisch, institutionell zu begleiten, kann „Social Software“ zum Einsatz kommen. Diese Software ist dafür gedacht, Personen mit denselben Interessen zusammenzubringen, um sich anschließend über gemeinsame Inhalte, Themen, Bearbeitungen auszutauschen und diese gemeinsam zu erstellen [8]. Dabei steht die Selbstorganisation im Vordergrund, die Software ermöglicht soziale Rückkopplung in Form von Feedback, Informationen können miteinander verknüpft werden und Individuen lernen, auch in Gruppenkonstellationen zu kommunizieren [8].

Um die „Social Software“ für formale Bildungsarrangements tauglich zu machen, sollte eine gewisse Kontrolle der sozialen Kontakte und der besprochenen Inhalte möglich sein, sodass sich ein Lern-Management-System (LMS) anbietet, indem eine Registrierung den Zugriff auf die Plattform kontrolliert und die Lehrenden den Prozess der Bearbeitung verfolgen können. Hier könnte durchaus darüber nachgedacht werden, ein zentrales Lern-Management-System für alle Lernenden in Bildungsinstitutionen Deutschlands oder sogar europaweit anzubieten, sodass Lernende die Möglichkeit erhalten, weit über den persönlichen Adressatenkreis hinaus, mit anderen Lernenden zusammenzukommen und gemeinsam an Fragestellungen zu arbeiten, die von der Bildungsinstitution vorgegeben werden [8].

Was macht gute Lehre aus?

Um eine gute Lehre zu gewährleisten, braucht es vor allem gute Lehrer*innen, das stellte der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie heraus [7]. Die Lehrkräfte jedoch sind oftmals gar nicht für eine digitale Bildung ausgebildet und erfahren zu wenig Unterstützung bei der Vermittlung digitaler Themen [9] und der Aufbereitung digitaler Tools für einen individuellen Unterricht. So werden Medienkompetenzen, die vor allem aktuell Kinder und Jugendliche vor einem falschen Umgang im Internet schützen und sie kompetent machen, beispielsweise Fake News, Hate Speech, Cyber-Mobbing oder die Einflussnahme großer Konzerne im Internet zu erkennen, viel zu selten vermittelt und gelehrt. Es fehlt aber auch die Vermittlung von Programmierkenntnissen, das Wissen über Algorithmen von sozialen Medien, der Umgang mit eigenen und fremden Daten oder welche Berufsfelder es im Bereich digitaler Medien überhaupt gibt. Die Bereitstellung von Laptop, Tablet und Co. ist ein erster wichtiger Schritt, dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Pseudo-Digitalisierung vorliegt, wenn die Geräte nicht didaktisch richtig genutzt werden. Es braucht somit das passende Lehrpersonal, dass sowohl die technologische-, die anwendungsorientiere, und die gesellschaftlich- kulturelle Perspektive vermitteln kann [10]. und der klug kombiniert zwischen analogem und digitalem Lernen.

Lehrpersonen sollten über den Auftrag als Lernbegleiter an der Seite der Lernenden zu fungieren, auch die Lust am Entdecken fördern. Dazu brauchen Kinder Beziehungen [11]. Beziehungen zu Lehrenden und Beziehungen zu anderen Kindern- jünger oder älter, Kinder mit einem Handicap oder einem Migrationshintergrund. Dadurch wird Vielfalt gestärkt und gegenseitiges Verständnis von Andersartigkeit gefördert.

Bräuchte es bei dieser Art des Lernens und Lehrens denn überhaupt noch ein mehrgliedriges Schulsystem?

Die Digitalisierung bietet die Chance und Möglichkeit die traditionsbehaftete Organisationsstruktur der Schule aufzubrechen, die immer noch am veralteten Fließbandsystem der industriellen Massenproduktion hängt, um diverse und vielfältige Lerngruppen möglich zu machen, indem die Lernenden individuell begleitet und unterstützt werden und die Lehrenden Strukturen vorfinden, in denen sie eine heterogene Lerngruppe auch angemessen fördern und unterstützen können. Somit bildet die individuelle Förderung und die Entwicklung von Selbstorganisation die Grundlage, in immer agiler werdenden Arbeitskontexten mithalten zu können.

Kommunikation und Interaktion bilden wichtige Voraussetzungen, um eine individuelle Form des Lernens gestalten zu können. Durch Software wie das Lern-Management-System (LMS), können Vernetzungen sogar über den Adressatenkreis der eigenen Bildungsinstitution hinaus stattfinden und formales lernen auch im Alltag mit anderen Lernenden möglich werden. Das soll nicht bedeuten, dass es keine institutionellen Räumlichkeiten mehr gibt, in denen physische soziale Kontakte vorgefunden werden, sondern der Radius des Lernens wird erweitert.

Durch die Digitalisierung kann ein individueller Unterricht möglich gemacht werden und somit eine Abkehr vom noch vorherrschenden Frontalunterricht vollzogen werden. Das bedeutet jedoch auch, dass die Notwendigkeit eines mehrgliedrigen Schulsystems, das Chancenungleichheit befördert, überhaupt nicht mehr besteht, denn dieses legitimiert sich unter anderem dadurch, dass Frontalunterricht nur in homogenen Lerngruppen möglich ist, da Informationen und Wissen durch diese Art zu Lehren weniger individuell vermittelt werden kann. Das Ziel der Inklusion und die Erreichung von Bildungsgerechtigkeit kann durch die individuelle Förderung mithilfe der Digitalisierung maßgeblich vorangetrieben werden, denn das Argument, Schüler*innen in Schulformen selektieren zu müssen, wird hinfällig.  

Es ist bereits aus vielen Studien bekannt, dass das ökonomische und kulturelle Kapital der Eltern und der Bildungserfolg der Kinder korrelieren und die frühe Zuweisung von Schüler*innen auf unterschiedliche Schulformen und eine geringe Durchlässigkeit, soziale Herkunftseffekte verstärken [12]. Zudem erlernen Kinder aus sogenannten Risikomilieus deutlich weniger Medienkompetenz in ihren Herkunftsfamilien [13] als Kinder aus sozioökonomisch besser gestellten Familien. Das muss und sollte unser Bildungssystem ausgleichen, sonst werden Ungleichheiten in der Zukunft weiter verfestigt, indem Lernende aus sozioökonomisch schwächer gestellten Familien für die Arbeitswelt der Zukunft weitaus weniger gerüstet sein werden.  Selbstorganisation, Selbstkenntnis und Eigenverantwortlichkeit sind Kompetenzen, die in der Zukunft dringend gebraucht werden, um unter anderem auch die eigene Bildungsbiografie selbstgesteuert meistern zu können. Dafür braucht es jedoch handlungsfähige Akteure, die lernen wie sie sich Wissen aneignen und anwenden können. Der Einsatz von digitaler Technologie kann die Lernenden für die Welt von morgen vorbereiten, durch diese können vor allem sie individuell gefordert und gefördert werden. Die Möglichkeit, durch eine Veränderung der Lehre mithilfe der Digitalisierung, das bestehende mehrgliedrige Schulsystem aufzubrechen, würde einen enormen Beitrag dazu leisten, dass vor allem sozioökonomisch schwächer gestellte und Lernende aus bildungsfernen Milieus, die Möglichkeit erhalten, ihre Potenziale und Fähigkeiten ohne Einschränkungen durch die Schulform zu entwickeln und die sozialen Herkunftseffekte somit keinen so erheblichen Einfluss auf den Bildungserfolg mehr haben.

Ein individueller Unterricht mithilfe digitaler Tools ermöglicht es, Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichem sozioökonomischen Status, unterschiedlichen körperlichen und geistigen Voraussetzungen, nicht nur virtuell sondern auch real, im institutionellen Setting zusammenkommen zu lassen, sodass sie gegenseitig voneinander und miteinander lernen.

Durch die Digitalisierung kann somit die klassische Sender-Empfänger Situation zwischen Lehrenden und Lernenden verringert werden. Schlussendlich führt diese Lehre zu mehr Autonomie der Lernenden über den eigenen Lernprozess. Die digitale Lehre kann daher einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass Lernende die Kompetenzen und Fähigkeiten, wie Selbstorganisation aber auch Vernetzung mit unterschiedlichen Individuen, die für die Zukunft immer relevanter werden, erlernen können und somit handlungsfähig für die Welt von morgen werden.

Oder sollten wir noch „revolutionärer“ denken?- ein kleiner Impuls

Die Zukunft ist ungewiss, das wurde bereits herausgestellt und es macht wenig Sinn, Lernende für eine Welt auszubilden, die es gar nicht mehr geben wird. Wie wäre es, wenn Lernende selbst neue Lebensstile und Verhaltensweisen ausprobieren können, indem sie lernen einen Umgang mit Unsicherheit auszuhalten und die sich in Anbetracht der globalen Klimakrise an nachhaltigen Entwicklungen orientiert, wie an den 17 „Global Goals“, auf die sich die Weltgemeinschaft 2015 geeinigt hat [2]? Der Theaterpädagoge Ken Robinson schlägt vor, die Bildung von Grund auf zu revolutionieren, indem er acht »Cs« definiert, die Lernende entwickelt haben sollten, wenn sie die Schule verlassen.

[14] Die acht »Cs« der Schule der Zukunft (nach Ken Robinson)

Fazit

Schlussendlich lässt sich erkennen, dass der Diskurs über Digitalisierung in Schulen auch viele weitere Themenfelder eröffnet. Ist unser Schulsystem noch zeitgemäß? Wie müssen unsere Lehrer*innen ausgebildet werden, um ihren Schüler*innen die nötigen Kompetenzen für eine digitale Welt mitzugeben und wie muss lernen in Zukunft überhaupt gedacht werden? Wie können wir Chancengleichheit gewährleisten? Die vielen Fragen und Diskursfelder, die sich um die Digitalisierung eröffnen verdeutlichen, dass eine Digitalisierung an Schulen weitaus nicht vollzogen wurde, wenn WLAN und Tablets vorhanden sind, sondern das bestehende Strukturen, die Inhalte und die Art der Lehr-Lernprozesse radikal umgedacht werden müssen, um die Erwachsenen von morgen mit allem was sie für eine sich schnell verändernde Welt benötigen, auszustatten. Sehen wir den Diskurs über die Digitalisierung der Schulen also als Chance noch einmal neu zu denken und die bestehenden Strukturen aufzubrechen und das Schulsystem zu revolutionieren.  

Quellen

[1] Becker, Rolf (2014): Entwicklung des deutschen Bildungssystems im Überblick. In: Bundeszentrale für politische Bildung. Verfügbar über: https://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/194145/ueberblick (14.05.2020)

[2] Burow- Olaf-Axel (2019): Wie die digitale Revolution uns und die Schule verändert. Sieben revolutionäre Herausforderungen und ihre Bewältigung. In: ders. (Hrsg.): Schule digital- wie geht das? Wie die digitale Revolution uns und die Schule verändert. Beltz Verlag. Weinheim/ Basel- S. 12-61.

[3] Hopf, Wulf; Edelstein, Benjamin (2018): Chancengleichheit zwischen Anspruch und Wirklichkeit. In: Bundeszentrale für politische Bildung. Verfügbar über: https://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/174634/chancengleichheit (14.05.2020)

[4] Wissen ist keine Kompetenz (Video) verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?time_continue=965&v=6OZqtEgJ87c&feature=emb_logo (14.05.2020)

[5] Maxton-Küchenmeister, Jörg; Meßinger-Koppelt, Jenny (2014): Digitale Medien im Naturwissenschaftlichen Unterricht. Hamburg. Joachim Herz Stiftung Verlag.

[6] Hofhues, Sandra (2018): Eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung
Bildung im digitalen Wandel. Verfügbar über: https://www.goethe.de/de/spr/mag/dsk/21272715.html (14.05.2020)

[7] Kern, Stefan (2019): Digitaler Holzweg? Digitaltechnik stimuliert nur eindimensional, für die Entwicklung eines junges Gehirns ist das zu wenig- Lehrer müssen das berücksichtigen. Verfügbar über: https://www.rnz.de/panorama/magazin_artikel,-digitalisierung-an-schulen-digitaler-holzweg-_arid,481168.html (14.05.2020)

[8] Baumgartner, Peter (2008): Die zukünftige Bedeutung von Online-Lernen für lebenslanges Lernen. Verfügbar unter: https://portfolio.peter-baumgartner.net/files/pdf/2008/Baumgartner_Die%20zukuenftige%20Bedeutung%20von%20Online-Lernen_2008.pdf (09.06.2020).

[9] Bergner, Nadine (2017): Digitale Bildung in der Schule – die Lehrkräfte sind der Schlüssel. Material- und Fortbildungsangebote zum Thema digitales Lernen. In: Medienpädagogik. 28. S. 123-132.

[10] Lucks, Kai (2020): Der Wettlauf um die Digitalisierung. Potenziale und Hürden in Industrie, Gesellschaft und Verwaltung. Stuttgart. Schäffer-Poeschel Verlag.

[11] Wie wir lernen (Video) verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=cVOwIRv0Fs0&feature=emb_logo (14.05.2020)

[12] Krüger, Heinz-Hermann; Rabe-Kleberg, Ursula; Kramer, Rolf-Torsten; Budde, Jürgen (2010): Bildungsungleichheit revisited? – eine Einleitung. In: dies.: Bildungsungleichheit revisited. Bildung und soziale Ungleichheit vom Kindergarten bis zur Hochschule. 2. Aufl.. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 7-24.

[13] Paus-Hasebrink, Ingrid; Bichler, Michelle (unter Mitarbeit von Wijnen, Christine) (2008): Mediensozialisationsforschung. Theoretische Fundierung und Fallbeispiel sozial benachteiligter Kinder. Innsbruck,Wien, Bozen. Studien Verlag.

[14] Robinson Ken; Aronica Lou (2015): Creative Schools. Revolutionizing Education from the Ground Up. Penguin Random House UK.

Lernen braucht Management

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Selbstorganisation ist Voraussetzung für Onlinelehre!

Das Sommersemester hat für alle eine Form angenommen, mit der keiner gerechnet hat. „Lernen“ nimmt in Zeiten von Corona eine neue Form an vor allem im Bereich des digitalen Lernens. Hochschulen und Universitäten deutschland – ja sogar weltweit – machen jetzt Onlinelehre. Aber wie funktioniert Onlinelehre eigentlich? Sind wir bereit für die digitale Transformation der Hochschullehre? Ich möchte gerne in diesem Beitrag das Thema Selbstorganisation und Lernen im digitalen Kontext aufgreifen, da diese die Onlinelehre maßgeblich beeinflussen kann.  

Ich möchte behaupten, dass digitales Lernen ein erhöhtes Maß an Selbstorganisation und Selbstdisziplin erfordert. Dabei möchte ich keinen Falls bestreiten, dass Selbstorganisation im Präsenzstudium keine Rolle spielt. Aber gerade die vielen Möglichkeiten der Onlinelehre fordern dies eben in ungewohntem Maß. Das Überschreiten von Orts- und Zeitgrenzen, der uneingeschränkte Zugriff auf Informationen sowie eine synchrone und asynchrone Kommunikation sind die Merkmale des Internets, welche jetzt auch in der Hochschullehre besonders erlebbar werden. Reimann geht davon aus, dass durch das Internet nicht nur physische Grenzen überwunden werden, sondern auch inhaltliche, soziale und persönliche. Dies ist wohl nichts Bahnbrechendes oder Unbekanntes im Jahr 2020, jedoch gewinnt es an Relevanz für die Studierenden. Diese Relevanz möchte ich an dieser Stelle mit einem Zitat von Gabi Reimann verdeutlichen. „Wenn die offene Entwicklung von Lern- und Bildungsinhalten, wenn Kollaboration und Netzwerkbildung sowie autonome Selbstartikulation und Persönlichkeitsentfaltung zu den zentralen Potenzialen des Web 2.0 zählen, muss man beim Web-Nutzer geradezu zwangsläufig von einer hohen Selbstorganisation und der Fähigkeit zum selbstorganisierten Lernen ausgehen: Nur dann nämlich können diese Potenziale auch genutzt werden.“ (Reimann 2009). Betrachtet man den aktuellen humboldtschen Bildungsbegriff, lassen sich doch einige Gemeinsamkeiten erkennen. Humboldt beschreibt die Universität als Ort der Hervorbringung von autonomen Individuen und Weltbürgern. Dabei betont er ebenso den Prozess des sich selbst hervorbringen. Bildung kann dabei nicht vermittelt werden sondern wird durch sich selbst vollzogen (vgl. Hofman 2010).  

Stehen Bildung und Selbstorganisation somit in einer wechselseitigen Beziehung und bedingen sich. Dazu möchte ich die Begrifflichkeiten Selbstorganisation und selbstorganisiertes Lernen genauer beleuchten. Selbstorganisation beschreibt allgemein die Entstehung und Herstellung von Ordnung (vgl. Reimann 2009, 3). Matthias Förtsch bezieht sich in einem Beitrag zu digitaler Hochschullehre auf die Definition von Selbstmanagement auf Dirscherl und Braumandl, welche Selbstmanagement als Fähigkeit sehen, persönliche Ziele und Werte in Einklang zu bringen, selbstgeatzte Ziele zu erreichen und Zufriedenheit erfahren (vgl. Förtsch nach Drischerl und Braumandl 2020, o.S.). Dabei ist es wichtig zu fragen, wie diese Ordnung entsteht oder hergestellt wird – nämlich auf organischer Ebene, auf personaler Ebene oder auf sozialer Ebene. Die organische Ebene meint damit den Prozess der Selbsterschaffung und -erhaltung, die personale Ebene bezieht sich auf eigene Ziele und Absichten und die Soziale Ebene die Organisation von Gruppen oder Gesellschaften (vgl. Reimann 2009, 3). 

„Geht es um Selbstorganisation im Web 2.0, hat man in der Regel sowohl die Person als auch soziale Einheiten im Blick“ (Reinmann 2009).

Dabei handelt es ich um nicht von Personen intendierten Entstehungen von Ordnung und der selbstbestimmten Herstellung von Ordnung. Schaut man sich die personale Ebene genauer an, lässt sich Selbstorganisation auf der personalen Ebene und auch selbstorganisiertes Lernen noch genauer differenzieren. Reimann versteht unter Selbstorganisation auf personaler Ebene „einen handlungsregulierten Prozess innerhalb der Person, die allerdings stets auch Teil einer von äußeren Einflüssen gesteuerten spezifischen Situation ist.“ (Reimann 2009). 

Selbstreguliertes Lernen

Lernen ist eine Handlung und somit selbstreguliert. Dabei müssen Informationen aus der Umwelt wahrgenommen, verarbeitet und verstanden werden, wobei es sich um die kognitive Kontrolle von Lernen handelt. Die metakognitive ebene beinhaltetet die Zielvorstellung, dessen Erreichbarkeit und Prozessorientierung. Eine der wohl wichtigsten Einflüsse ist die Motivation. Dabei müssen wir unsere Emotionen so regulieren, dass wir bereit sind zu lernen. Dies passiert durch die emotional-motivationale Emotion (vgl. Reimann 2009, 4). 

„Selbstregulation beschreibt demnach die innere Strukturierung des Lernens bzw. eine innere und damit unsichtbare Ordnung, ohne die kein Lernen möglich wäre.“ (Reimann 2009)

Die Selbstregulation ist somit die Grundvoraussetzung, dass Lernen überhaupt stattfinden kann. Tatsächlich haben wir damit als Studierende täglich zu tun, egal ob in der analogen oder digitalen Lehre. Nach meinem Empfinden ist die Selbstregulation gekoppelt an einen Besuch der Vorlesung oder des Seminars in der Hochschule besser zu regulieren wie im Homeoffice. Wieso das so ist, kann uns vielleicht der nächste Abschnitt sagen, wo es nun um selbstgesteuertes Lernen geht. 

Selbstgesteuertes Lernen 

Dem Wort Steuerung kann man bereits entnehmen, dass Lernen durch unterschiedliche Faktoren gelenkt werden kann. „Selbststeuerung beschreibt also die äußere Strukturierung des Lernens bzw. eine äußere, prinzipiell sichtbare Ordnung, die natürlich wieder Einfluss auf die innere Ordnung, die Selbstregulation, nehmen kann.“ (ebd.) Der Selbststeuerungsanteil wird durch Lehrende bereits vorstrukturiert und er fällt somit unterschiedlich groß aus. Zu Beginn der Onlinelehre war unser Selbststeuerungsanteil noch ziemlich hoch, was uns zeitweise auch überfordert hat oder es immer noch tut. Dabei ist die Gestaltung der Lernumgebung, aktuell Moodle, sehr ausschlaggebend für die Motivation. 

Selbstbestimmtes Lernen

Selbstbestimmtes Lernen findet nun statt, wenn die beiden genannten inneren und äußeren Strukturierungen miteinander vereint werden. Es geht also darum Anforderungen in das Selbst zu integrieren und damit zu identifizieren „und sich in der Folge autonom“ (Reimann 2009) zu fühlen. 

Reimann warnt auch davor, dass Menschen nicht in jeder Situation ein Optimum an Selbstorganisation erreichen können. Sie ist abhängig vom Willen zur Selbstorganisation. So sollte man zum einen Interesse am Lerngegenstand haben und zum anderen Vorwissen und grundlegende Fähigkeiten in der Selbststeuerung innerhalb einer Lernumgebung vorweisen können. Selbstorganisation im Sinne der Selbstbestimmung ist ein politisches Ziel der Demokratie sowie die Organisationsbasis in Unternehmen (vgl. Reimann 2009, 7ff.).

Für uns bedeutet das nun, dass wir selbst für unser Lernen verantwortlich sind. Wieso genau, dass im Rahmen der Onlinelehre so bedeutend für uns wird, bleibt offen. Trotzdem kann ich die verschiedenen Arten von Selbstregulation, Selbststeuerung und Selbstbestimmung von Lernen für mich aktuell als elementare Bestandteile der Onlinelehre identifizieren. Studium findet jetzt nicht mehr nach Stundenplan statt, sondern auf verschiedene Art und Weise: Hier eine Onlinevorlesung, da ein Blogeintrag und dort eine Gruppenarbeit. Da muss man sich seinen Wochenplan jeden Sonntag erst einmal selbst zusammenstellen. Mein Lernprozess muss gerade in außergewöhnlichem Maß selbstreguliert sowie selbstgesteuert werden. Onlineveranstaltungen sind beispielsweise nicht regelmäßig, mal werden sie ersetzt durch Wochenaufgaben die virtuell stattfinden oder es gibt PowerPoint Präsentationen mit Audios. Die Aufgaben müssen dann zu bestimmten Zeitpunkten erledigt sein oder hochgeladen werden. Und dazwischen müssen noch Zoom – Meetings für Gruppenarbeiten ihren Platz finden. Frötsch geht davon aus, dass ein erfolgreiches Selbstmanagement von funktionierenden Planungs- Organisations-, Motivation- und Zielprozessen abhängt. Erfolgreiches digitales Lernen ist demnach die selbstständige Organisation der Lernzeit, eine bewusste Gestaltung von Lern- und Arbeitsprozess und das Verfügen über motivatonale Strategien (vgl. Förtsch 2020, o.S.). „So muss etwa die Herausforderung der Trennung zwischen Fokussierung (…) und Prokrastination systematisch eingeübt werden (…). Denn nur wer wenige Klicks von der digitalen Lernplattform oder der Videokonferenz entfernt warten Angebote wie Netflix oder Tiktok.“ (Förtsch 2020, o.S.). 

Aus der Erfahrung heraus, kann ich sagen, dass digitales Lernen gut organisiert sein muss. Das gilt für meine Selbstorganisation als Studierende und auch die Organisation durch die Lehrenden. Dabei sind die Struktur und die Darstellung auf der Plattform enorm wichtig, um die internistische Motivation und somit Selbststeuerung und -regulation zu fördern. Erste Ergebnisse einer Studie zur Transformation von Lernprozessen zeigt, dass auf beiden Seiten noch Ungewissheiten auftreten. „Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Transformation des Lehrprozesses viele Gewissheiten auf Seiten der Lehrenden, Studierenden und Mitarbeitenden in Frage stellt. Gerade die Frage, wie Lehrprozesse online komplett neu gedacht werden müssen, spielt dabei eine große Rolle.“ (EBS Universität 2020). Auch Förtsch warnt davor, dass gelungenes Selbstmanagement bei Studierenden keine Selbstverständlichkeit ist (vgl. Förtsch 2020, o.S.). 

So stehen die Fremd- und die Selbstregulation in einer wechselseitigen Beziehung. Trotz der erhöhten Anforderungen sich Lerninhalte selbst anzueignen, sind Studierende auf die Steuerung und den Input ihrer Lehrenden angewiesen. Dazu ist es wichtig selbsterlernte Inhalte in Diskussionen nochmals in Kontexte zu setzten und zu reflektieren. Die Erfahrung zeigt, dass viele selbsterlernte Themen anschließend in der Luft hängen. Dabei wird ersichtlich, dass wir auf die Fremdsteuerung also auf die äußere Strukturierung trotzdem angewiesen sind. Generell verändert sich nicht nur die Rolle der Studierenden, sondern auch die der Lehrenden. Gerade der Input, das Zusammenbringen von Inhalten sowie eine gewisse Expert*innenperspektive fehlt immer wieder.

Reimann unterscheidet in Bezug auf selbstorganisiertes Lernen im Web 2.0 zwischen einer Innen- oder Außenperspektive. Dabei geht es bei der Innenperspektive um mentale Vorgänge wie etwa Lernstrategien und bei der Außensicht welche Bedingungen die Entscheidungs- und Gestaltungsfrage beeinflussen (vgl. Reimann 2009, 5). 

Zusammenfassend beschreibt Reimann die Voraussetzungen des Web 2.0 als Grenzen. Die Selbstregulation ist die Grundlage allen Lernens und es ist nicht davon auszugehen, „dass ein emanzipatorischer Ruck durch die Lernenden geht, sobald sie ein von Fremdbestimmung freies Web 2.0 zur Verfügung haben“ (Reimann 2009). Selbstorganisation setzt kognitive Fähigkeiten, Vorwissen, Interesse, Wille und Strategien voraus und stellt somit eine Herausforderung für jeden Einzelnen dar. Selbstorganisation im Web 2.0 ist notwendig und wünschenswert (ebd.).

Bei meiner Recherche bin ich noch auf einen Blogbeitrag gestoßen, welcher Selbstorganisation im Rahmen der Digitalisierung in einem Unternehmen erwähnt. Der Autor erwähnt, dass die Notwendigkeit von Selbstorganisation der Mitarbeitenden zunimmt. Dabei erwähnt er, dass sich Mitarbeitende besonders in orts- und zeitflexibler Arbeit besser organisieren müssen. Diese Selbstorganisation findet heute auf einer Plattform statt (vgl. Lindner 2017, o.S.). Ein anderer Blogbeitrag widmet sich sogar der Selbstverantwortung und Selbstorganisation im Kontext des digitalen Lernens. Die Autorin geht davon aus, dass sowohl Selbstverantwortung als auch Selbstorganisation Grundvoraussetzungen für das Lernen im digitalen Zeitalter sind. Sie sieht den Mensch als Treiber seines eigenen Lernens und beschreibt die Motivation als eine Andere. Lernen ist mehr intrinsisch motiviert und somit nachhaltig. Voraussetzung dafür ist die Selbstorganisationsfähigkeit, denn nur wer dich selbst strukturieren kann, hat die Möglichkeit sich im digitalen Zeitalter erfolgreich zu entwickeln (vgl. Kirchhof 2019, o.S.). 

Deshalb möchte ich abschließend den Gedanken aufgreifen, dass die Selbstorganisation von Lernen im digitalen Setting eine große Verantwortung ist, jedoch extrem viel individuellen Gestaltungsspielraum lässt und somit eine Chance für jeden von uns sein kann. Wenn Selbstregulation und -steuerung im Einklang sind, kann wie Reimann sagt ein selbstbestimmtes Lernen stattfinden. Digitales Lernen fordert und fördert selbstbestimmtes Lernen! Und das ist doch unser Ziel von Bildung?! 

Obwohl wir uns schnell an die neue Situation gewöhnt haben, ist damit die digitale Transformation noch nicht abgeschlossen, vielmehr beginnt sie gerade erst. Eine Studie der EBS Universität versucht Einblicke in die Transformationsprozesse zu erhalten, um herauszufinden wie Bildungseinrichtungen die digitale Transformation aktuell bewältigen können. Vielleicht kommt die Studie auch zu Ergebnissen, welche unsere Erfahrung belegen können.

Quellen:

Digitalisierung der Lehre falsch gedacht!

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Unter Digitalisierung wird meist nur die technische Ausstattung, wie das technische Endgerät, Softwares oder Applikationen verstanden. Der neuen „Lernaufgabe“ bzw. der Wissens- und Informationstransfer zum Lernenden wird jedoch in Digitalpakts oder in Digitalisierungsstrategien meist nicht bedacht. So entsteht eine Lücke zwischen dem Lernenden und dem zu lernenden Inhalt, welche durch die reine technische Ausstattung nicht geschlossen werden kann. Durch die Corona-Pandemie wurde auch nochmal deutlich, dass die Lehrkräfte, Dozenten oder Professoren die neue digitale Lehre noch nicht so gut beherrschen. Fraglich ist somit, ob die Digitalpakts- und Strategien den digitalen Lernprozess überhaupt umfasst.

Die Bunderegierung veröffentlichte 2019 ihre Umsetzungsstrategie zur Digitalisierung [1]. Dabei gliedern sie in folgende Abschnitte:

Digitale Kompetenz, Infrastruktur und Ausstattung, Innovation und digitale Transformation, Gesellschaft im digitalen Wandel, Moderner Staat. Es gibt eine klare Vorstellung davon, wie Technik unser Leben mitgestalten soll. Auch im Hinblick, dass unsere Welt immer mehr zu BigData wird und ums zu behaupten, müssen wir unbedingt mithalten und Kompetenzen erwerben. Und zwar jeder, ganz im Sinne von Industrie 4.0. Wir müssen ja mithalten und hecheln mit Windows 98 in den Schulen hinterher. Schnell schnell: es werden Gelder zur Verfügung gestellt, paar Tablets beschafft und das ein oder andere Whiteboard ins Klassenzimmer geschraubt und ganz groß natürlich die politische medienwirksame Karte gezogen. Das Bayerische Kultusministerium verkündet endlich: Es werden Medienkonzepte erarbeitet (im Schuljahr 2018/2019)- Guten Morgen Bayern! Da lacht sich der 10-jährige Schüler aus Estlands ins Fäustchen, denn Programmieren kann er schon seit der 3. Klasse! [2].

Doch was bedeutet es wirklich „digital natives“ „großzuziehen“, was bedeutet digitales Lernen, wie sollte es gestaltet sein? Was macht gutes Lernen/ gute Bildung aus? Und jetzt auch noch digital?

Digitales Lernen ist nicht einheitlich definiert und wird vielmehr als ein Überbegriff für Methoden des nicht analogen- also elektronischen Lernprozesses herangezogen [3]. Hierbei muss aber zuerst die Grundlage des Lernprozesses verstanden werden, was Veritasium in seinem Video verdeutlicht – nämlich, dass es vor allem auf die Soziokultur des Lernens ankommt! Dies bedeutet, dass es für einen erfolgreichen Lernprozess eine (oft beschriebene positive und wertschätzende) Beziehung zwischen den Lehrenden und Lernenden geben sollte. Deutlich wird auch, dass die Technik hierbei erstmal nur eine Nebenrolle der Ausgestaltung spielt- sie soll nicht als technische Determinante verstanden werden [4]. Hinzu kommt dann, und da sind sich die Pädagogen und Neurowissenschaftler schon länger einig, dass ein erfolgreicher Lernprozess abhängig von der Bedeutung und der Sinnhaftigkeit des Lernenden ist [5]. Dieses Grundverständnis sollte als Basis herangenommen werden, um digitales Lernen weiter auszugestalten!

„Keine IT-Ausstattung ohne pädagogisches Konzept!“

Und genau hier liegt der Knackpunkt der bisherigen politischen digitalen Umsetzungsstrategien und Digitalpakts. Sie beachten nicht die eigentlichen notwendigen Lernprozesse der Lernenden, sondern es wird versucht Technik über den jetzigen Stand drüberzustülpen. Und genau das führt zu keinem erfolgreichen nachhaltigen digitalen Lernen! [6]. Auch unsere Kohorte des Masterstudiengangs GWT hat eigene Erfahrungen gemacht, wodurch uns Studierenden nochmal klar wurde, welcher großer Bedarf der Klärung des digitalen Lernens und digitaler Bildung besteht und wie viel Forschung zum Thema Lernprozesse des Gehirns bei digitaler Lehre notwendig ist. Eines stellte sich schnell heraus, es gibt keine goldene Methode oder Regel wie digitales Lernen auszusehen hat, sondern es lebt von der Kreativität der Methoden und der Technik, die man aber zulassen muss. Unsere Kohorte GWT konnte mit diesem Blogbeitrag einen solchen kreativen Lernprozess ausprobieren.

Die Telekom-Stiftung hat in ihrer Studie nochmals die Bedeutung der Lernprozesse herausgearbeitet und zitiert Prof. Schuster: „Keine IT-Ausstattung ohne pädagogisches Konzept“ [7]. Die Forderung des Digitalisierungspaktes und sonstige Maßnahmen sollten sich unter anderem auf den Lernprozess fokussieren und wie dieser digital Umgesetzt werden kann – denn auch wenn die Forderung nach einem „schnellen“ Aufholen im Raum steht, sollte es sinnvoll nachgeholt werden und nicht hektisch mal schnell Windows 10 installieren.

Quellen

[1]https://www.bildung-forschung.digital/de/digitalisierungsstrategie-der-bundesregierung-2529.html
[2] https://www.youtube.com/watch?time_continue=12&v=uVLUY6ydFNQ&feature=emb_title
[3] https://wiki.zum.de/wiki/Digitales_Lernen
[4] https://www.youtube.com/watch?v=GEmuEWjHr5c
[5] https://www.alexander-klier.net/bildung-und-die-digitale-transformation-des-lernens-sose-2020/ PPP- Folie 10
[6]https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/245316/meinung-lernen-in-der-digitalen-gesellschaft
[7] https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/schuledigital_2015_web.pdf S. 7

Beitragsbild: PublicDomainPictures – baby-84626 auf Pixabay. Freie Verwendung unter den Bedingungen von Pixabay.

Digitalisierung als Rettung der Bildung?

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Ungleichheit im Bildungswesen

In vielen Erhebungen wurde aufgedeckt, und das nicht erst seit den Pisa-Studien, dass Ungleichheiten durch das Schulsystem in Deutschland vergrößert werden. Diese ungleichen Startvoraussetzungen wirken sich wiederum auf den persönlichen Bildungs- und Ausbildungsweg der Kinder und Jugendlichen aus und dadurch auch auf deren gesamte Zukunft. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, die Ungleichheiten zu erforschen und Wege für mehr Bildungsgerechtigkeit zu finden.

Diese Bildungsungleichheit muss dabei stets von zwei Seiten betrachten werden: zum einen die Situation der Lernenden und zum anderen die der Lehrenden. Die Lernenden (Kinder, Jugendliche oder Erwachsene) weißen unterschiedliche Lebenssituationen und Kapitalausstattungen auf, was sich immens auf das Lernverhalten auswirken kann. Auf der anderen Seite ist das Bildungssystem sehr starr und es gibt nur wenige Möglichkeiten der individuellen Förderung, auch aufgrund des festen Lehrplans. Außerdem sind Schulen finanziell und materiell häufig eher schlecht ausgestattet und teilweise besteht darüber hinaus ein Mangel an Lehrpersonal.

Weiterhin kann die Frage gestellt werden, inwieweit das Lehramtsstudium inhaltlich und pädagogisch an die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen angepasst wurde. Betrachtet man die Gestaltung des Unterrichts, sowohl in der Schule als auch in den weiterführenden Bildungsmöglichkeiten wie bspw. Hochschulen, hat sich vom Ablauf nicht viel verändert und die Vermittlung von Inhalten findet nach wie vor eher frontal statt. Lediglich die Medien haben sich im Laufe der Zeit stark verändert, können aber oft nur zum Teil angewendet werden, da es entweder an Kompetenzen mangelt oder auch an der Ausstattung der Bildungsstätten. Im Gegensatz zu Lehrer*innen erhalten Professor*innen keine Ausbildung oder Weiterbildung im Aufbau und Aufbereitung von Lehrmaterialien. Hier stellt sich auch die Frage, ob eine kurze Einführung oder Weiterbildung vorteilhaft für die Qualität der Hochschul- oder Universitätslehre wäre.

Digitalisierung als Chance

Im Bericht ‚Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft‘ der Bundesregierung für Bildung und Forschung wird die Digitalisierung als Chance gesehen, diesen Unterschieden zu begegnen und Lücken zu schließen. Das Ziel der digitalen Bildung unterscheidet sich kaum von dem des bisherigen Bildungsbegriffs:

„Sie soll den Menschen helfen, sich als selbstbestimmte Persönlichkeit in einer sich beständig verändernden Gesellschaft zurechtzufinden und verantwortungsvoll ihre eigenen Lebensentwürfe zu verfolgen“ .

(Bundesregierung für Bildung und Forschung 2019, S. 2)

Dies sei auch nötig, um in Zukunft auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Hierfür muss das Lernen und das Lehren neu gestaltet werden, damit Heranwachsende einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien lernen. Als Antwort auf Herausforderungen wird hier die bedarfsorientierte Differenzierung und Vielfalt gesehen. Zentral sind dabei die Vermittlung von digitalen Kompetenzen und das Lernen mit digitalen Medien. Das digitale Bildungsangebot hat weiterhin die Chance, dass flexibel, zeit- und ortsunabhängig gelernt werden kann und erleichtert so individualisiertes und kooperatives Lernen. Dies wird durch digitale Bildungsangebote wie Lern-Apps, online Nachhilfe oder massive open online Courses weiter unterstützt. Dies alles kann als Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit gesehen werden.

Diese Ziele müssen dabei auf das ganze Bildungswesen angewendet werden, also auch auf Hochschulen und Universitäten. Große Unterschiede ergeben sich hier vor allem bei der Lebenssituation, da Studierende häufig nicht mehr im familiären Unterstützungsumfeld leben, sondern sich selbstständig versorgen müssen. Eine große Rolle spielt hier die finanzielle Lage, da viele neben dem Vollzeitstudium noch berufstätig sind bzw. auch sein müssen. Das Ziel des flexiblen und individuellen Lernens würde dabei auch die Vereinbarkeit von Studium und Berufstätigkeit verbessern. Aufbereitete Inhalte, die zeit- und ortsunabhängig bearbeitet werden könne, sind nicht nur für Studierende hilfreich, sondern auch für Lehrende. Diese können sich zum Teil weite Pendelstrecken ersparen und auch an mehreren Hochschulen zu genau ihrem Thema unterrichten bzw. die Inhalte für mehr Studierende anbieten als in einer direkten Vorlesung.

Rolle von Lehrenden

Aber nicht nur die Lernprozesse oder -methoden ändern sich, sondern auch die Rollen und Erwartungen auf beiden Seiten. Lernende können selber mitwirken, wie schnell und wo sie lernen und haben dadurch mehr Einflussmöglichkeiten. Auf der anderen Seite sind die Lehrenden nicht nur Bildungsvermittler*innen, sondern begleiten die Lernprozesse der Lernenden. Dieses andere Rollenbild wurde auch im TED Talk mit Michael Bodekaer thematisiert. In Simulationen als Lehrmethode sieht er die Lehrkräfte immer noch als elementar an, aber vielmehr als Begleiter*innen und Unterstützer*innen. In dieser Kombination können enorme Lernfortschritte gefördert werden.

Grenzen der Digitalisierung

Das alles hört sich grundsätzlich sehr gut an. Die Frage ist, inwieweit diese Strategien oder Ziele bereits umgesetzt werden bzw. auch werden können. Durch die Corona-Pandemie wurde dieser Prozess stark vorangetrieben und könnte als erste Probephase des digitalen Lernens angesehen werden. Schnell wird hier klar, dass die digitale Infrastruktur noch nicht ausreichend ausgebaut ist. Lehrende wurden bisher noch nicht ausreichend für die neuen Medien und Tools qualifiziert, auch nicht im Rahmen von Corona. Angebote mussten durch die Pandemie zeitnah erstellt werde, die teilweise schnell überlastet und nicht mehr nutzbar waren. Außerdem sind die Bildungsstätten oft nicht ausreichend mit angemessenen Equipment ausgestattet. Und das sind lediglich die Herausforderungen auf der schulischen Seite.

Auf der anderen Seite sind die Lernenden und ihre Familien zu betrachten. Abgesehen vom Netzausbau müssen die Lernenden erst einmal über passende Endgeräte verfügen und damit sind nicht nur aktuelle, sondern auch kompatible Geräte gemeint. Hinzu kommt, dass der Lernplatz nun nach Hause verschoben wurde und dort ein angemessener Lernort und -atmosphäre geschaffen werden muss. Dies kann in kleinen Wohnungen bzw. bei großen Familien, in Wohngemeinschaften oder Wohnheimen eine Schwierigkeit darstellen. Außerdem fehlen der direkte Austausch bzw. die Möglichkeiten des Erklärens und die Eltern oder andere Vertrauenspersonen müssen diese Aufgabe übernehmen, wofür sie zunächst über ausreichend Zeit und Wissen verfügen müssen. In diesem Lernzeiten müssen die Kinder und Jugendlichen darüber hinaus betreut werden, was sich zum Teil nur schwer mit Arbeitszeiten vereinbaren lässt. Auf der anderen Seite sind auch Studierende berufstätig und müssen sich die Zeit passend einteilen.

Fazit

Mit dem aktuellen Stand der Digitalisierung der Bildung kann noch keine klare Antwort auf die Frage gegeben werden, ob Digitalisierung die Rettung der Bildung ist bzw. sein könnte. Hier befinden wir uns gerade noch in den ersten Schritten und die genaue Ausrichtung wurde noch nicht klar vorgegeben oder erstellt. Dies zeigt sich vor allem auch jetzt während der Corona-Pandemie. Die Schulen sind noch einmal weniger als die Hochschule auf eine online Lehre vorbereitet. Tools müssen erst erstellt und der Lehrplan bzw. die Inhalte müssen angepasst werden.

Auf der anderen Seite sind einige Lernende nicht mit funktionsfähigem Internet oder passenden Endgeräten ausgestattet. Dies führt dazu, dass Lehrkräfte die Bildungseinheiten zum Teil per Post schicken müssen oder Hausbesuche als notwendig erachtet werden. Sind diese Rahmenbedingungen nicht geklärt bzw. werden diese nicht weiter ausgebaut, führt die Digitalisierung zu einer noch größeren Ungleichheit und verfehlt das Ziel der Bildungsgerechtigkeit. Dass es aber auch anders gehen kann, zeigt Dänemark. Hier wurden viele Lernenden mit einem mobilen Endgerät ausgestattet, damit digitale Bildung für alle Kinder und Jugendlichen ermöglicht werden kann.

Für eine erfolgreiche digitale Bildung müssen aber auch die Lehrinhalte an die neuen Medien angepasst werden. Bisher geplante Inhalte können deswegen nicht eins zu eins aufgenommen und als digitale Bildung verkauft werden. Aufgenommene Vorträge oder kommentierte Folien bilden keinen ausreichenden Ersatz für bisherige Lehrmöglichkeiten, in denen ein direkter Austausch und Interaktion möglich ist. Hierfür müssen passende Tools entwickelt und sowohl die Lernenden als auch die Lernenden in der Handhabung dieser geschult werden. Beide Seiten müssen sich hierfür ausreichend strukturieren und offen aufeinander zugehen, damit gelingendes Lernen funktionieren kann. Auch muss auf beiden Seiten die Bereitschaft vorhanden sein, sich mit neuen Methoden und Möglichkeiten auseinanderzusetzen und sich gegenseitig Zeit und Rückmeldung für Anpassungen zu geben.

Werden die jetzigen Erfahrungen genutzt und die Strukturen angepasst bzw. verbessert, dann stellt die Digitalisierung eine riesen Möglichkeit dar, den Bildungsweg gerechter zu gestalten, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen, Ungleichheiten entgegenzuwirken und bei der Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen mitzuwirken.  

Quellen

Textnachweis

Bildnachweis

Inverted classroom

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Inverted classroom – eine erprobte „Möglichkeit“ der online-Lehre.

Bildnachweis: Piacquadio, Adrea (2020). Pexels.com: 3799830. Verfügbar über:
https://www.pexels.com/de-de/foto/fashion-mann-menschen-laptop-3799830/ (Letzter Zugriff: 10.07.2020)
Bildnachweis: cottonbro (2020): Pexels.com: 3952232
https://www.pexels.com/de-de/foto/holz-hand-schild-schreiben-3952232/ (Letzter Zugriff: 10.07.2020)

Inverted Classroom

Lehre in Zeiten von Corona, stellt für Lehrende und Studenten eine Herausforderung dar, weil die vorherrschende Präsenzlehre kurzfristig durch online-Lehre ersetzt werden musste. Die online-Lehre wird zwar schon seit geraumer Zeit eingesetzt, aber nicht in dieser Intensität wie sie derzeit während der Corona-Pandemie zum tragen kommt. Erfahrungen die in der Vergangenheit mit der online-Lehre gemacht werden konnten, stehen nun zur Verfügung. Diese Erfahrungen spiegeln sich z.B. in der Methode des Inverted Classroom wieder.
Jürgen Handke, Professor für Anglistik und Linguistik an der Philipps-Universität Marburg, Jörn Loviscach von der FH Bielefeld und Christian Spannagel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, arbeiten seit 2012 an der Inverted Classroom Methode (ICM).
Inverted Classrooms (ICM) wird auch als umgedrehtes Klassenzimmer bezeichnet. Diese Lehrmethode basiert auf zwei Schritten:

  • im ersten Schritt erfolgt die digitale Vorbereitung auf den Unterrichtsstoff der dann
  • im zweiten Schritt in Präsenzsitzungen vertieft wird.

Die Lehr- u. Lernaktivitäten werden somit auf einer Zeitachse verschoben, wobei vorher die zentrale Aktivität der Inhaltsvermittlung und Inhaltser-schließung stattfindet. Danach treffen sich Dozentinnen/ Dozenten und Studentinnen/ Studenten im Hörsaal und vertieft das Wissen. In diesen Präsenzsitzungen kommt es bei den Teilnehmern zur Vertiefung des Wissens. Das ergibt ein sehr kreatives, interaktives Szenario indem die Professorin und der Professor Teil des Publikums ist. Die Erfahrung zeigt, das sowohl Studentinnen und Studenten als auch das Lehrpersonal von dieser Vorgehensweise profitieren. Über den gegenseitigen Austausch wird so ein wertvolles Archiv des Wissens geschaffen. Die Methode des Inverted Classroom stellt eine interessante und lebendige Lehrmethode für Universitäten und Schulen dar.


Anzuhören ist das gesamte Interview zu Inverted classroom unter: https://forschergeist.de/podcast/fg022-hochschullehre-digital/

Literaturnachweis:

Ermöglicht die Nutzung digitaler Bildung mehr Autonomie?

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Der Begriff Bildung

Wenn man sich mit dem Begriff der digitalen Bildung beschäftigt, muss klargestellt werden, über welchen Sachverhalt konkret geredet wird. Für den Begriff der Bildung gibt es eine Unmenge an Definitionen beziehungsweise Denkrichtungen. Die mir bekannteste Einteilung ist die in informelle und formelle Bildung. Formelle Bildung stellt dabei alles dar, was mit der Absicht einhergeht etwas aktiv/absichtlich zu vermitteln. Dies ist überwiegend in den institutionellen Bildungseinrichtungen, welche man im Laufe seines Lebens durchlaufen muss oder kann, der Fall. Sie sind meist streng hierarchisch geprägt mit dem Gefälle des Lehrenden, der über dem Lernenden steht. Die informelle Bildung ist wiederrum alles, was man sich an Fähigkeiten und Wissen, häufig unbewusst durch Erfahrung, aneignet. Oftmals fällt im gleichen Wortlaut der Begriff der Selbstbildung.[1] Wie Herr Sauter im Video „Wissen ist keine Kompetenz“ nannte, besagen Studien, dass man 80 % seines Wissens außerhalb der institutionellen Einrichtungen erlangt[2]. Denn Bildung kann man nicht nur „reinstopfen“, sie muss der lernenden Person auch etwas bedeuten.

Laut Sting [1] gibt es noch die nicht-formelle Bildung. Wenn ich nun über die Einordnung der digitalen Bildung zwischen informeller oder formeller Bildung nachdenke, scheint wohl die Beschreibung der nichtformellen durchaus einen Teil davon darzustellen. Zur nichtformellen Bildung gehören Angebote, die wie bei der formellen Bildung darauf abzielen, einen Mehrwert an Wissen zu erlangen, aber dennoch wie bei der informellen Bildung freiwillig und passend zu den individuellen Vorlieben und Gegebenheiten genutzt werden können. Dies spricht schon einen der großen Vorteile der digitalen Bildung an, denn einen Großteil der Formate kann man zeitlich frei nach den eigenen Lebensbedingungen und Lust einteilen. Diese Einteilung der digitalen Bildung scheint aber definitorisch nicht dem Umfang der digitalen Bildung gerecht zu werden.

Das Netzwerk digitale Bildung definiert wie folgt:[3]

Digitale Bildung beschreibt, wie sich der gesamte Prozess der Bildung mit dem Einsatz digitaler Medien und auch in Hinblick auf das Bildungsziel grundlegend verändert. Bildung ist ein kontinuierlicher Prozess, der Menschen befähigt, ihr Leben und Lernen in einer digitalisierten Welt aktiv zu gestalten. Dabei geht es nicht mehr um den Erwerb von Faktenwissen – viel bedeutender wird die Kompetenz, sich Wissen selbstorganisiert anzueignen, es anzuwenden und kreative Lösungen für Problemstellungen eigenständig entwickeln zu können.“

Diese Definition beschreibt besonders mit dem ersten Satz eine Auffassung, die viele im Master GWT teilen, nämlich, dass man analoge Bildung nicht einfach eins zu eins in digitale Bildung überschreiben kann. Besonders durch das aktuelle virtuelle Semester wird deutlich, dass man sich andere didaktische Methoden zu eigen machen muss. Der Lehrende sollte stets reflektieren, ob die für die Präsenzlehre vorbereitete Vorlesung ohne Änderung der didaktischen Methoden auch in der virtuellen Lehre zu den gleichen Ergebnissen führen kann. Virtuelle Vorlesungen werden in Feedbacks von Studierenden oftmals als noch ermüdender als in der Präsenzlehre beschrieben. Somit sollte man sich über eine alternative Gestaltung Gedanken machen, beispielsweise durch Gruppenarbeiten oder eigenständiger Bearbeitung der Lerninhalte vor oder nach der Sitzung.

Exkurs: „Räume“ – Perspektivwechsel in der Bildungsdiskussion hin zu einer Ermöglichungsdidaktik

Eine Möglichkeit im Zuge eines Gedankenwandels beim Begriff Bildung ist ein verstärkter Blick auf den „Raum“, sowohl im metaphorischen als auch im „greifbaren“ Sinne. Laut Sesink hat die Pädagogik eine „eigene Räumlichkeit“, Pädagogik und Raum sind miteinander zu denken. Wohl genauso wie man bei digitaler Bildung die Technostruktur (die neuen Technologien als weiteres Tool zur Kommunikation [5]) und die Soziokultur (sozusagen die Lernatmosphäre, sowie der Umgang zwischen Lehrenden und Lernenden) miteinander oder in Abhängigkeit voneinander denken muss. Beide stellen meiner Meinung nach „Räume“ dar. Die Technostruktur ist der Rahmen der digitalen Bildung, wie der Grundriss eines Raumes, den man anfassen kann, der Wände, Fenster und Türen hat. Ohne diese wäre die Voraussetzung für digitale Bildung gar nicht erst gegeben. Die Soziokultur ist die soziale, inhaltliche Komponente des Lernraumes, den es auch bei der digitalen Bildung gibt. Hier geht es darum ein gutes Miteinander zu pflegen, den respektvollen Umgang und die pädagogische Haltung des Lehrenden.

Werner Sauter nennt in dem Interview zum Thema „umdenken des Bildungsbegriffes“ die sogenannte Ermöglichungsdidaktik, nach der man beginnen sollte zu arbeiten. Dies würde den aktuellen Richtungstrend der institutionellen Bildungseinrichtungen grundlegend verändern. Dabei sollen realistische Lernprozesse gestaltet werden, die dann die Lehrenden zu Lernbegleitern wandeln. So würde man weg von einem inputorientierten Bildungsverständnis hin zu einem persönlichkeitsfördernden Raum wechseln. Lernende sollen nicht gekränkt werden, sondern in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt. Sauter und Erpenbeck kommen in dem Interview zu dem Ergebnis, dass es genug Ansätze gibt, die diesen Weg schon einschlagen, wie Montessori, Waldorf und Co., aber auch in der Grundschulpädagogik. Eine laut ihnen bessere Bildung, doch die aktuelle Standardbildung bleibe weiterhin die kontrollierbarere.[2]

Autonomie und Freiheiten im Lernprozess

Nun zurück zu der Frage. Ja, durch eine gut eingesetzte Nutzung digitaler Bildungsmöglichkeiten kann bzw. wird meiner Meinung nach das Spektrum der Bildungsangebote erweitert und somit auch die Menge der Möglichkeiten. Ob die Möglichkeiten nun mehr Autonomie fördern, wird sich wohl in der Reflexion des aktuell bundesweiten Wechselns auf virtuelle Lehrmöglichkeiten zeigen.

Autonomie ist wieder einer der Begriffe, die man endlos definieren könnte. Nach Rössler hat Autonomie mit Übernahme von Verantwortung zu tun, die man nur übernehmen kann, wenn man über Freiheiten verfügt. Und zwar sowohl die positive Freiheit, also die Kontrolle über das zu haben was man selbst möchte und ein selbstbestimmtes Leben zu führen, als auch die negative Freiheit, also die Abwesenheit von Hindernissen oder Beschränkungen.[6]

Wendet man nun die Definition von Autonomie an, dann kann digitale Bildung bzw. in unserem Fall ein virtuelles Semester sowohl die Übernahme von Verantwortung, z.B. durch häufiges Feedback geben und bekommen, als auch an Freiheit in der zeitlichen Einteilung sowie in der Herangehensweise an Aufträge, bedeuten.

Fazit

Somit ist diese Frage in der Theorie mit JA zu beantworten. Aktuell hat die Umsetzung der digitalen Bildung allerdings mit deutschen Rahmenbedingungen zwei Haken.

Erstens basiert laut des Papers des Bundesministeriums für Bildung und Forschung digitale Bildung auf einem gleichberechtigten Zugang.[7] Doch nicht alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten (Hardware, Software, Skills). Da der Begriff der Autonomie so eng mit dem der Freiheit verbunden ist, kann die Erweiterung zu digitaler Bildung für diejenigen, die mit allen genannten Möglichkeiten gut ausgestattet sind einen großen Mehrwert darstellen im Vergleich zu all denjenigen, die nicht so viele Möglichkeiten haben. Für diese wird die Schere der Ungleichheit und somit der Bildungsgerechtigkeit immer weiter.[8]

Zweitens, sollte nun die Basis für einen gleichberechtigten Zugang gelegt worden sein, drängt sich mir immer häufiger eine Frage auf: Sprechen wir, im Zuge der Diskussion um digitale Bildung und der Reflexion der ausschließlichen Nutzung der digitalen Formate, von einer Ergänzung zu analoger Bildung oder einer Konkurrenzoption?  Denn letzteres und somit die Ersetzung von analoger Bildung, bereitet mir Sorge. Ich denke man kann einen großen Mehrwert aus der aktuellen Situation und somit der Nutzung digitaler Bildung erlangen. Durch die gute didaktische Aufbereitung, die mir aktuell in meinem Studium geboten wird, findet meiner Meinung nach eine echte „Ermöglichungsdidaktik“ nach Sauter statt. Ich persönlich bemerke, dass ich Texte eigenverantwortlicher lese und beispielsweise durch Gruppendiskussionen vor der Besprechung mit den DozentInnen viel ernster nehme und deutlich besser verarbeite und verinnerliche, als das stupide Vorbereitungslesen auf ein Seminar, in dem man sowieso alles noch einmal vom Dozenten erzählt bekommt. Dennoch fällt mir der Austausch mit der Großgruppe in der virtuellen Präsenz deutlich schwerer als in der eigentlichen Präsenz. Wodurch ich die echten Präsenzsitzungen mit einer belebten Diskurskultur doch sehr vermisse.

Sehen wir also digitale Bildung als Chance für eine Erweiterung der Möglichkeiten, die mehr Autonomie und Selbstwirksamkeit ermöglichen, jedoch nicht als Ersatz zu persönlichem Kontakt und analoger Bildung!

Literaturverzeichnis:

[1] Sting, Stephan (2005) Bildung jenseits von Schule? Perspektiven zur Förderung von Bildungsprozessen in der Jugendhilfe, in: Spies, Anke; Stecklina, Gerd und Richter, André (Hrsg.), Dimensionen und Reichweiten des Entwicklungsbedarfs. Bad Heilbrunn, S.22-34

[2] Wissen ist keine Kompetenz (Video). Verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=6OZqtEgJ87c

[3] Netzwerk Digitale Bildung (o.J.) Thesen für die Digitale Bildung – Empfehlungen an Entscheidungsträger. Verfügbar unter: https://www.netzwerk-digitale-bildung.de/wp-content/uploads/NDB-Thesen-f%C3%BCr-die-Digitale-Bildung.pdf

[4] Werner Sesink (2014): Überlegungen zur Pädagogik als einer einräumenden Praxis. Verfügbar unter: http://2014.gmw-online.de/wp-content/uploads/029.pdf

[5] „This will revolutionize education“ (Video). Verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=GEmuEWjHr5c

[6] Rössler, Beate (2017) Autonomie. Ein Versuch über das gelungene Leben. Berlin: Suhrkamp Verlag

[7] Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016) Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft. Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Verfügbar unter: https://www.bmbf.de/files/Bildungsoffensive_fuer_die_digitale_Wissensgesellschaft.pdf

[8] Eickelmann, Birgit (2015) Bildungsgerechtigkeit 4.0. Verfügbar unter: https://www.boell.de/de/2015/04/27/bildungsgerechtigkeit

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