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Unter Digitalisierung wird meist nur die technische Ausstattung, wie das technische Endgerät, Softwares oder Applikationen verstanden. Der neuen „Lernaufgabe“ bzw. der Wissens- und Informationstransfer zum Lernenden wird jedoch in Digitalpakts oder in Digitalisierungsstrategien meist nicht bedacht. So entsteht eine Lücke zwischen dem Lernenden und dem zu lernenden Inhalt, welche durch die reine technische Ausstattung nicht geschlossen werden kann. Durch die Corona-Pandemie wurde auch nochmal deutlich, dass die Lehrkräfte, Dozenten oder Professoren die neue digitale Lehre noch nicht so gut beherrschen. Fraglich ist somit, ob die Digitalpakts- und Strategien den digitalen Lernprozess überhaupt umfasst.

Die Bunderegierung veröffentlichte 2019 ihre Umsetzungsstrategie zur Digitalisierung [1]. Dabei gliedern sie in folgende Abschnitte:

Digitale Kompetenz, Infrastruktur und Ausstattung, Innovation und digitale Transformation, Gesellschaft im digitalen Wandel, Moderner Staat. Es gibt eine klare Vorstellung davon, wie Technik unser Leben mitgestalten soll. Auch im Hinblick, dass unsere Welt immer mehr zu BigData wird und ums zu behaupten, müssen wir unbedingt mithalten und Kompetenzen erwerben. Und zwar jeder, ganz im Sinne von Industrie 4.0. Wir müssen ja mithalten und hecheln mit Windows 98 in den Schulen hinterher. Schnell schnell: es werden Gelder zur Verfügung gestellt, paar Tablets beschafft und das ein oder andere Whiteboard ins Klassenzimmer geschraubt und ganz groß natürlich die politische medienwirksame Karte gezogen. Das Bayerische Kultusministerium verkündet endlich: Es werden Medienkonzepte erarbeitet (im Schuljahr 2018/2019)- Guten Morgen Bayern! Da lacht sich der 10-jährige Schüler aus Estlands ins Fäustchen, denn Programmieren kann er schon seit der 3. Klasse! [2].

Doch was bedeutet es wirklich „digital natives“ „großzuziehen“, was bedeutet digitales Lernen, wie sollte es gestaltet sein? Was macht gutes Lernen/ gute Bildung aus? Und jetzt auch noch digital?

Digitales Lernen ist nicht einheitlich definiert und wird vielmehr als ein Überbegriff für Methoden des nicht analogen- also elektronischen Lernprozesses herangezogen [3]. Hierbei muss aber zuerst die Grundlage des Lernprozesses verstanden werden, was Veritasium in seinem Video verdeutlicht – nämlich, dass es vor allem auf die Soziokultur des Lernens ankommt! Dies bedeutet, dass es für einen erfolgreichen Lernprozess eine (oft beschriebene positive und wertschätzende) Beziehung zwischen den Lehrenden und Lernenden geben sollte. Deutlich wird auch, dass die Technik hierbei erstmal nur eine Nebenrolle der Ausgestaltung spielt- sie soll nicht als technische Determinante verstanden werden [4]. Hinzu kommt dann, und da sind sich die Pädagogen und Neurowissenschaftler schon länger einig, dass ein erfolgreicher Lernprozess abhängig von der Bedeutung und der Sinnhaftigkeit des Lernenden ist [5]. Dieses Grundverständnis sollte als Basis herangenommen werden, um digitales Lernen weiter auszugestalten!

„Keine IT-Ausstattung ohne pädagogisches Konzept!“

Und genau hier liegt der Knackpunkt der bisherigen politischen digitalen Umsetzungsstrategien und Digitalpakts. Sie beachten nicht die eigentlichen notwendigen Lernprozesse der Lernenden, sondern es wird versucht Technik über den jetzigen Stand drüberzustülpen. Und genau das führt zu keinem erfolgreichen nachhaltigen digitalen Lernen! [6]. Auch unsere Kohorte des Masterstudiengangs GWT hat eigene Erfahrungen gemacht, wodurch uns Studierenden nochmal klar wurde, welcher großer Bedarf der Klärung des digitalen Lernens und digitaler Bildung besteht und wie viel Forschung zum Thema Lernprozesse des Gehirns bei digitaler Lehre notwendig ist. Eines stellte sich schnell heraus, es gibt keine goldene Methode oder Regel wie digitales Lernen auszusehen hat, sondern es lebt von der Kreativität der Methoden und der Technik, die man aber zulassen muss. Unsere Kohorte GWT konnte mit diesem Blogbeitrag einen solchen kreativen Lernprozess ausprobieren.

Die Telekom-Stiftung hat in ihrer Studie nochmals die Bedeutung der Lernprozesse herausgearbeitet und zitiert Prof. Schuster: „Keine IT-Ausstattung ohne pädagogisches Konzept“ [7]. Die Forderung des Digitalisierungspaktes und sonstige Maßnahmen sollten sich unter anderem auf den Lernprozess fokussieren und wie dieser digital Umgesetzt werden kann – denn auch wenn die Forderung nach einem „schnellen“ Aufholen im Raum steht, sollte es sinnvoll nachgeholt werden und nicht hektisch mal schnell Windows 10 installieren.

Quellen

[1]https://www.bildung-forschung.digital/de/digitalisierungsstrategie-der-bundesregierung-2529.html
[2] https://www.youtube.com/watch?time_continue=12&v=uVLUY6ydFNQ&feature=emb_title
[3] https://wiki.zum.de/wiki/Digitales_Lernen
[4] https://www.youtube.com/watch?v=GEmuEWjHr5c
[5] https://www.alexander-klier.net/bildung-und-die-digitale-transformation-des-lernens-sose-2020/ PPP- Folie 10
[6]https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/245316/meinung-lernen-in-der-digitalen-gesellschaft
[7] https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/schuledigital_2015_web.pdf S. 7

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