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Unser aktuelles Bildungssystem

Wie lange existiert unser heutiges Bildungssystem eigentlich? Wirft man einen Blick zurück dann lässt sich feststellen, dass unser heutiges Schulsystem aus Zeiten des Kaiserreiches stammt [1] – der Gedanke, Bildung für alle zu gewährleisten war damals eine super Sache und mündet in der heutigen Schulpflicht. So kann natürlich gewährleistet werden, dass jedes Kind aus jeder sozialen Schicht ein Recht auf Bildung hat (was, wie wir wissen, nicht unbedingt zu Chancengleichheit führt). Nun gut, werfen wir noch einmal einen Blick zurück in die Vergangenheit, dann finden wir die Ursprünge des dreigliedrigen Schulsystems in der Weimarer Republik, das die politischen, ökonomischen und sozialen Statusinteressen einer Dreiklassengesellschaft spiegelte [1] – und so ist es bis heute geblieben. Natürlich gab es in der Zwischenzeit auch Reformen, wie die Etablierung von Gesamtschulen, aber diese integrieren sich in das bestehende System, als das sie es wirklich verändern oder auflösen. Wir bilden also unsere Kinder, die Erwachsenen von morgen in einer Institution aus, die vor mehr als 100 Jahren etabliert wurde- zu einer Zeit also, die so ganz anders war als unsere heutige. Wo damals das Wissen in den Bibliotheken schlummerte und es wichtig war, Wissen anzueignen, steht uns in der heutigen Zeit das ganze Wissen im Internet zur Verfügung.

Wir leben in einer Zeit, in der wir nicht wissen, welche Jobs es in 20 Jahren geben wird und in der die ganze Welt mit einem Mausklick miteinander verbunden ist aber vor allem, in dem digitale Kompetenzen in fast allen Lebensbereichen immer mehr gefordert sein werden und es auf das lebenslange Lernen ankommt, um mit dem Fortschritt mithalten zu können. Während die Institution Schule durch Standardisierung und Zentralabitur der Logik des Allgemeinen folgt, werden viele Bereiche in der Gesellschaft immer individueller, sodass davon ausgegangen werden kann, dass das traditionelle Wissensvermittlungskonzept ein immer weiter wachsendes Modernisierungsdefizit aufweist. Nicht nur die Art des Lehrens, sondern auch die Inhalte sind nicht mehr zeitgemäß, wenn man bedenkt, dass viele bisherigen Berufe in der Zukunft nicht mehr existieren werden. Es braucht somit andere, neue Modelle, wie Schule gedacht werden kann. In der Zukunft wird es immer weniger darauf ankommen, dass alle das Gleiche können, sondern das Lernende ihr Potenzial, ihre Fähigkeiten, Persönlichkeiten und Teamfähigkeiten entwickeln, um Alleinstellungsmerkmale für den weiteren beruflichen Werdegang ausbilden zu können [2]. Mal abgesehen davon sollten wir endlich davon abkommen, dass die eigene Herkunft die Chancen auf Bildung erheblich beeinflussen- und zwar nicht immer zum Positiven [3].

Aus diesem Grund stellt sich die Frage, ob wir den aktuellen Digitalisierungsdiskurs, der durch die Corona-Pandemie wieder neu entfacht wurde, nutzen sollten, um das Schulsystem von Grund auf in Frage zu stellen und darüber nachzudenken, wie gute und zukunftsfähige Lehre in Zeiten einer digitalen Welt funktionieren kann?

Kompetenzen für die Welt von morgen

Wenn wir die Welt von morgen betrachten, braucht es vor allem Kompetenzen, wie Selbstorganisation und Kreativität, um die Herausforderungen in der Zukunft meistern zu können. Es wird immer mehr darauf ankommen, eigenständig lösungsorientiert zu denken und zu handeln, anstatt sich an vorgefertigten Lösungen für Probleme zu orientieren (vor allem, wird es diese Lösungen in einer immer komplexer werdenden Welt auch oftmals noch gar nicht geben) [4]. Daher sollte die Lehre weniger inhaltsorientierte als subjektorientierte Didaktiken beinhalten [4]. Lernende sollten vor allem selbst über eigene Lernmethoden verfügen, sprich sie sollten lernen zu lernen. Die Welt von morgen benötigt selbstgesteuerte Lerner, die weniger in institutionalisierten Settings lernen, sondern in der Wirklichkeit, in ihrem Alltag. Es braucht weniger lineare Formen der Bildung und somit eine Abkehr von einem Stundenplan der durchgetaktet und von Lehrplänen vorgegeben ist, hin zu einem Freiraum für Schüler*innen. Diese sollten auch außerhalb der Institution lernen können, in Projekten arbeiten, sich selbst entdecken und erfahren und mit Eigenverantwortlichkeit, Selbstorganisation und Selbstkenntnis das passende Rüstzeug erhalten, um für das lebenslange Lernen in der Wissensgesellschaft vorbereitet zu sein. Die Lernenden sollten nicht für eine Zukunft lernen, die es nicht mehr geben wird, denn die genormte Wissensvermittlung bietet nicht mehr die Grundlage, sich den immer beschleunigenden Prozessen kompetent anzunehmen [2]. Die Kompetenz Unsicherheit auszuhalten und mit ihr umzugehen wird relevanter, denn die Zukunft ist weniger vorherzusehen und die Gesellschaft wandelt sich immer rasanter [2].

Die Art der Lehre im deutschen Bildungssystem

Betrachten wir jedoch die überwiegend in deutschen Schulen praktizierte Lehre, lässt sich erkennen, dass sich in vielen Schulen seit dem Kaiserreich wenig an der Art zu Lehren verändert hat. Frontalunterricht ist oftmals noch heute das bewährte Mittel, Inhalte zu vermitteln. Zusammen mit einem ausgeklügelten Stundenplan, der den Takt zwischen Mathe, Deutsch und Biologie in 45 Minuten Häppchen taktet. Der Lehrer erzählt, die Schüler*innen nehmen es auf (oder auch nicht) – das Arbeiten an Projekten ist ein besonderes Ereignis und die Digitalisierung besteht darin, dass einmal die Woche der einzige PC-Raum der Schule aufgesucht wird, um Informationen im World Wide Web über den Blauwal zu suchen [5]. So werden wir allerdings die Erwachsenen von morgen nicht mit allen Kompetenzen, die sie für die Anforderungen in der Zukunft benötigen, ausstatten können. Daher bietet der Diskurs über die Digitalisierung an deutschen Schulen eine große Chance, das gesamte deutsche Schulsystem noch einmal von Grund auf zu hinterfragen beispielsweise in Bezug auf Chancengleichheit, Zukunftsorientierung, Lehrer*innenausbildung oder Inklusion.

Betrachten wir die aktuelle Situation der Digitalisierung an Schulen, dann besteht oftmals der Irrglaube, dass die Übersetzung von analogen Lehrformaten ins digitale, zwangsläufig zu besseren Lernbedingungen führt [6]. So ergab der Pisa-Bericht 2015, dass durch den alleinigen Einsatz von Whiteboards oder Tablets kein unmittelbarer Lernerfolg zu verzeichnen war [7]. Ist das nicht bezeichnend für das deutsche Bildungssystem? An diesem Beispiel kann verdeutlicht werden, wie starr und unflexibel das Schulsystem auf die neuen Herausforderungen reagiert. Es kann nicht die Lösung sein, das alte System lediglich um digitale Endgeräte zu erweitern jedoch an den grundsätzlichen Strukturen und an der Art der Lehre keine Veränderungen vorzunehmen.

Was braucht es, um die Digitalisierung an Schulen zu ermöglichen?

Entscheidend für einen erfolgreichen Lernprozess mit digitalen Tools ist vor allem, wie die jeweiligen digitalen Geräte und Lernapps didaktisch vom jeweiligen Lehrpersonal eingesetzt werden, wie flexibel Lernangebote gestaltet- und wie flexibel auf neue Situationen eingegangen wird aber auch wie die Art und Weise des Lehrens vollzogen wird. Ist diese kooperativ, projektförmig, interaktiv oder wie zuvor bereits erwähnt, lehrerzentriert und frontal [7]?

Der Einsatz digitaler Endgeräte kann dazu führen, dass Lehrende zu Lernbegleitern werden, die ihre Schüler*innen individuell begleiten können und so eine Abkehr von Lehrerzentrierung und Frontalunterricht eingeleitet wird, denn diese Art der Lehre nimmt nicht jeden Lernenden individuell in den Blick (auch nicht wenn sie am Whiteboard durchgeführt wird). Es birgt die große Chance, die Lernenden ganz individuell zu fördern, im Hinblick auf das individuelle Vorwissen, die individuellen Fähigkeiten und in einem jeweils ganz eigenen Tempo.

Der Einsatz digitaler Geräte, Software und Apps kann einen personalisierten Unterricht ermöglichen und eine Abkehr vom engen Korsett der Schulfächer und Stundenpläne bereithalten. Durch E-Learning kann der Lernprozess sogar dezentral stattfinden, das heißt, es besteht ein enormes Potenzial Unterricht nicht nur in den institutionellen Räumlichkeiten stattfinden zu lassen, sondern Lernprozesse können an Orten vollzogen werden, an denen sich Lernende ganz individuell wohlfühlen. Dementsprechend kann Digitalisierung dazu führen, dass sowohl eine zeitliche als auch eine räumliche Entgrenzung des Lernens stattfinden kann und somit schulisches lernen in informellen Kontexten möglich wird.

Hier spielt die Erkenntnis eine erhebliche Rolle, dass das Lernen überwiegend nicht in institutionellen Settings wie der Schule stattfindet, sondern in Settings, die weder für Lernprozesse entwickelt noch wegen Lernzielen aufgesucht werden, also vorwiegend im Alltag gelernt wird [8]. Um diesen Prozess des informellen Lernens schulisch, institutionell zu begleiten, kann „Social Software“ zum Einsatz kommen. Diese Software ist dafür gedacht, Personen mit denselben Interessen zusammenzubringen, um sich anschließend über gemeinsame Inhalte, Themen, Bearbeitungen auszutauschen und diese gemeinsam zu erstellen [8]. Dabei steht die Selbstorganisation im Vordergrund, die Software ermöglicht soziale Rückkopplung in Form von Feedback, Informationen können miteinander verknüpft werden und Individuen lernen, auch in Gruppenkonstellationen zu kommunizieren [8].

Um die „Social Software“ für formale Bildungsarrangements tauglich zu machen, sollte eine gewisse Kontrolle der sozialen Kontakte und der besprochenen Inhalte möglich sein, sodass sich ein Lern-Management-System (LMS) anbietet, indem eine Registrierung den Zugriff auf die Plattform kontrolliert und die Lehrenden den Prozess der Bearbeitung verfolgen können. Hier könnte durchaus darüber nachgedacht werden, ein zentrales Lern-Management-System für alle Lernenden in Bildungsinstitutionen Deutschlands oder sogar europaweit anzubieten, sodass Lernende die Möglichkeit erhalten, weit über den persönlichen Adressatenkreis hinaus, mit anderen Lernenden zusammenzukommen und gemeinsam an Fragestellungen zu arbeiten, die von der Bildungsinstitution vorgegeben werden [8].

Was macht gute Lehre aus?

Um eine gute Lehre zu gewährleisten, braucht es vor allem gute Lehrer*innen, das stellte der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie heraus [7]. Die Lehrkräfte jedoch sind oftmals gar nicht für eine digitale Bildung ausgebildet und erfahren zu wenig Unterstützung bei der Vermittlung digitaler Themen [9] und der Aufbereitung digitaler Tools für einen individuellen Unterricht. So werden Medienkompetenzen, die vor allem aktuell Kinder und Jugendliche vor einem falschen Umgang im Internet schützen und sie kompetent machen, beispielsweise Fake News, Hate Speech, Cyber-Mobbing oder die Einflussnahme großer Konzerne im Internet zu erkennen, viel zu selten vermittelt und gelehrt. Es fehlt aber auch die Vermittlung von Programmierkenntnissen, das Wissen über Algorithmen von sozialen Medien, der Umgang mit eigenen und fremden Daten oder welche Berufsfelder es im Bereich digitaler Medien überhaupt gibt. Die Bereitstellung von Laptop, Tablet und Co. ist ein erster wichtiger Schritt, dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Pseudo-Digitalisierung vorliegt, wenn die Geräte nicht didaktisch richtig genutzt werden. Es braucht somit das passende Lehrpersonal, dass sowohl die technologische-, die anwendungsorientiere, und die gesellschaftlich- kulturelle Perspektive vermitteln kann [10]. und der klug kombiniert zwischen analogem und digitalem Lernen.

Lehrpersonen sollten über den Auftrag als Lernbegleiter an der Seite der Lernenden zu fungieren, auch die Lust am Entdecken fördern. Dazu brauchen Kinder Beziehungen [11]. Beziehungen zu Lehrenden und Beziehungen zu anderen Kindern- jünger oder älter, Kinder mit einem Handicap oder einem Migrationshintergrund. Dadurch wird Vielfalt gestärkt und gegenseitiges Verständnis von Andersartigkeit gefördert.

Bräuchte es bei dieser Art des Lernens und Lehrens denn überhaupt noch ein mehrgliedriges Schulsystem?

Die Digitalisierung bietet die Chance und Möglichkeit die traditionsbehaftete Organisationsstruktur der Schule aufzubrechen, die immer noch am veralteten Fließbandsystem der industriellen Massenproduktion hängt, um diverse und vielfältige Lerngruppen möglich zu machen, indem die Lernenden individuell begleitet und unterstützt werden und die Lehrenden Strukturen vorfinden, in denen sie eine heterogene Lerngruppe auch angemessen fördern und unterstützen können. Somit bildet die individuelle Förderung und die Entwicklung von Selbstorganisation die Grundlage, in immer agiler werdenden Arbeitskontexten mithalten zu können.

Kommunikation und Interaktion bilden wichtige Voraussetzungen, um eine individuelle Form des Lernens gestalten zu können. Durch Software wie das Lern-Management-System (LMS), können Vernetzungen sogar über den Adressatenkreis der eigenen Bildungsinstitution hinaus stattfinden und formales lernen auch im Alltag mit anderen Lernenden möglich werden. Das soll nicht bedeuten, dass es keine institutionellen Räumlichkeiten mehr gibt, in denen physische soziale Kontakte vorgefunden werden, sondern der Radius des Lernens wird erweitert.

Durch die Digitalisierung kann ein individueller Unterricht möglich gemacht werden und somit eine Abkehr vom noch vorherrschenden Frontalunterricht vollzogen werden. Das bedeutet jedoch auch, dass die Notwendigkeit eines mehrgliedrigen Schulsystems, das Chancenungleichheit befördert, überhaupt nicht mehr besteht, denn dieses legitimiert sich unter anderem dadurch, dass Frontalunterricht nur in homogenen Lerngruppen möglich ist, da Informationen und Wissen durch diese Art zu Lehren weniger individuell vermittelt werden kann. Das Ziel der Inklusion und die Erreichung von Bildungsgerechtigkeit kann durch die individuelle Förderung mithilfe der Digitalisierung maßgeblich vorangetrieben werden, denn das Argument, Schüler*innen in Schulformen selektieren zu müssen, wird hinfällig.  

Es ist bereits aus vielen Studien bekannt, dass das ökonomische und kulturelle Kapital der Eltern und der Bildungserfolg der Kinder korrelieren und die frühe Zuweisung von Schüler*innen auf unterschiedliche Schulformen und eine geringe Durchlässigkeit, soziale Herkunftseffekte verstärken [12]. Zudem erlernen Kinder aus sogenannten Risikomilieus deutlich weniger Medienkompetenz in ihren Herkunftsfamilien [13] als Kinder aus sozioökonomisch besser gestellten Familien. Das muss und sollte unser Bildungssystem ausgleichen, sonst werden Ungleichheiten in der Zukunft weiter verfestigt, indem Lernende aus sozioökonomisch schwächer gestellten Familien für die Arbeitswelt der Zukunft weitaus weniger gerüstet sein werden.  Selbstorganisation, Selbstkenntnis und Eigenverantwortlichkeit sind Kompetenzen, die in der Zukunft dringend gebraucht werden, um unter anderem auch die eigene Bildungsbiografie selbstgesteuert meistern zu können. Dafür braucht es jedoch handlungsfähige Akteure, die lernen wie sie sich Wissen aneignen und anwenden können. Der Einsatz von digitaler Technologie kann die Lernenden für die Welt von morgen vorbereiten, durch diese können vor allem sie individuell gefordert und gefördert werden. Die Möglichkeit, durch eine Veränderung der Lehre mithilfe der Digitalisierung, das bestehende mehrgliedrige Schulsystem aufzubrechen, würde einen enormen Beitrag dazu leisten, dass vor allem sozioökonomisch schwächer gestellte und Lernende aus bildungsfernen Milieus, die Möglichkeit erhalten, ihre Potenziale und Fähigkeiten ohne Einschränkungen durch die Schulform zu entwickeln und die sozialen Herkunftseffekte somit keinen so erheblichen Einfluss auf den Bildungserfolg mehr haben.

Ein individueller Unterricht mithilfe digitaler Tools ermöglicht es, Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichem sozioökonomischen Status, unterschiedlichen körperlichen und geistigen Voraussetzungen, nicht nur virtuell sondern auch real, im institutionellen Setting zusammenkommen zu lassen, sodass sie gegenseitig voneinander und miteinander lernen.

Durch die Digitalisierung kann somit die klassische Sender-Empfänger Situation zwischen Lehrenden und Lernenden verringert werden. Schlussendlich führt diese Lehre zu mehr Autonomie der Lernenden über den eigenen Lernprozess. Die digitale Lehre kann daher einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass Lernende die Kompetenzen und Fähigkeiten, wie Selbstorganisation aber auch Vernetzung mit unterschiedlichen Individuen, die für die Zukunft immer relevanter werden, erlernen können und somit handlungsfähig für die Welt von morgen werden.

Oder sollten wir noch „revolutionärer“ denken?- ein kleiner Impuls

Die Zukunft ist ungewiss, das wurde bereits herausgestellt und es macht wenig Sinn, Lernende für eine Welt auszubilden, die es gar nicht mehr geben wird. Wie wäre es, wenn Lernende selbst neue Lebensstile und Verhaltensweisen ausprobieren können, indem sie lernen einen Umgang mit Unsicherheit auszuhalten und die sich in Anbetracht der globalen Klimakrise an nachhaltigen Entwicklungen orientiert, wie an den 17 „Global Goals“, auf die sich die Weltgemeinschaft 2015 geeinigt hat [2]? Der Theaterpädagoge Ken Robinson schlägt vor, die Bildung von Grund auf zu revolutionieren, indem er acht »Cs« definiert, die Lernende entwickelt haben sollten, wenn sie die Schule verlassen.

[14] Die acht »Cs« der Schule der Zukunft (nach Ken Robinson)

Fazit

Schlussendlich lässt sich erkennen, dass der Diskurs über Digitalisierung in Schulen auch viele weitere Themenfelder eröffnet. Ist unser Schulsystem noch zeitgemäß? Wie müssen unsere Lehrer*innen ausgebildet werden, um ihren Schüler*innen die nötigen Kompetenzen für eine digitale Welt mitzugeben und wie muss lernen in Zukunft überhaupt gedacht werden? Wie können wir Chancengleichheit gewährleisten? Die vielen Fragen und Diskursfelder, die sich um die Digitalisierung eröffnen verdeutlichen, dass eine Digitalisierung an Schulen weitaus nicht vollzogen wurde, wenn WLAN und Tablets vorhanden sind, sondern das bestehende Strukturen, die Inhalte und die Art der Lehr-Lernprozesse radikal umgedacht werden müssen, um die Erwachsenen von morgen mit allem was sie für eine sich schnell verändernde Welt benötigen, auszustatten. Sehen wir den Diskurs über die Digitalisierung der Schulen also als Chance noch einmal neu zu denken und die bestehenden Strukturen aufzubrechen und das Schulsystem zu revolutionieren.  

Quellen

[1] Becker, Rolf (2014): Entwicklung des deutschen Bildungssystems im Überblick. In: Bundeszentrale für politische Bildung. Verfügbar über: https://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/194145/ueberblick (14.05.2020)

[2] Burow- Olaf-Axel (2019): Wie die digitale Revolution uns und die Schule verändert. Sieben revolutionäre Herausforderungen und ihre Bewältigung. In: ders. (Hrsg.): Schule digital- wie geht das? Wie die digitale Revolution uns und die Schule verändert. Beltz Verlag. Weinheim/ Basel- S. 12-61.

[3] Hopf, Wulf; Edelstein, Benjamin (2018): Chancengleichheit zwischen Anspruch und Wirklichkeit. In: Bundeszentrale für politische Bildung. Verfügbar über: https://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/174634/chancengleichheit (14.05.2020)

[4] Wissen ist keine Kompetenz (Video) verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?time_continue=965&v=6OZqtEgJ87c&feature=emb_logo (14.05.2020)

[5] Maxton-Küchenmeister, Jörg; Meßinger-Koppelt, Jenny (2014): Digitale Medien im Naturwissenschaftlichen Unterricht. Hamburg. Joachim Herz Stiftung Verlag.

[6] Hofhues, Sandra (2018): Eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung
Bildung im digitalen Wandel. Verfügbar über: https://www.goethe.de/de/spr/mag/dsk/21272715.html (14.05.2020)

[7] Kern, Stefan (2019): Digitaler Holzweg? Digitaltechnik stimuliert nur eindimensional, für die Entwicklung eines junges Gehirns ist das zu wenig- Lehrer müssen das berücksichtigen. Verfügbar über: https://www.rnz.de/panorama/magazin_artikel,-digitalisierung-an-schulen-digitaler-holzweg-_arid,481168.html (14.05.2020)

[8] Baumgartner, Peter (2008): Die zukünftige Bedeutung von Online-Lernen für lebenslanges Lernen. Verfügbar unter: https://portfolio.peter-baumgartner.net/files/pdf/2008/Baumgartner_Die%20zukuenftige%20Bedeutung%20von%20Online-Lernen_2008.pdf (09.06.2020).

[9] Bergner, Nadine (2017): Digitale Bildung in der Schule – die Lehrkräfte sind der Schlüssel. Material- und Fortbildungsangebote zum Thema digitales Lernen. In: Medienpädagogik. 28. S. 123-132.

[10] Lucks, Kai (2020): Der Wettlauf um die Digitalisierung. Potenziale und Hürden in Industrie, Gesellschaft und Verwaltung. Stuttgart. Schäffer-Poeschel Verlag.

[11] Wie wir lernen (Video) verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=cVOwIRv0Fs0&feature=emb_logo (14.05.2020)

[12] Krüger, Heinz-Hermann; Rabe-Kleberg, Ursula; Kramer, Rolf-Torsten; Budde, Jürgen (2010): Bildungsungleichheit revisited? – eine Einleitung. In: dies.: Bildungsungleichheit revisited. Bildung und soziale Ungleichheit vom Kindergarten bis zur Hochschule. 2. Aufl.. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 7-24.

[13] Paus-Hasebrink, Ingrid; Bichler, Michelle (unter Mitarbeit von Wijnen, Christine) (2008): Mediensozialisationsforschung. Theoretische Fundierung und Fallbeispiel sozial benachteiligter Kinder. Innsbruck,Wien, Bozen. Studien Verlag.

[14] Robinson Ken; Aronica Lou (2015): Creative Schools. Revolutionizing Education from the Ground Up. Penguin Random House UK.